Entlegenes Tal in Nepal Zwischen Siebentausendern das Glück

Sie haben kein Internet, ernähren sich vegetarisch, Frauen heiraten mehrere Männer: Das Tsum-Tal im Himalaya ist nur zu Fuß zu erreichen. Ausdauernde Touristen treffen auf offene Menschen und unberührte Natur.

Enno Kapitza/ Agentur Focus/ Sieveking Verlag 2018

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Glitzernde Siebentausender ragen in den Himmel, im Wind flattern Gebetsfahnen, Yaks grasen auf grünen Weiden: Der Fotograf Enno Kapitza und der Autor Titus Arnu sind gemeinsam vier Wochen lang durch das Tsum-Tal im Himalaya gewandert. Entstanden ist daraus der Bildband "Tsum-Glück. Ein entlegenes Tal im Himalaya".

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Titus Arnu (Autor), Enno Kapitza (Fotograf):
Tsum Glück

Ein entlegenes Tal im Himalaya

Sieveking Verlag; 240 Seiten, 55 Euro

Eine Woche lang brauchten die Männer, bis sie ihr Ziel zu Fuß erreichten. Trittsicherheit, eine gute Kondition und Schwindelfreiheit ist Voraussetzung, um an gefährlichen Schluchten entlang in das Tal zu gelangen. Eine Straße gibt es nicht. Lange war die Region Sperrgebiet, seit 2007 dürfen Touristen sie besuchen. Doch noch kommen wenige, rund hundert Menschen wandern pro Saison durch die Landschaft, die auch "Tal des Glücks" genannt wird.

Die Gegend liegt im nördlichen Gorkha-Distrikt Nepals, im Norden grenzt sie an das Autonome Gebiet Tibet, im Süden öffnet sich das Tal ins nepalesische Mittelland, entlang des Flusses Shar.

Drei Bergpässe erlauben einen Grenzübergang, nur zwei von ihnen werden genutzt: der Thapla-Pass auf über 5000 Meter Höhe und der Monla Dachen, über den man nach Tibet gelangt und der den Einheimischen ermöglicht, chinesische Märkte zu besuchen.

In dem Tal leben rund 2500 Einwohner, die Tsumpas, die einen tibetischen Dialekt sprechen. Sie verteilen sich auf 19 Dörfer, in Höhen von 2200 bis 3400 Metern. Die grünen Hochebenen, auf denen sie leben, sind umgeben von bis zu 7000 Meter hohen schneebedeckten Bergen.

Fotostrecke

15  Bilder
Eingerahmt von Siebentausendern: Das Tsum-Tal in Nepal

Kapitzas Fotos zeigen Frauen bei der harten Feldarbeit, Getreide wird von Hand geerntet und gedroschen; Männer, die Yaks und Hausrinder von Wiese zu Wiese treiben; Kinder mit geröteten Wangen auf dem Weg zur Schule; Nonnen, die aus Tibet fliehen mussten und im Tal nun ungestört ihren Glauben praktizieren können.

Über hundert seltene Vogelarten und mehr als 30 Säugetierarten leben in der Gegend, alle stehen unter Naturschutz. Blauschafe, Pandas und Schakale können dort ungestört leben. Sie werden vom Menschen nicht bedroht. Denn Jagen und Fischen ist hier verboten, selbst Bienen den Honig wegzunehmen wird nicht gerne gesehen. Die Menschen ernähren sich vegetarisch, von dem was sie finden und anbauen - und was sie durch Handel bekommen.

Der Bildungsstand ist niedrig, die Menschen sind bitterarm und müssen hart arbeiten. Lawinen, Erdbeben, Hochwasser und lange, kalte Winter bedrohen sie immer wieder. Bis vor wenigen Jahren gab es keine ärztliche Versorgung und keine Toiletten.

Auch wenn die Tsumpas sehr mit ihrer Kultur und ihrer Heimat verbunden seien, würden sie sich nicht isolieren, schreibt die Leiterin der Außenstelle des Südasien-Instituts der Universität Heidelberg, Nadine Plachta, in dem Bildband.

Sie seien interessiert an der Welt und würden an ihr teilhaben wollen, sich nicht gegen Veränderungen wehren: Eine Straße durch das Tal ist geplant, Kinder lernen in der Schule Englisch, immer mehr Erwachsene besitzen ein Smartphone. Selbst dieser abgelegenen Teil der Erde ist also im Wandel begriffen.

Im Video: Mit dem Jeep durch Nepal



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