Achttausender-Extremtour Deutscher will im Winter auf den Nanga Parbat

Er wäre der erste Deutsche, der einen Achttausender im Winter besteigt: David Göttler bricht zum Nanga Parbat in Pakistan auf, um sich seiner bisher größten Herausforderung zu stellen. 17 Expeditionen haben das bislang versucht, keine erreichte den Gipfel.

Von Stephan Orth

The North Face

Eigentlich hatte Bergführer David Göttler für diesen Winter ein paar Skitouren in den Alpen geplant, vielleicht noch den einen oder anderen Eiskletter-Ausflug. Doch als im November der italienische Top-Bergsteiger Simone Moro anrief und fragte, ob er stattdessen auf den Nanga Parbat kraxeln wolle, den neunthöchsten Berg der Erde, zögerte der 35-Jährige aus Starnberg nicht lange mit seiner Zusage.

Am Freitag reisen die beiden zusammen mit dem Kameramann Emilio Previtali nach Pakistan, um sich einer der letzten großen Herausforderungen des Achttausender-Bergsteigens zu stellen.

Denn nur zwei der 14 höchsten Berge der Erde sind im Winter noch unbestiegen: der K2 (8611 Meter) und der Nanga Parbat (8125 Meter). Beide gelten schon in der Klettersaison im Sommer als enorm gefährlich und anspruchsvoll.

17 Winterexpeditionen sind bislang am Nanga Parbat gescheitert, nur zwei von ihnen schafften es bis über 7000 Meter, auf den Gipfel kam niemand. Auch Moro musste im vergangenen Jahr einen Versuch abbrechen. "Unsere Chancen liegen realistisch bei 15 bis 20 Prozent", sagt David Göttler. Eine Schlüsselrolle spiele das Wetterglück, denn im Winter sind die Bedingungen selten länger als drei bis vier Tage gut.

Um dann auf den Punkt fit zu sein, bereitete sich Göttler in den vergangenen Wochen intensiv vor. "Ich habe Bergläufe gemacht und so viel Konditionstraining wie noch nie - aber die Kälte kann man nicht trainieren." Vor einigen Jahren bot er sich Moro als Mitstreiter an, falls der einmal eine Wintertour zum Nanga Parbat plane. Nun darf er tatsächlich mit zu dem Koloss, der als "Schicksalsberg der Deutschen" bekannt wurde.

Traumatisches Erlebnis in Nepal

Rund acht Wochen werden die drei Bergsteiger Temperaturen von bis zu minus 40 Grad ausgesetzt sein, dazu kommen zeitweise starke Winde. Das ist körperlich und mental eine Zerreißprobe: "Im Sommer kann man sich im Basecamp auch mal zwei Stunden in die Sonne setzen und Wärme tanken, das geht diesmal nicht", sagt Göttler. "Außerdem ist die Ausgesetztheit und Einsamkeit im Winter größer."

Göttler hat bislang vier Achttausender bestiegen. Zu einem traumatischen Erlebnis wurde im Herbst 2010 eine Besteigung der Ama Dablam in Nepal. An einem Grat geriet er mit seinem Kletterpartner Kazuya Hiraide in enorme Schneemassen, sie konnten weder vor noch zurück.

Göttler setzte einen Notruf ab und wurde aus 6300 Meter Höhe von einem Rettungshubschrauber abgeholt. Als der erneut aufstieg, um Hiraide zu holen, berührte einer der Rotoren den Grat. Der Helikopter stürzte 1400 Meter in die Tiefe, beide Piloten kamen ums Leben. Hiraide konnte am nächsten Morgen von einem Ersatzflieger gerettet werden. Der Unfall beschäftigt Göttler bis heute, regelmäßig hat er Kontakt mit den Familien der Opfer. "Leider kann ich das nicht mehr ungeschehen machen", sagt er.

Hitzige Gemüter, kalte Natur

Mit Simone Moro hat er nun einen Expeditionspartner, der als bester Mann gilt, was Wintertouren in Himalaja und Karakorum angeht. Dem Italiener gelangen drei Winter-Erstbesteigungen von Achttausendern (Shisha Pangma, Makalu, Gasherbrum II), er gilt als extrem leidensfähig. Und als zuweilen aufbrausende Natur, nicht erst seit dem Zwischenfall am Mount Everest im Frühjahr, als es zu einer Schlägerei mit Sherpas kam.

Auch Göttler hat einmal in einem Interview über sich gesagt, er könne "richtig cholerisch" werden, wenn es am Berg nicht so klappt, wie er sich das vorstellt. Sind da Streitigkeiten programmiert? "Ich glaube, wir sind beide nicht nachtragend", sagt Göttler, der noch nie mit Moro unterwegs war, ihn aber von zahlreichen Begegnungen in Basecamps kennt. "Man muss am Berg versuchen, nicht persönlich zu werden, nachher lacht man über solche Dinge."

Auf vielen Expeditionen hat Göttler Erfahrungen als Kameramann gesammelt. Auch diesmal wird es seine Aufgabe sein, zusammen mit dem Italiener Emilio Previtali den Besteigungsversuch in Bildern festzuhalten. Vorbild könnte der Kurzfilm "Cold" von Moros Gasherbrum-Besteigung sein, der in der Bergsteigerszene Furore machte.

Unter anderem auch deswegen, weil er schonungslos die Todesangst des Kameramannes Cory Richards zeigt, nachdem er soeben fast von einer Lawine getötet worden wäre. "Den Film werde ich mir ab jetzt nicht jeden Abend anschauen, das wäre wohl keine gute Motivation", sagt Göttler.

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insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
widower+2 18.12.2013
1. Überflüssig
Wenn er sich nur selbst in Gefahr bringen würde, wäre das ja in Ordnung. Wie man dem Artikel entnehmen kann, ist dem aber leider nicht so.
bananenrep 18.12.2013
2. Was.....
wer Ich zünde zu Weihnachten, im Winter einen Weihnachtsbaum an. Also beleuchte den. Ansonsten habe ich eh nur die Überschrift gelesen. Ist das wichtig ? wer, wann, wohin reist. ? Übrigens Lieschen Müller geht im winter Schlittschuhlaufen.
osos1009 18.12.2013
3. Eine noch größere Herausforderung
wäre es, wenn er diese winterliche Besteigung bloß in Unterhosen zustande brächte!
Thunder79 18.12.2013
4. Unverantwortlich solche Menschen...
Zitat: nach dem Absturz des Rettungshubschraubers steht Göttler im Engen Kontakt mit den Familien, leider kann man solche Dinge nicht rückgängig machen.'' .... Aber erneut in der Winterzeit solch einen gefährlichen Berg besteigen und dann auch noch spontan, völlig unverantwortlich solche Menschen. Wenn diese in Not geraten, ist es nicht in Ordnung, dass Andere ihr leben in einer Rettungsmission riskieren....
Wunderläufer 18.12.2013
5. Unverantwortlich
Ich finde diesen Nervenkitzel unverantwortlich: da verliere Menschen ihr Leben beim Versuch, zivilisationsmüde Extremlinge zu retten, und welche Lehre ziehen die daraus? Richtig: weiter so
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