New Orleans Comeback mit Pauken und Trompeten

Ein Jahr nach dem Wirbelsturm "Katrina" hat New Orleans seine Lebensfreude zurückgewonnen. In den Bars wird wieder Blues geschrammelt, die meisten Hotels haben geöffnet, und im "Superdome", wo damals Flüchtlinge eingepfercht waren, fliegt wieder das Football-Ei.


"Es gibt Dinge, die kein Sturm der Welt zerstören kann - so wie die Kultur und Lebensfreude in New Orleans". Das schrieb Mitte August die texanische Tageszeitung "San Antonio Express". Knapp ein Jahr zuvor, am 29. August 2005, hatte Hurrikan "Katrina" vor der Küste am Golf von Mexiko gewütet und große Teile der Metropole im US-Staat Louisiana zerstört oder unbewohnbar gemacht. Doch die Seele von New Orleans scheint tatsächlich unverwüstlich. Wie eh und je feiern inzwischen Einheimische und Touristen in den Vergnügungsvierteln der Stadt am Mississippi, die nicht ohne Grund "Big Easy" ("Große Leichtigkeit") genannt wird.

Aus den Bars und Jazzclubs im "French Quarter" ertönen wieder die Soli der Saxofone oder die satten Klänge der Bassgitarren. Die Cafés bieten die berühmten pudergezuckerten Beignets an, und durch die Straßen weht der Duft von kreolischen Speisen wie "Jambalaya", eines scharfen Reisgerichts mit Meeresfrüchten, oder "Gumbo", eines scharf gewürzten Eintopfs. In der "Bourbon-Street" bringen Cocktails aus Rum, Bourbon und Fruchtsäften das Partyvolk Nacht für Nacht in Stimmung. Kutscher laden am "Jackson Square" zu Stadtrundfahrten ein. Wer es gruselig mag, nimmt an einer nächtlichen Friedhofstour teil.

"Riesige Fortschritte"

85 Prozent der Hotels in der Stadt sind wieder geöffnet. 28.000 Zimmer gibt es derzeit. Nochmals 1150 kommen in einigen Wochen dazu, wenn das "Ritz Carlton" und zwei weitere große Herbergen ihre "Wiedergeburt" feiern. Wer sein Glück in einem Spielkasino an der Küste versuchen will, hat auch wieder die Qual der Wahl. Ende August eröffnet unter anderem das "MGM Beau Rivage Resort", ein Komplex mit 1700 Zimmern, mehreren Restaurants und einem Theater mit 1500 Sitzplätzen. 4000 Mitarbeiter kümmern sich um das Wohl der Gäste dieser Luxus-Ferienanlage, die einen wirtschaftlichen Segen für die Region bedeutet.

Viele potentielle Touristen sind aufgrund der Bilder von überfluteten Landschaften und zerstörten Häusern, die um die Welt gingen, noch verunsichert. Doch zahlreiche von jenen, die dennoch kommen, lassen sich von New Orleans' einzigartigem Charme verzaubern. "In den Medien sieht man kaum etwas von den riesigen Fortschritten und wie gut die Touristenattraktionen in Schuss sind", sagte Nancy Ogden, Vizepräsidentin der Marketingfirma Maritz, dem Fachmagazin "Business to Business". Ihre Firma hatte dieses Jahr einen Kongress mit 350 Kunden von St. Louis nach New Orleans verlegt und es nicht bereut. "Die Teilnehmer waren begeistert."

Der Sport kehrt zurück

Das Geschäft mit Tagungen und Kongressen kommt immer besser in Schwung. Allein der Amerikanische Bibliothekenverband bescherte mit seiner Jahresversammlung, zu der im Juni 18.000 Mitglieder anreisten, der Stadt Einnahmen von rund 20 Millionen Dollar. Im November wird der US-amerikanische Maklerverband mit 35.000 Teilnehmern in der Mississippi-Metropole erwartet. Vor dem Hurrikan erwirtschaftete New Orleans durch die Tagungsgäste jährlich 9,6 Milliarden Dollar. Die Stadt hofft, diese Summe bald wieder zu erzielen.

Auch der Sport kehrt zurück. Der "Superdome" erhält zurzeit für 185 Millionen Dollar ein "Facelifting". Von dort gingen vor einem Jahr schreckliche Bilder von zusammengepferchten Flüchtlingen um die Welt. Nun regiert ab 25. September wieder das Football-Ei, wenn die "New Orleans Saints" in ihrer modernisierten Mega-Arena gegen die "Atlanta Falcons" antreten.

Der Besucherschwund nach Hurrikan "Katrina" kostete die Tourismusindustrie in New Orleans laut Stephen Perry vom städtischen Tagungs- und Besucherbüro bisher zwei Milliarden Dollar. Doch jetzt soll es wieder aufwärts gehen. Die heißen Sommermonate sind zwar traditionell nicht die beliebteste Reisezeit in der Südstaaten-Metropole. Ab Oktober übernehmen in New Orleans wieder Geister, Zauberer und Voodoo-Priester das Regiment, wenn das "Voodoo Musikfestival" und "Vampirbälle" rund um Halloween den Touristen schöne Schauer über die Haut jagen.

Henriette Preiß, gms



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