Grüner Tourismus in Thailand: Regenwasser für den Pool

Von Karl-Ludwig Günsche

Energie sparen oder Müll trennen - das wird in Thailand kaum praktiziert. In Sachen Umweltschutz hat das asiatische Land großen Nachholbedarf. Doch das Bewusstsein für ökologische Probleme wächst auch im Tourismus. Ein paar Luxushotels wollen mit grünem Beispiel vorangehen.

Grüner reisen in Thailand: Luxuszelten im Dschungel Fotos
Anantara

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Wohlig wälzt sich Bua Tong im warmen Wasser. Dann entsteigt sie gemächlich den Fluten des Ruak und reckt sich zu ihrer vollen Schönheit. Jahrelang hat sich die 27-jährige Elefantendame ihr Brot auf den Straßen von Pattaya verdienen müssen. Doch als sie schwanger wurde, hatte sie ausgedient, wurde sie rausgeworfen. Bua Tong hatte Glück. Sie fand ein Heim, in dem sie und ihr Baby heute sorgenfrei leben können: das Camp der "Golden Triangle Asian Elephant Foundation" hoch oben in Thailands Norden, wo das "Land des Lächelns", Burma und Laos zusammenstoßen.

Bua Tong ist einer von über 30 Elefanten, denen die Stiftung einen neuen Start ins Leben ermöglicht hat. Hauptgeldgeber des Camps sind die beiden Fünf-Sterne Herbergen Anantara Golden Triangle und das benachbarte Tented Camp der Hotelgruppe Four Seasons. Sie haben eine Art Patenschaft für das Camp und die Tiere übernommen, als Teil ihrer Strategie, im Thailand des Massentourismus Wege zu einem neuen, nachhaltigen Geschäftsmodell zu entwickeln, Natur zu erhalten oder - wo es möglich ist - zurückzugewinnen - und trotzdem ihren Gästen alle Annehmlichkeiten eines Spitzenresorts zu bieten.

Die Zelte des Four Seasons mit ihrem "Jenseits-von-Afrika-Feeling" sind in den Dschungel eingepasst, ohne ihn zu zerstören. Das Anantara hat das "Green Global"-Zertifikat, mit dem Hotels nachweisen können, dass sie sich dem nachhaltigen Tourismus verschrieben haben: der konsequenten Mülltrennung, Wasser- und Abwassermanagement, der strikten Verwendung einheimischer Materialien, Energieeinsparung und Nutzung alternativer Energiequellen. Auf dem gesamten Gelände beider Resorts werden keine aggressiven Chemikalien oder umweltschädliche Dünger verwendet.

Weder im Anantara noch im Four Seasons finden die Gäste Plastikflaschen. Stattdessen gibt es wiederverwendbare Glasflaschen. Das ist nur einer von vielen kleinen Schritten, umweltbewusst zu agieren. Aber in einem Land, das über 15 Millionen Tonnen Müll jährlich produziert und nur fünf Millionen Tonnen davon ordnungsgemäß entsorgt, ist es zumindest ein Anfang. John Roberts, Chef des Elefantencamps, sagt, dass der Umweltschutz in Thailand noch in den Kinderschuhen stecke. "Aber wenigstens ändert sich allmählich etwas."

Meist bleibt es in Thailand bei Plänen

Rund zehn Millionen Touristen kommen jährlich nach Thailand. Der Massentourismus hat dem Land von Pattaya bis Phuket tiefe Wunden geschlagen. Die Behörden machen zwar immer wieder große Pläne, um Thailands Tourismus "grün" zu machen. Aber meist bleiben es Pläne. Die Region um die Ferieninsel Koh Chang wurde beispielsweise schon vor Jahren von der Regierung als Sonderzone für nachhaltigen Tourismus ausgewiesen. Passiert ist dort aber wenig. Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) zeigt sogar, dass Tourismusunternehmen auf Koh Chang - vor allem Hotels und Gästehäuser - heute überdurchschnittlich viel schädliche Treibhausgase in die Luft blasen: Pro Tourist am Tag fast 20 Kilogramm CO2. Landesweit sind es nur rund elf Kilogramm.

Auch für das beliebte Urlaubsdomizil Pattaya werden fast jährlich neue, ambitionierte Pläne geschmiedet. Im Februar verkündeten die Behörden wieder einmal, die Touristen- und Verbrechenshochburg solle in den kommenden zehn Jahren mit 15 Milliarden Baht (circa 400 Millionen Euro) zu einer "World Class Greenovative Tourism City" umgewandelt werden. Wie das Vorhaben bezahlt werden soll, weiß niemand. Und noch werden immer mehr Betonburgen gebaut.

Die GIZ-Vorgänger-Gesellschaft GTZ drängte Thailands Tourismusbosse schon 2010 zu mehr grünem Engagement. Die GIZ veranstaltet nun Seminare, "um gerade den mittleren und kleinen Hotels zu zeigen, wie man mit ganz einfachen Mitteln - etwa energiesparende Kühlschränke oder Müllvermeidung - anfangen kann, umzusteuern, und dass sich das auch rechnet", sagt GIZ-Thailandchef David Oberhuber. Die großen Hotelketten dagegen hätten selber die Mittel, umfassend in Nachhaltigkeit zu investieren - "und einige tun das ja auch schon recht erfolgreich". Oberhuber glaubt, dass Thailands Tourismus langfristig immer 'grüner' werde, schon aus rein ökonomischen Überlegungen heraus.

Die Erkenntnis, dass das Etikett "nachhaltig" ein geschäftsförderndes Statussymbol sein kann, setzt sich in der Tat eher bei den großen Hotelketten durch. Auf Phuket verwandelte die in Singapur ansässige Banyan-Tree-Gruppe eine ehemalige Zinnmine in ein mit dem "Green Leaf" ausgezeichnetes Resort. Die thailändische Hotel-Kette Dusit Thani hat gerade angekündigt, dass sie im Rahmen des "EarthCheck"-Programms den Energieverbrauch in ihren Resorts und Hotels in den kommenden Jahren um 20 bis 30 Prozent, den CO2-Ausstoß um 20 Prozent, den Wasserbrauch um 30 Prozent und die Müllmenge um 30 Prozent senken will.

"No Shoes, no News"

Die PR-Chefin für Four-Seasons in Thailand, Nicola Chilton, sieht die Luxusherbergen sogar in der Pflicht, eine Art Vorreiterrolle zu übernehmen: "Ich denke, dass internationale Hotelgruppen die Verantwortung haben, so nachhaltig wie möglich zu arbeiten, um damit anderen ein nachahmenswertes Beispiel zu geben." John Roberts vom Elefantencamp sagt es direkter: "Die Großen haben das Geld und die Möglichkeiten, Nachhaltigkeit umzusetzen."

Das wahrscheinlich anspruchsvollste Experiment beim Wettlauf um ein grünes Gütesiegel läuft derzeit im von der Hotelgruppe Six Senses betriebenen Soneva Kiri auf der viertgrößten, aber noch weitgehend unentdeckten Ferieninsel Koh Kood. Unter dem Motto "No Shoes, no News" sollen betuchte Urlauber dort mit dem "Slowlife"-Prinzip in eine sauberere Umwelt geführt werden.

Fernsehen und Handys sind in der gesamten Anlage verpönt. Die Gäste bewegen sich mit umweltfreundlichen Golf-Cars über das weitgestreckte Gelände. Das "Kleine grüne Buch", in dem das Resort seine Nachhaltigkeitsstrategie auflistet, ist 25 Seiten dick.

Vorzeigeobjekt ist die "Öko-Villa". Sie steckt zwar noch im Experimentierstadium, könnte allerdings einmal zum Prototyp für CO2-neutrale Luxusunterkünfte werden: Solar-, Wasser- und Windkraft versorgen das Haus mit Energie, Regenwasser füllt den Pool, das Dach ist begrünt. Was der "Öko-Villa" im Gegensatz zu den anderen Häusern im "Soneva Kiri" fehlt, sind Glanz und Glamour einer Fünf-Sterne-Unterkunft. Das grüne Experiment verströmt noch ein wenig den unnachahmlichen Charme der Anfangszeit der Ökobewegung.

Doch egal ob Anantara, Four Seasons in Thailands schönem Norden oder das Soneva Kiri an Koh Koods Traumstränden: Immer mehr Spitzenresorts in Thailand versuchen, Standards für einen nachhaltigen Tourismus zu setzen. Ihre Gäste müssen deswegen nicht auf den gewohnten Komfort verzichten - und haben zusätzlich das gute Gewissen, den teuren Luxus ohne Schaden für die Natur zu genießen.

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1. Thailand ist auf dem richtigen Weg!
dieter63 26.06.2012
Lebe schon längere Zeit im Norden Thailands und kann vieles bestätigen, sehe aber auch Wandel im Bewusstsein. Man kann nicht sagen, dass keine Mülltrennung erfolgt, Plastik, Glas und Konservendosen werden schon aussortiert, div. Menschen verdienen sich den Lebensunterhalt damit,dass sie diese Stoffe zum Recyclen an Händler verkaufen. Ein grosses Problem ist die Luftverschmutzung, weil immer noch die Reisfelder und Wälder abgebrannt werden.Das ist zwar verboten, wird aber nicht kontrolliert und damit auch nicht bestraft. Auch die grosse Zahl von Zweitaktmotoren (Tuk Tuks u. Motorbikes) trägt in erheblichem Masse zur Luftverschmutzung bei. Der Hausmüll wird heute schon in vielen ländlichen Gegenden abtransportiert, aber halt noch nicht überall. Auch in diesen Fällen wird einfach alles verbrannt.Noch viel zu häufig sind Plastiktüten im Umlauf, aber auch hier gibt es erste Ansaetze durch grosse Handelsketten,die einen kleinen Rabatt geben, wenn der Kunde keine Plastiktüte nimmt.
2.
Layer_8 26.06.2012
Zitat von sysopEnergie sparen oder Müll trennen - das wird in Thailand kaum praktiziert. In Sachen Umweltschutz hat das asiatische Land großen Nachholbedarf. Doch das Bewusstsein für ökologische Probleme wächst auch im Tourismus. Ein paar Luxushotels wollen mit grünem Beispiel voran gehen. Nachhaltiger Tourismus: Grüne Luxushotels in Thailand - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,836158,00.html)
1990: Koh Samui, Ko Phi Phi, traumhaft 1998: Koh Samui eine Katastrophe. Zugebaut mit Luxusresorts. Später in Koh Chang gewesen, traumhaft 2004: Koh Chang eine Katastrophe. Zugebaut mit Luxusresorts. Nochmal nach Koh Phi Phi gefahren. Megagau!!! Nie mehr Thailand, dann lieber Malle
3. Koh Phi Phi
Layer_8 26.06.2012
Zitat von Layer_81990: Koh Samui, Ko Phi Phi, traumhaft 1998: Koh Samui eine Katastrophe. Zugebaut mit Luxusresorts. Später in Koh Chang gewesen, traumhaft 2004: Koh Chang eine Katastrophe. Zugebaut mit Luxusresorts. Nochmal nach Koh Phi Phi gefahren. Megagau!!! Nie mehr Thailand, dann lieber Malle
Koh Phi Phi Ich meinte damit nicht den Tsunami, dies ist eine andere Geschichte. Ich meinte die Totalverachtung der Naturschönheiten und die touristische Verhunzung mit Sterneresorts. Ich war dort März 2004. Dies zur Klarstellung
4. unten hui und oben pfui
schnippchen 26.06.2012
während in Tourismusgebieten eine einigermassen heile und grüne Welt gezeigt wird, brennen im Norden an der Grenze zu Laos die Urwälder, um Platz zu schaffen für Energiepflanzen wie Mais und Ölpalmen. Es riecht ständig verbrannt, der Qualm ist dicht wie schottischer Nebel. Regenwasser kann nicht mehr aufgenommen werden und dies führt zu Überschwemmungen im Süden de Landes. Plastiktüten sind ein Zeichen für Wohlstand und liegen überall in der Landschaft. Wenn sie gesammelt werden, werden sie im Freien verbrannt. Aber all dies berührt den normalen Touristen wenig, wenn er seinen Urlaub in eine grünen-öko-Luxuxhotel verbringt.
5. Aber
charlybird 26.06.2012
Zitat von dieter63Lebe schon längere Zeit im Norden Thailands und kann vieles bestätigen, sehe aber auch Wandel im Bewusstsein. Man kann nicht sagen, dass keine Mülltrennung erfolgt, Plastik, Glas und Konservendosen werden schon aussortiert, div. Menschen verdienen sich den Lebensunterhalt damit,dass sie diese Stoffe zum Recyclen an Händler verkaufen. Ein grosses Problem ist die Luftverschmutzung, weil.....
der Weg ist noch sehr, sehr lang. Habe jahrelang in TH in verschiedenen Städten gearbeitet und kann das so nicht bestätigen. Der Wandel im Bewusstsein ist nach meiner Erfahrung eher im Promillebereich anzusiedeln. Schön, die Kinder haben diverse Umweltprojekte in den Schulen, aber wenn die Eltern anfallenden Müll einfach aus dem Auto, Bus, Zug schmeissen oder vom Familienmotorrad; Hausmüll, selbst Plastik, Autoreifen und anderen Sondermüll im Garten verbrennen, obwohl verboten, hält so ein Bewusstsein auch nicht lange vor. Und dieses Aus-dem-Auge-aus-dem-Sinn-Prinzip ist in TH leider die Regel, in vielerlei Hinsicht, und da gegenseitiges Kritisieren oder sogar weitergehende Maßnahmen die gesellschaftliche Etikette verletzen, passiert auch relativ wenig. Aber ich bin ein Jahr dort weg, sollte sich tatsächlich etwas geändert haben ?
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