Mosambik: Löwe und Leopard sollen Tourismus fördern

An Touristenattraktionen wie herrlichen Stränden, wilden Tieren und Urwald mangelt es Mosambik nicht, nur liegt die touristische Infrastruktur noch im Argen. Große Hoffnungen setzt die Regierung in den Drei-Länder-Nationalpark Limpopo: Der größte Wildpark der Welt soll für die dringend benötigten Deviseneinnahmen sorgen.

Fertig für das Fotoshooting: Geparden in Mosambik
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Fertig für das Fotoshooting: Geparden in Mosambik

Maputo/Frankfurt - Saftige grüne Palmen säumen den kilometerlangen weißen Strand. Sacht schwappen die Wellen in der flachen Bucht, einer der größten der Welt, ans Ufer. Pemba im Norden von Mosambik ist traumhaft schön - zumindest der touristisch erschlossene Strandgürtel.

Auf der anderen Straßenseite der Restaurant- und Hotelmeile sieht es ganz anders aus. In den Wohngebieten lässt sich die Armut nicht verleugnen. Geschwächt von langen Jahren des Bürgerkriegs und gezeichnet von zerstörter und mangelnder Infrastruktur steht Mosambik beileibe nicht auf der Liste der begehrtesten Urlaubsziele. Das soll sich nach dem Willen der Regierung in Maputo aber schnellstens ändern.

"Mosambik verfügt über ein Potenzial natürlicher Ressourcen, die dem Land eine privilegierte und wettbewerbsfähige Position auf dem regionalen und internationalen Tourismusmarkt verschaffen können", betont das Tourismusministerium. Herrliche Strände, Urwald und wilde Tiere, historische Sehenswürdigkeiten und kulturelle Vielfalt listet der Strategieplan zur Förderung des Tourismus als Attraktionen auf. Tatsächlich hat das südostafrikanische Land viel zu bieten. Die Küste erstreckt sich auf rund 2500 Kilometer entlang des Indischen Ozeans. Im Hinterland liegen kaum berührte Landschaften. Elefanten, Löwen und Leoparden zählen zu den Bewohnern des Landes.

Privatpark Phinda: Das touristische Angebot ist in Mosambik stark auf den Luxussektor ausgerichtet
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Privatpark Phinda: Das touristische Angebot ist in Mosambik stark auf den Luxussektor ausgerichtet

Die touristische Infrastruktur aber liegt in weiten Teilen Mosambiks noch immer im Argen. Zum Ende der portugiesischen Kolonialherrschaft 1975 habe das Land mehr als 8000 Übernachtungsmöglichkeiten für Urlauber vorweisen können, berichtet das Tourismusministerium. Mitte der neunzig Jahre gab es dann den Angaben zufolge "nicht mehr als 1200 Betten, die geeignet für die Unterbringung von Touristen" waren.

Seit 1975 sei "dieses wunderschöne Land am Indischen Ozean touristisch verwaist", bedauert das Globetrotter-Magazin Reiserat auf seiner Web-Site. "Die fünf großen Naturparks, die paradiesischen Sandstrände und die dort vorgelagerten Inseln gehören zwar nach wie vor zu den prächtigsten in ganz Afrika. Doch die Parks sind vernachlässigt, die Gewässer von Abwässern verseucht, die Touristen-Unterkünfte verschwunden."

Great Limpopo Transfrontier Park: Im Oktober 2001 wurden die Starkstrom-Grenzzäune zwischen Mosambik und Südafrika abgebaut, der größte Wildpark der Welt entstand
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Great Limpopo Transfrontier Park: Im Oktober 2001 wurden die Starkstrom-Grenzzäune zwischen Mosambik und Südafrika abgebaut, der größte Wildpark der Welt entstand

Für Reisende aus Europa steht Mosambik meist höchstens als Abstecher bei einem Urlaub in Südafrika auf dem Programm. Pauschalreisen nur nach Mosambik finden sich jedoch kaum in den Katalogen. "Wir stellen die Reise individuell für Sie zusammen", sagt Stefanie Fink vom Reisebüro Extra-Tours in Aschaffenburg, das als ein Spezialist für das südliche Afrika gilt. "Packages" mit Hotelaufenthalt und Tauchkurs sind etwa im Programm, oder Safaris.

Nach Einschätzung von Reiseunternehmen und Einheimischen ist das Angebot in Mosambik noch stark auf den Luxussektor ausgerichtet. Sieht man sich in der Hauptstadt Maputo nach Mehrtagestouren um, findet man etwa "Drei Nächte Pemba" mit Flug für rund 700 US-Dollar. In in einem Land mit einem Durchschnittseinkommen von umgerechnet rund 20 Euro pro Monat können sich nur die Reichsten solche Ausflüge oder eine Nacht im Nobelhotel leisten. Oder eben Ausländer. Auch die großen Investoren in der Tourismusbranche kommen häufig aus dem Ausland: aus Südafrika, Europa, Saudi-Arabien.

Unterwegs im Quirimba-Archipel: Nach langen Jahren des Bürgerkriegs ist die touristische Infrastruktur kaum vorhanden
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Unterwegs im Quirimba-Archipel: Nach langen Jahren des Bürgerkriegs ist die touristische Infrastruktur kaum vorhanden

Zu den großen Hoffnungen der mosambikanischen Tourismusbehörden zählt der Great Limpopo Transfrontier Park: der Zusammenschluss des Gaza-Wildparks mit dem südafrikanischen Krüger-Park und dem simbabwischen Gonarezhou-Nationalpark. Mit einer Fläche von mehr als 35.000 Quadratkilometern - so groß wie Baden-Württemberg - gilt der Great Limpopo als größter Wildpark der Welt. Aus der südafrikanischen Touristenattraktion Krüger-Park sollen die Safari-Urlauber ohne zusätzliches Visum auch Mosambik besuchen können. Noch fehlen aber die Voraussetzungen auf der mosambikanischen Seite der Grenze. Auf die Frage nach Angeboten zum Limpopo-Park reagieren die Reisebüromitarbeiter in Maputo nur mit bedauerndem Kopfschütteln und mit dem Verweis auf Safaris auf südafrikanischem Terrain.

Von Silvia Vogt, AP

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