Elefanten-Safari in Namibia Die grauen Könige der Wüste

Die Luft flirrt vor Hitze. Der Sand glüht. Und dann wuchten sie sich plötzlich aus dem Gestrüpp: die Wüstenelefanten der Namib. Touristen, die Geld ins Land bringen, lieben die Tiere - doch Probleme gibt es trotzdem.

Fabian von Poser / SRT

Die Sonne brennt auf das dunkle Schiefergestein nieder, das sich bis zu hundert Meter hoch am Rande des Hoanib-Trockenflusses im Nordwesten Namibias auftürmt. Im Schatten eines großen Ana-Baums wartet Laura M. Brown. Seit mehreren Stunden liegt sie auf der Lauer, um eine Herde Wüstenelefanten zu beobachten.

Jeden Moment müssten die Tiere durch einen nur wenige Meter breiten Spalt im Fels kommen. Immer wieder blickt sie durch ihr Fernglas in die Felskluft. Doch nichts passiert. Es ist nicht irgendeine Herde, auf die Brown wartet, sondern eine ganz besondere.

Mehrere Tage war die Wissenschaftlerin gemeinsam mit ihrem Mann den Elefanten gefolgt. Immer wieder hatten sie die acht Tiere beobachtet. Dann geschah das kaum Fassbare. Es war gegen Mittag, eine der Kühe stand im Schatten eines Baumes, plötzlich flutschte ohne Vorankündigung ein Junges aus ihr heraus. Mehrere Stunden beobachtete die Wissenschaftlerin das kleine graue Wunder. Wie sich das Neugeborene zum ersten Mal aufrichtete, wie es von der Gruppe begrüßt wurde und zum ersten Mal bei der Mutter trank. Kaum 24 Stunden sind seitdem vergangen, jetzt will sie sich vergewissern, dass das Tier wohlauf ist.

Vier Tage ohne Wasser

Es gibt nur zwei Orte auf der Erde, an denen Elefanten mit weniger als 150 Millimeter Niederschlag im Jahr auskommen: im Gourma-Reservat in Mali und hier im Nordwesten Namibias.

Die Wüstenelefanten der Namib unterscheiden sich zwar genetisch nicht von ihren Verwandten in anderen Teilen Afrikas, doch sie haben sich perfekt an das karge Leben angepasst: Sie sind schlanker als Savannen-Elefanten und haben breitere Fußsohlen, damit sie nicht im tiefen Sand einsacken. Vor allem aber zeigen sie ein anderes Verhalten: Pro Tag legen sie bis zu 70 Kilometer auf der Suche nach Wasser und Nahrung zurück. Im Krüger-Nationalpark in Südafrika schaffen die Elefanten gerade mal zehn Kilometer. Bis zu vier Tage können die Elefanten der Namib ohne Wasser auskommen - ihre gewöhnlichen Artverwandten benötigen jeden Tag bis zu 160 Liter.

Die Zeit im Flussbett des Hoanib vergeht. Die Sonne steht jetzt senkrecht über den Felsen. Es herrscht vollkommene Stille. Und dann passiert, was Brown vorausgesagt hat: Beinahe lautlos und wie aus dem Nichts schälen sich die Leiber von acht Elefanten aus den Felsen. Auch das Neugeborene ist dabei. Im Schatten der Mutter bewegt es sich noch etwas ungeschickt vorwärts. Als die Wissenschaftlerin sich nähert, kann sie das Rosa hinter seinen Ohren sehen.

"Die Farbe bleibt bei Jungtieren einige Wochen lang so", sagt Brown. Sie muss es wissen, denn gemeinsam mit ihrem Mann hat die Forscherin aus dem US-Bundesstaat Colorado 2005 das Desert Elephant Conservation Project gegründet. Seitdem kommen beide jedes Jahr für mehrere Wochen nach Namibia, um Daten über die Tiere zu sammeln.

Die Population erholt sich

Die Geschichte der Elefanten der Namib verlief wechselhaft. Vor 80 Jahren lebten etwa 3000 Tiere im Nordwesten Namibias, 1970 waren es noch 1200. Wilderer minimierten ihre Zahl in den achtziger Jahren auf 300. Durch den verbesserten Naturschutz seit der Unabhängigkeit Namibias im Jahr 1990 hat sich die Population mittlerweile wieder erholt. Etwa 600 Tiere leben heute im Nordwesten des Landes außerhalb von Parks.

Ihre wachsende Zahl sorgt jedoch auch für Konflikte: Immer häufiger zerstören die Elefanten die Felder der Herero und Himba und reißen Viehtränken auf der Suche nach Wasser auf. "Elefanten bringen Touristen und Geld, doch es sind die Einheimischen, die Tag für Tag mit ihnen leben müssen", sagt Brown. "Wegen der vorrückenden Zivilisation schrumpft ihr Lebensraum zusammen. Eine Balance zu finden ist schwierig."

Vor allem in den viel von Menschen frequentierten Trockenflussbetten des Hoanib und Hoarusib ist die Zahl deswegen in den vergangenen Jahren rückläufig, fand Brown bei ihren Studien heraus. Damit ihr Überleben langfristig gesichert werden kann, plant die namibische Regierung, einen Korridor zwischen dem Etosha-Nationalpark und der Küste einzurichten. Trotzdem wird es wohl noch Generationen dauern, bis die Riesen wieder ihrer alten Wege ziehen, glaubt die Wissenschaftlerin.

Das phänomenale Elefantengedächtnis

Dabei spielen sie eine wichtige Rolle für das Ökosystem der Namib. Elefanten riechen selbst kleinste Mengen Wasser. In den sandigen Flussbetten bohren sie tiefe Löcher, um zu trinken. Dadurch können sie selbst bei großer Trockenheit überleben. Elefanten können sich Wasserstellen zudem über Jahrzehnte merken. Während der Dürre zwischen 1978 bis 1982 zum Beispiel verendeten im Nordwesten Namibias tausende Springböcke und Oryx-Antilopen, aber kein einziger Elefant.

Am Nachmittag fällt die Sonne waagerecht über die Felsen in das Bett des Hoanib. Während der heißesten Zeit des Tages haben die Elefanten unter einer riesigen Akazie Rast gemacht. Immer wieder ist das Kleine nah am Leib der Mutter im Sand eingedöst. Doch jetzt ist es Zeit aufzubrechen. Mit dem Rüssel rüttelt die Mutter ihr Junges wach, dann ziehen die Tiere los.

Noch einmal sieht Brown das Neugeborene im Schutz der Herde zwischen den Felsen. "Es macht mich glücklich zu sehen, wie diese klugen Tiere lernen, sich unter den harschen Bedingungen zurechtzufinden", sagt Brown. Dann verschwindet die Mutter mit dem Neugeborenen so lautlos in der Namib, wie sie gekommen ist.

Florian von Poser/srt/ele

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insgesamt 9 Beiträge
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chico 76 26.04.2015
1. Mensch gegen Tier,
der Verlierer steht fest. Bedauerlich manchmal, aber nicht zu ändern, bei zunehmendem Bevölkerungszuwachs. Das werden Gutmenschen anders sehen, aber wir sind "the fittest", siehe bei Darwin. Änderung unmöglich.
braman 26.04.2015
2. Nicht auf
Zitat von chico 76der Verlierer steht fest. Bedauerlich manchmal, aber nicht zu ändern, bei zunehmendem Bevölkerungszuwachs. Das werden Gutmenschen anders sehen, aber wir sind "the fittest", siehe bei Darwin. Änderung unmöglich.
Darwin verweisen, sondern Darwin lesen. Dieser Satz der "survival of the fittest" ist nicht von Darwin sondern von Herbert Spencer. Er wurde zwar später von Darwin übernommen, bezieht sich aber vor allem auf den am besten Angepassten innerhalb einer Spezies. Allerdings ist es so, das Darwin sowie viele andere Evolutionsforscher immer darauf hingewiesen und auch bewiesen haben, das die auf Dauer erfolgreichsten Arten diejenigen sind, die in erfolgreichen Symbiosen leben. Ohne symbiotische Beziehungen zwischen Lebewesen gäbe es weder Evolution noch höher entwickelte Lebewesen. Das erste Bild ist Stimmungsvoll wie ein Gemälde. Eines der gelungendsten Fotos seiner Art. MfG: M.B.
Montanabear 26.04.2015
3. Bekanntes Argument
. "Elefanten bringen Touristen und Geld, doch es sind die Einheimischen, die Tag für Tag mit ihnen leben müssen", sagt Brown. "Wegen der vorrückenden Zivilisation schrumpft ihr Lebensraum zusammen. Eine Balance zu finden ist schwierig." Dieses Argument wird immer wieder verwendet : in Indien, im Tigerschutzgebiet, in anderen Teilen Indiens, wo Elefanten die Ansiedlungen bedrohen und auch hier im Nordwesten der USA gilt dies : gibt es eine Balance ? Ich glaube, Thailand hat eine gute Loesung gefunden : alle Elefanten gehoeren dem Koenig, der sich persoenlich um das Wohlergehen der Tiere kümmert. Mahuts sorgen für Ruhe und einige von den Elefanten werden sogar als Arbeitselefanten genutzt, um die schweren Baumstämme aus dem Dschungel zu ziehen, in denen (glücklicherweise) kein Lastwagen fahren kann. Sie haben ihr Schutzgebiet und ich lasse mich gern berichtigen, aber ich habe noch nichts von Uebergriffen gehoert. Natürlich ist das Klim ein voellig anderes als in Namibia und die Elefanen habeen alles, was sie brauchen, in ihrem Schutzgebiet. Wir hier in den Wälder des Nordwestens haben uns mit den Wildtieren arrangiert. Mensch und Tier wissen miteinander umzugehen. Die schiere Weite bietet genug Platz für alle Kreaturen und wenn man sich mal einem Ruabtier gegenüber sieht, weiss man, wie man sich schützen muss. Trotz aller Sensationsberichte sind in den letzten hundert Jahren hoechstens sechs Menschen von Bären getoetet worden. Die Wapitihirsche und andere Wildarten beachten die Zäune um die Gemüsegärten, wohl weil auch sie im Wald genügend Nahrung finden. Bleiben da noch die Eichhoernchen, Stare und Elstern !
kommentar4711 27.04.2015
4. Konflikt um Lebensraum.
Nur mal damit die Verhältnisse Klar sind. Namibia hat lt. Auswärtigem Amt eine Bevölkerungsdichte von rund 2,8 Einwohner pro Quadratkilometer bei einem Bevölkerungswachstum von 1,9 Prozent. Das Argument, das nicht genug Lebensraum für alle da sei, erscheint mir da doch sehr vorgeschoben.
PeterPan21 27.04.2015
5. Konflikt um LEBENsraum,
Nur damit die Verhältnisse WIRKLICH klar sind: Namibia ist extrem dünn besiedelt. Die Bevölkerung ist konzentriert auf wenige Städte und den fruchtbaren Norden des Landes. Rund 44 % der Bevölkerung leben in den Regionen Omusati, Oshana, Ohangwena und Oshikoto. Ein Drittel lebt in Zentralnamibia, wobei dort alleine in Windhoek mehr als 300.000 Menschen ihren Wohnsitz haben. Im Süden des Landes leben gerade einmal 7 % der Einwohner, während der Westen und die Namib-Wüste mit Ausnahme der Hafenstädte nahezu menschenleer sind. Etwa 58 % der Bevölkerung leben in ländlichen Gebieten. Quelle: Wikipedia Einfach den Durchschnitt zu nehmen funktioniert nicht. In New York leben pro m2 auch mehr Menschen als im Rest der USA. Und die werden ihren Grund haben. Die Elefanten nun in den Süden umzusiedeln, das werden sich die Farmer (und Elefanten?) nicht gefallen lassen. Die riesigen Flächen dort sind fast alle eingezäunt, damit das eigene Vieh nicht wegläuft und die Ressourcen (Wasser, wenige Sträucher) sind knapp. Das die Tiere dem Menschen weichen müssen ist wie bekannt die traurige Folge unseres Erfolgs (abgesehen vom Nashorn, dessen Horn verpulvert wird oder Giraffen, die angeblich ein HIV-Heilmittel in Ihren Knochen haben). Der medizinische Fortschritt und unsere gut gemeinte Entwicklungshilfe lassen die Bevölkerungen wachsen. Vor einigen Jahren (sehr verallgemeinert) mussten sich die Menschen in vielen Teilen der Erde noch Gedanken machen, ob sie noch ein Kind bekommen sollen oder nicht. Denn jedes weitere Kind muss versorgt werden. Heute gibt es Essen in der Schule und Kleidung auch noch (finanziert von Europa, den USA oder Japan). Ja, ich weiß, so einfach ist das nicht, die meisten Menschen sind dort bettelarm. Viele Menschen sterben an AIDS, ein Gang über den Friedhof von Lüderitz hat mir die Augen geöffnet. Die HIV-infizierten Menschen leben glücklicherweise aufgrund günstiger Medikamente immer länger, aber stecken leider in dieser Zeit noch mehr Menschen an (hier spielt Alkohol+Gewalt an Frauen eine grosse Rolle). Die HIV Rate liegt in Namibia bei ca.20 Prozent. Hinterlassen werden die Waisen. Schlimmer sind die Verhältnisse noch in Südafrika. Es ist so traurig. Die Menschen stürzen sich nun auf die wenigen Ressourcen (in diesem Fall im grüne Norden) und dabei ist das Überlegen der Tiere nebensächlich. Wenn jeden Tag um das Überleben gekämpft werden muss, was schert mich da der Wüstenelefant oder das Nashorn für dessen Horn ich zig tausende Dollar bekommen kann. Der Tageslohn liegt sonst bei ca. 7 Euro für einen Arbeiter. Davon kann ich meine Familie nicht ernähren, geschweige mir die im TV angepriesenen tollen Sachen wie Handy usw.. Ein Teufelskreis, an dem wir nicht ganz unschuldig sind. Namibia kann es schaffen. Großes Vorbild in Afrika ist Botswana. Ich werde wieder hinfahren, ein schönes Land, und als Tourist hilft man den Elefanten wirklich.
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