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Molukken-Archipel Banda: Was die Engländer gegen Manhattan tauschten

Die Muskatnuss machte die Banda-Inseln einst weltberühmt und hart umkämpft. Für eins der Eilande erhielten die Engländer sogar Manhattan - ob das wirklich ein guter Deal war? Heute ist das indonesische Archipel ein Geheimtipp.

Banda-Inseln in Indonesien: Geheimtipp für Segler und Taucher Fotos
TMN

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Banda Neira - An einer Wand im Hotel Maulana hängt ein gezeichnetes Porträt von Prinzessin Diana mit Widmung. Man glaubt kaum, dass sie wirklich hier war, genauso wie Mick Jagger und der legendäre Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau. Dass sie auf der Terrasse des pseudokolonialen Hotels saß und über die Bucht hinüber zum Vulkan Gunungapi blickte. Dass sie die Reise um die halbe Erde auf sich nahm, um diese einst weltberühmten und heute vergessenen Inseln zu sehen.

Die Bandas sind eine der schönsten und faszinierendsten Inselgruppen Indonesiens. Auf der Landkarte sind sie nur ein Punkt inmitten des Archipels der Molukken. Doch vor 500 Jahren kämpften Portugiesen, Niederländer und Engländer um die zehn Eilande. Denn sie waren der einzige Ort auf der Welt, wo Muskatbäume wuchsen. Und deren Nüsse waren damals eines der wertvollsten Handelsgüter der Welt.

Auch deshalb waren die christlichen Herrscher Europas so begierig darauf, den direkten Weg zu den sagenhaften Gewürzinseln zu finden. Ferdinand Magellan, Bartolomeu Dias, Vasco da Gama - sie alle segelten los, um die Molukken zu finden. Statt mit dem Segelschiff kommen die heutigen Entdecker - die Touristen - mit der Fähre. Doch wenn diese in die Meerenge zwischen der Hauptinsel Banda Neira und dem Vulkan Gunungapi biegt, haben sie wohl auch das Gefühl, am Ende der Welt angekommen zu sein.

"Von 1990 bis 1998 kamen viele Besucher", sagt Rizal Bahalwan, Kurzname Abba. "Eine Airline flog dreimal pro Woche von Ambon zu den Bandas." Abba ist Besitzer des Mutiara Guesthouse und so etwas wie der oberste Tourismusbotschafter der Bandas. Auch damals erlebten die beschaulichen Inseln keinen Massentourismus, in den besten Jahren kamen 1500 Besucher. Dann brach der Bürgerkrieg aus. Von 1999 bis 2002 massakrierten sich Muslime und Christen auf den Molukken zu Tausenden - danach traute sich jahrelang kein Tourist mehr auf die Bandas.

"König von Banda" schützte Korallen und Fische

Abba setzte dennoch auf die Besucher aus aller Welt und begann ab 2007, Gäste zu beherbergen."Anfangs kam einer pro Monat", erzählt er. Jetzt ist der Tisch jeden Abend gut besetzt. Die Besucher laden sich Barrakuda, Thunfischbuletten und Gemüse mit Erdnusssoße auf die Teller. Dazu säuselt traditionelle Molukken-Musik aus den Lautsprechern. Mehr Nachtleben gibt es auf den Bandas nicht.

Abba möchte den Touristen die Festungen zeigen und ein kleines Museum, vollgestopft mit Zeugnissen der Kolonialvergangenheit wie Münzen, Säbeln und dunklen Holzmöbeln. Aber bisher sind die Kulturtouristen eine Minderheit an seinem Tisch, die meisten sind Taucher. Denn die Korallenriffe der Bandas gehören zu den schönsten und gesündesten auf der ganzen Welt. Selbst der Lavafluss vom letzten Ausbruch des Gunungapi im Jahr 1988 ist schon wieder lückenlos von Korallen überwuchert. Zu verdanken ist die intakte Unterwasserwelt vor allem jenem Mann, den sie "König von Banda" nannten.

"Ohne Des Alwi wären die Bandas heute nicht, was sie sind", sagt Abba. Alwi, ein Diplomat und Geschäftsmann, hatte zwar kein offizielles Amt, aber großen Einfluss auf seinen Heimatinseln. Er baute in den Siebzigerjahren jenes Hotel Maulana, das auch Diana beherbergte. Er beschaffte öffentliche Gelder zum Bau des Flughafens und setzte eine regelmäßige Fährverbindung mit Ambon durch.

Und Alwi verbot das Dynamitfischen. Die Bandanesen halten sich selbst nach seinem Tod daran. Dabei leben auf den Inseln mehr als 5000 Fischer. Dennoch sollen noch in diesem Jahr strenge Regeln aufgestellt werden, die in bestimmten Gegenden nur noch das Fischen mit Handleinen erlauben oder selbst das verbieten. Theoretisch wurde bereits 1977 ein Meeresnationalpark um die Inseln Banda Neira und Banda Besar eingerichtet.

"Aber die bisherigen Schutzzonen sind nichtig", sagt Guido Weißenfeld. Denn sie würden nicht überwacht. Der 42-Jährige hat vor drei Jahren die Tauchschule im Hotel Maulana übernommen. Seitdem sei die Zahl der Taucher konstant gestiegen, sagt er. "Viele erzählen, dass sie seit Jahren oder gar Jahrzehnten von den Bandas geträumt haben."

Schlechter Deal der Engländer

Wer die Unterwasserwelt sehen will, braucht aber keinen Tauchschein. Es genügt, die 11-Uhr-Fähre nach Pulau Ai zu nehmen. Wenn man vorher eine SMS geschickt hat, wartet Yusuf Madja am Pier und führt zu seiner Pension. Anrufen kann man den hageren 65-Jährigen nicht. Es gibt kein Handy-Netz auf Ai. Nur an der Spitze des Piers leuchtet auf dem Display ein Balken. Also geht Madja zweimal pro Tag hinaus und schaut, ob sich Gäste ankündigen.

Ai ist so ruhig, dass mancher Besucher die Stille nicht erträgt und nach einem Tag wieder abreist. Laut sind hier nur die Hähne, die über den schmalen Betonweg staksen, die Hauptstraße des einzigen Dorfs. Und die Schulkinder in Uniformen, die unermüdlich "Hallo Mister" rufen. Frauen sitzen auf den Veranden vor den pastellbunten Bungalows und hacken mit Macheten Kenari, die indonesischen Mandeln. Auf Matten am Wegesrand trocknen Muskatnüsse in der Sonne. Wer lange genug spazieren geht, kommt auf Ai immer an einen Strand - nur rund 200 Meter lang ist das Inselchen.

Der schönste ist der Pantai Sebila oder Long Beach - schmal, menschenleer und wunderschön: weißer Sand, Palmen, tropisch dichtes Grün und unter Wasser Korallenkathedralen, um die Schwärme von Fischen strömen. Ein Napoleon-Lippfisch taucht aus der Tiefe auf, an der Riffkante paddelt eine Schildkröte vorbei. Kurz darauf gleitet ein Adlerrochen in die Gegenrichtung.

Über Wasser geht derweil die Sonne hinter Pulau Run unter. Auf der Insel hatten die Engländer einst eine Festung. Bis sie Run mit den Niederländern gegen eine andere Insel tauschten: Manhattan. Ein schlechter Deal, denkt man in diesem Moment.

Florian Sanktjohanser/dpa/abl

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insgesamt 9 Beiträge
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1.
Kamillo 22.10.2014
Dass die auch dort unentwegt "Hello Mister" rufen, ist für mich ein Grund, da nicht hinzureisen. Das geht mir nämlich schon auf Java und Bali auf die Nerven. Und der Tausch-Deal geht noch weiter. Denn die Niederländer bekamen für Manhattan auch eine Kolonie in Südamerika, das heißt Suriname.
2. ja und,
sitiwati 23.10.2014
dann bleib halt weg!
3. Rückzug
der-denker 23.10.2014
Offenbar muss man immer weiter in bisher ruhige Gebiete eindringen um Korallen in gutem Zustand zu sehen. Der Schutz der berühmten Riffe von Bunaken in Indonesien/Sulawesi, offiziell ein Nationalpark, soll auch "nichtig" sein. Obwohl in Manado eine Konferenz zum Schutz der Korallen abgehalten wurde, soll das nur eine Augenwischerei lokaler Politiker sein, die gegen kleine Geschenke gerne beide Augen zudrücken wenn in Korallengebieten destruktiv Profit gemacht wird. (Nach Aussage eines dort seit langen lebenden Australiers.) Dabei ginge es teils um eher läppische Summen, wie die Finanzierung von Park-Rangern.
4. Rückzug
der-denker 23.10.2014
Offenbar muss man immer weiter in bisher ruhige Gebiete eindringen um Korallen in gutem Zustand zu sehen. Der Schutz der berühmten Riffe von Bunaken in Indonesien/Sulawesi, offiziell ein Nationalpark, soll auch "nichtig" sein. Obwohl in Manado eine Konferenz zum Schutz der Korallen abgehalten wurde, soll das nur eine Augenwischerei lokaler Politiker sein, die gegen kleine Geschenke gerne beide Augen zudrücken wenn in Korallengebieten destruktiv Profit gemacht wird. (Nach Aussage eines dort seit langen lebenden Australiers.) Dabei ginge es teils um eher läppische Summen, wie die Finanzierung von Park-Rangern.
5. 1978 war ich
sitiwati 23.10.2014
das erste Mal in Saudi Arabien, am Wochenende gings an die Beach, zum Schnorcheln oder Tauchen, viele Kollegen gingen mit Brechstangen an das Riff, brachen Korallen heraus, Mördermuscheln, Fingermuscheln, Muränen. alles wurde erbeutet, nix war vor der Zerstörungswut-Sammlerwut sicher, bei meinem Nachbarn grabbelten mal c 10-15 Fingermuscheln auf der Veranda herum: was machts du denn mit denen ! Ach, die nehm ich mit heim, als Souvernier für die Verwandschaft ! man konnte nur den Kopp schütteln, über soviel Dummheit !
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