Landebahn wie Flugzeugträger Chinesen machen Berge platt, um Flughafen zu bauen

Die Region um die chinesische Stadt Hechi ist extrem bergig - sollte aber endlich einen Flughafen bekommen. Die martialische Lösung: Mit Unmengen an Sprengstoff wurden Dutzende Bergspitzen einfach weggesprengt.


Angstfreie Fluggäste sollten sich auf jeden Fall um einen Fensterplatz bemühen, wenn sie in Zukunft in die chinesische Stadt Hechi fliegen. Dort öffnet in Kürze ein Flughafen, dessen Lage kaum spektakulärer sein könnte. Der Hechi Jinchengjiang Airport (IATA-Code HCJ) liegt auf der begradigten Spitze einer Bergkette in 675 Metern Höhe.

Hechi liegt im Autonomen Gebiet Guangxi, ganz im Süden Chinas. Die bergige Region des Yunnan-Guizhou-Plateaus gilt als sehr rohstoffreich. Die Felsen bestehen vor allem aus Kalkstein - und große Mengen davon mussten bewegt werden, um den neuen Flughafen der Stadt zu bauen. Er soll als Zwischenstopp auf der Route zwischen den Städten Chongqing, wo sich Bundeskanzlerin Angela Merkel kürzlich umgesehen hat, und Haikou dienen.

Nach einem Bericht des britischen "Telegraph" mussten im Zuge der Bauarbeiten insgesamt 65 Bergspitzen weichen. Die Zeitung zitiert Wei Yuanzhe, einen Sprecher der Betreiberfirma des Flughafens: Man habe jahrelang nach besseren Standorten gesucht, in der Region aber nichts Besseres finden können. Also habe man Männer mit Sprengstoff in die Berge geschickt, die hätten Löcher gebohrt und die Spitzen gesprengt - das sei der einzige Weg gewesen, die Landschaft zu begradigen. Die Täler zwischen den Erhebungen habe man mit dem gewonnenen Material aufgefüllt.

Drei Flüge pro Stunde

Die so entstandene Landebahn ist 2,2 Kilometer lang und 45 Meter breit, also eher für kleinere Maschinen geeignet. Der "Telegraph" zitiert den Bürgermeister von Hechi mit der Bemerkung, eine Landung dort sei mit dem Aufsetzen auf einem Flugzeugträger vergleichbar.

Die Arbeiten zogen sich über Jahre hin, sie hatten Ende 2008 begonnen und sollten eigentlich schon im Jahr 2012 beendet sein. Tatsächlich dauerte das ganze aber ein gutes Jahr länger. Nun soll der Airport im August seinen regulären Betrieb aufnehmen. Es gibt ein einziges Terminal - und wegen der beengten Verhältnisse sollen auch nicht mehr als drei Flüge pro Stunde in Hechi landen. Trotzdem ist die Einweihung des Flughafens eine enorme Erleichterung für Reisende in die Region: Wer bisher in die Stadt wollte, musste mit dem Flugzeug in die Stadt Guilin reisen - und von dort 200 Kilometer mit dem Auto fahren.

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insgesamt 57 Beiträge
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Seite 1
fffat 12.07.2014
1.
naja, immerhin kann der Flughafen im August den Betrieb aufnehmen, nach gut einem Jahr Verzögerung. wo ist unser Hauptstadtflughafen?...
xiezeren 12.07.2014
2. Was der Artikel
geflissentlich verschweigt, bei dem Gebiet der Stadt & drumherum handelt es sich um ein von einer der über 50 ethnischen Minderheiten in China bewohnten Teil. Es sieht so aus, als hätten der Bürgermeister & die Bevölkerung den Flughafen unbedingt gewollt, denn um die 200 km Entfernung nach Guilin, der Provinz-Hauptstadt, kann es kaum allein gegangen sein. Man sehe sich das Gebiet auf der Karte an & stelle sich vor, überall in diesen Bergen, also alle 200 km würde so etwas entstehen... Fakt 1 ist also, der Staat investiert in einem autonomen Gebiet, auf daß es den Bewohnern dort zugute komme. Fakt 2 ist, die Bewohner wünschen sich das, es gibt somit kein Empörungspotential hiesiger NGOs & aufspringender Politiker. Also kümmert man sich hier nicht um diese Fakten & unterschlägt es stillschweigend. Immerhin wird es berichtet, aber unter einem anderen negativen Vorzeichen: die Umwelt. Allein schon der Tenor der Überschrift: *Berge platt machen*... Nee, nee SPON. keine Empfehlung für so eine propagandistisch eingefärbte Berichterstattung! Grüße vom Xie
dwg 12.07.2014
3.
Zitat von sysopaction press/Cen/EuropicsDie Region um die chinesische Stadt Hechi ist extrem bergig - sollte aber endlich einen Flughafen bekommen. Die martialische Lösung: Mit Unmengen an Sprengstoff wurden Dutzende Bergspitzen einfach weggesprengt. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/neuer-flughafen-in-china-fuer-airport-in-hechi-mussten-berge-weichen-a-980674.html
So, so, ein 2200m langer Flugzeugträger. Mit 2200m ist das ein ziemlich ausgewachsener Flughafen und so ganz klein sind die Flugzeuge dann doch nicht. Eine schnöde 737-500 gibt sich schon mit 1500m Startbahn zufrieden und selbst eine 737-700 ist bei Maximalgewicht nach weniger als 2000m in der Luft. Nur Startabbruch und zu tief anfliegen ist nicht schön.
Mancomb 12.07.2014
4. Gute Idee
So nutzen die Chinesen andernfalls unbrauchbare Fläche. Anders als in den touristisch und auch verkehrstechnisch sehr gut erschlossenen Alpen halte ich das in Zentralchina für eine sehr gute Idee. Mit dem Schutt werden Täler aufgeschüttet, um noch mehr Baufläche zu erhalten - zwei Fliegen mit einer Klappe.
graf.koks 12.07.2014
5. Tja...
Das muß man sich einmal überlegen: Bergspitzen begradigen, um einen Flugplatz zu bauen. Und der ist betriebsfertig, und das nach nur einem Jahr Verspätung. Und so klein ist er ja nun auch nicht, wenn mittelgroße Boeings starten und landen können. Hätte man das Architekten, Planern und Baufirmen aus Deutschland überlassen, würden die sich heute noch über die Fehlberechnungen bei der Sprengstoffmenge streiten - so nach dem Motto: "Was ist da eigentlich schiefgegangen?"
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