Nepal Zeitreisen in Kathmandu

Wer sich nach Kathmandu aufmacht, sucht die Extreme. Und es ist nicht nur der Anblick der Achttausender, der nach ungeahnten Höhen streben lässt. Nepal ist immer auch eine spirituelle Reise.


Fast wähnt sich der Besucher in einem Kloster: Stille empfängt ihn, dazu sich neigende nepalesische Häupter. In der großen Halle ragen buddhistische und hinduistische Chaityas aus dem Boden. Die geweihten Nachbauten orientieren sich an bis zu 1000 Jahren alten nepalesischen Schreinen.

Buddhistisches Heiligtum in Boudha, neue Heimat zahlreicher Exil-Tibeter
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Doch dies ist kein Tempel, sondern das Hyatt Regency Hotel am Rande von Kathmandu. Lebensgroß nachempfundene mythologische Tiere bewachen den Eingang des luxuriösen Hauses, das so ist, wie man sich Nepal gerne vorstellt: Meditativ und etwas mysteriös wie die Berge, die sich am Horizont abzeichnen, wenn sich der Smog einmal verzieht.

Doch schon wenige 100 Meter vor den Toren des Hotels zeigt sich ein anderes Nepal: Alte, rostige Autos rollen über staubige, löchrige Straßen. Sie fahren vorbei an kleinen Kindern, die barfuß über das Pflaster tollen, an mageren Heiligen Kühen, die teilnahmslos Gras wiederkäuen, und an Mönchen in ihren orangefarbenen Kutten. In vielen Stadtvierteln Kathmandus scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Zum Beispiel am Tahiti Tole.

Der kleine Platz ist staubig, wie fast alles in Kathmandu während der Trockenzeit. Fahrradrikschas und Motorräder brettern über fußballgroße Schlaglöcher hinweg. Den Besucher mag verwirren, dass die Gassen hier keinen Namen haben. Doch die Nepalis stört das nicht. Wer einen Verwandten in Kathmandu besuchen möchte, fragt sich halt durch. Irgendwer wird den Verwandten schon kennen.

Die Nepalis sind fest eingebunden in alte Traditionen
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Die Nepalis sind fest eingebunden in alte Traditionen

Nichts ist beeindruckender in Kathmandu als der Durbar Square, der Hauptplatz der Stadt, an dem einst der König von Nepal residierte. Der Platz wird von mächtigen Tempeln eingerahmt, die den großen hinduistischen Göttern wie Vishnu oder Shiva gewidmet sind. Hoch ragen die Dächer der bis zu 500 Jahre alten Gebäude in den Himmel.

Dominiert wird das Bild vom Taleju Tempel, der von den Nepalis nur einmal im Jahr besucht werden darf. Für Touristen ist der Eintritt gänzlich verboten. Unten auf dem Platz tummelt sich halb Kathmandu: Kinder und Straßenhändler und die Sadus mit ihren langen weißen Haaren und Bärten - die so genannten heiligen Männer aus Indien, die sich auf ihren Pilgerreisen ihre Körper mit Asche einreiben.

Auf dem Durbar Square steht auch das Kumari Bahal. Das Haus, dessen Eingang von steinernen Löwen beschützt wird, ist das Heim eines jungen Mädchens, der so genannten Lebenden Göttin. In ihrer frühen Kindheit wird sie in ihr Amt gewählt. Bis zur Pubertät bewohnt sie das Kumari Bahal, danach lebt sie weiter als "Normalsterbliche" - und in das Haus am Durbar Square zieht eine Nachfolgerin ein.

Zwischen Indien und China gelegen: Nepal
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Zwischen Indien und China gelegen: Nepal

Solche Geschichten sind es, die den Reiz Kathmandus ausmachen. Wer am neuen Königspalast spazieren geht und hoch über der Straße die Fledermäuse beobachtet, die in den Bäumen hängend auf die Dunkelheit warten, der fühlt sich fast wie in einem Indiana-Jones-Film. Aber dann ist Kathmandu auch wieder zu schmutzig, um nicht echt zu sein.

Bis in die fünfziger Jahre hinein war Nepal, das kleine Land am Himalaya, für Ausländer tabu. Die ersten westlichen Reisenden, die in größerer Zahl nach Kathmandu kamen, waren dann in den Sechzigern die Hippies auf der Suche nach ihrem persönlichen Nirvana. Es folgten die Bergsteiger, die die mächtigen Achttausender des Landes erklimmen wollten, darunter den Mount Everest und den Annapurna.

In Kathmandu beginnen viele Treks ins Himalaya-Gebirge
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In Kathmandu beginnen viele Treks ins Himalaya-Gebirge

Eine "westliche Oase" in Kathmandu ist das Thamel-Viertel. Ein Zimmer für die Nacht ist in den billigen Herbergen für umgerechnet ein paar Euro zu haben. Und für wenige Cents lassen sich per E-Mail die Daheimgebliebenen benachrichtigen. Hier gibt es auch ein reiches Angebot an Speisen, die aus der westlichen Welt bekannt sind. Denn mit der faszinierenden Kost der Nachbarländer Indien und China kann es die nepalesische Küche kaum aufnehmen. Also haben die Restaurants das Kochen von ihren Gästen gelernt und bieten indische Reisgerichte, italienische Pizza, deutsches Brot und deutschen Kuchen an.

In Thamel beginnt für viele Reisende ihr nepalesisches Abenteuer. Die Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt sind von hier aus zu Fuß zu erreichen. "Wo willst du hin?", fragt ein kleiner, dünner Nepalese die Passanten. "Mount Everest? Annapurna?" Wer auf die Gipfel der Achttausender klettern will, muss lange vorher planen und viele 1000 Dollar für die Genehmigung zur Besteigung bezahlen. Doch die Treks auf einen so genannten "kleineren Gipfel" in Sichtweite der Achttausender lassen sich in Kathmandu von heute auf morgen buchen - zum Beispiel ein dreiwöchiger Fußmarsch um den Annapurna, der immerhin über 4000 Meter hoch gelegene Pässe führt. Oder der Trek zum Mount Everest Basislager - auch in 5500 Meter Höhe wird die Luft schon ziemlich dünn.

Nepal bietet Extreme im wörtlichen oder spirituellen Sinn
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Nepal bietet Extreme im wörtlichen oder spirituellen Sinn

Der kleine Mann in Kathmandu bleibt hartnäckig, auch wenn seine potenziellen Kunden kein Interesse zeigen: "Sehr billig", sagt er, "ich arrangiere alles: Führer, Träger, Trekkingpass." Und dann entschuldigt er sich: "Ich will ja nicht lästig sein. Aber das Geschäft läuft schlecht. Wir haben kaum noch Touristen hier."

Tatsächlich hat der nepalesische Fremdenverkehr schon viel bessere Zeiten gesehen. Seit im Jahr 2001 die maoistischen Rebellen den Waffenstillstand mit der Regierung aufgekündigt haben, kommen immer weniger Touristen. Seit November gilt der Ausnahmezustand im gesamten Land. Zwar kommt es eher gelegentlich zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Rebellen - und die Aufständischen achten sehr darauf, keine Reisenden darin zu verwickeln.

Auch das Auswärtige Amt in Berlin weist darauf hin, dass in Kathmandu weitgehend Ruhe herrscht. Jedoch sei es ratsam, sich vor einer Abreise genau über die Lage in Nepal zu informieren und im Lande entsprechend vorsichtig zu sein.

Die Auswirkungen der Kämpfe auf den Fremdenverkehr sind gewaltig. Wer trotzdem nach Nepal kommt, kann dafür so manches Schnäppchen machen. Denn die Faszination des Landes ist ungebrochen.



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