Mit Kindern in Kenia: Giraffenkuss für den Rafiki

Waisenkinder im Elefantenhaus, Fütterung der Rothschild-Giraffen: Auf einer Safari durch Kenia gehen Afrika-Reisende auf Tuchfühlung mit wilden Tieren. Besonders aufregend ist das Erlebnis für Kinder - sofern man die richtigen Nationalparks auswählt.

Kenia-Safari: Ferien mit Dickhäutern Fotos
TMN

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Nairobi - Sebastian muss sich an die feuchten Küsse seiner neuen Freundin erst noch gewöhnen. Anfangs hat der Neunjährige ein bisschen scheu zu der zwölf Jahre alten Rothschildgiraffe Eileen aufgeschaut. Die sollte er füttern? Doch ein aufmunterndes Lächeln der Mama macht ihm Mut: Entschlossen greift Sebastian in den Eimer mit den Getreideflocken, die ihm ein Mitarbeiter des Giraffenzentrums in Nairobi hinhält.

Die lange, brombeerfarbene Zunge, mit der Eileen die Flocken von der Hand schleckt, kitzelt. Sebastian kichert. Schon bald traut er sich, ein Stückchen Giraffenfutter zwischen den Lippen zu halten und darauf zu warten, dass die Giraffe es mit einem "feuchten Kuss" entgegennimmt.

Sylvia Geissler lässt den Fotoapparat sinken, nachdem sie den Giraffenkuss für ihren Sohn festgehalten hat. "Gerade für Kinder ist es ein tolles Erlebnis, den Tieren auf Augenhöhe zu begegnen", sagt die Hannoveranerin, die anfangs Bedenken hatte, ob ein Afrika-Urlaub mit Kind eine gute Idee sei. Langes Stillsitzen fällt Sebastian wie vielen Kindern seines Alter schwer - da will eine Safari gut geplant sein.

Zum klassischen Kenia-Reiseprogramm gehören meist das Naturschutzgebiet Masai Mara sowie die Nationalparks Tsavo oder Amboseli. Lange Anfahrtszeiten von mindestens fünf Stunden auf oft schlechten Straßen und stundenlange Pirschfahrten sind für Kinder allerdings kein Vergnügen.

Doch gerade in und um die kenianische Hauptstadt Nairobi gibt es viele Möglichkeiten, auch mit Kindern einen stressfreien Einstieg in das Abenteuer Afrika hinzubekommen. Das Giraffenzentrum, in dem Besucher von einer Plattform aus die seltenen Rothschild-Giraffen füttern können, ist nur ein Beispiel.

Fangenspielen auf der Holzhütte

Dem Besuch des Elefantenwaisenhauses hat Sebastian schon seit Monaten entgegengefiebert - schließlich ist er Patenonkel eines verwaisten Elefantenkalbs. Am Rande des Nationalparks von Nairobi werden die Jungtiere aufgezogen, deren Mütter von Wilderern getötet wurden oder in der Dürre ums Leben kamen. Alle vier Stunden gibt es eine große Portion Spezialmilch, und einmal am Tag werden eine Stunde lang Besucher in die Aufzuchtstation gelassen. Die kleinen Elefanten sollen keine Streicheltiere sein, sondern eines Tages im Nationalpark Tsavo ausgewildert werden.

In wohl keiner anderen Hauptstadt sind Besucher und Einwohner den Zebras, Antilopen, Löwen und Nashörner so nahe wie in Nairobi - der Nationalpark liegt nur zehn Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Puristen mögen sich darüber mokieren, wilde Tiere mit der Skyline im Hintergrund zu fotografieren. Eltern, die das anstrengende "Wann sind wir denn endlich da?" ihrer Kinder nicht hören wollen, lieben den Park - vor allem, weil er über Picknickplätze verfügt, an denen man grillen oder Fußball spielen kann.

Sebastian hat es aber noch besser im Acacia Camp des privaten Reservates Swara Plains gefallen: "Wir haben in Holzhütten geschlafen, und morgens haben die Affen auf dem Dach Fangen gespielt", erzählt er begeistert. "Die Leute da hatten einen Hund, mit dem ich spielen konnte, und nachts hat er vor unserer Hütte geschlafen und auf uns aufgepasst."

Die "Big Five" - Löwe, Leopard, Elefant, Büffel, Nashorn - gibt es in den Swara Plains zwar nicht zu sehen. Dafür kann man aber auch mal spazieren gehen oder mit dem Fahrrad fahren - in den Nationalparks ist das fast überall verboten, um gefährliche Begegnungen mit Wildtieren zu verhindern. Eine Ausnahme ist der Hells Gate National Park in der Nähe von Naivasha, zwei Autostunden von Nairobi entfernt.

"Rafiki heißt Freund!"

Man kann dort einiges mehr machen, als vom Auto aus die Tierwelt zu beobachten. Bergsteiger üben an den Felshängen des Parks, von dem man auch den Gipfel des Vulkans Mount Longonot sehen kann. Im Park selbst gibt es unter anderem Zebras, verschiedene Antilopenarten und Paviane, die bevorzugt in der Nähe von Picknickplätzen auf Futtersuche gehen.

Wer den Naivasha-See als Ausgangsort für Ausflüge in der Umgebung nutzt, hat die Auswahl zwischen einer Vielzahl von Unterkünften - vom Country-Club bis zu Campingplätzen, auf denen man nachts auf gar keinen Fall grasenden Nilpferden den Weg zum Wasser abschneiden sollte. Die so gemütlich aussehenden Dickhäuter können ausgesprochen angriffslustig sein. Cineasten können auf der nahe gelegenen Crescent-Halbinsel nicht nur zwischen Giraffen und Gnus spazieren gehen, sondern in Erinnerungen an den Film "Jenseits von Afrika" schwelgen: Hier wurden Teile des Klassikers gedreht.

Wie ein grünes Juwel liegt nahe von Naivasha ein See im Krater eines erloschenes Vulkans. Flamingos ziehen ihre Runden, eine Lodge inmitten eines weiteren privaten Reservats bietet einen schönen Blick auf den See und die umliegenden Berge.

Die spektakuläre Gnuwanderung in der Masai Mara hat Sebastian nicht beobachtet. Aber "seinen" Elefanten gesehen zu haben, die Küsschen von Giraffe Eileen und das Fußballspielen mit kenianischen Nachbarskindern haben dem Neunjährigen vielleicht sogar mehr Spaß gemacht. "Kenia ist ein schönes Land, ich wünschte, ich könnte hier leben", sagt er. Und auch wenn er nur zwei Wochen in Ostafrika war, hat er ein paar wichtige Swahili-Wörter aufgeschnappt: "Rafiki heißt Freund!" Einen fernen Freund in Kenia behält der Elefantenpate auch, wenn er zurück nach Deutschland fliegt.

Eva Krafczyk, dpa

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