Greenwood Gardens bei New York: Grüne Oase vor der Großstadt

Der Park ist ein perfektes Ziel für einen Tagesausflug von New York: Erstmals sind nun die Greenwood Gardens dauerhaft für Besucher geöffnet. Vier Gärtner kümmern sich täglich um die Pflanzen - kein Vergleich zu dem Aufwand, der hier einst betrieben wurde.

Greenwood Gardens: Es grünt so grün Fotos
TMN

New York - Kein Haus, kein Auto, kein Schornstein, kein Strommast: Rund um die Greenwood Gardens sind ausschließlich bewaldete Hügel zu sehen, dazu singen Vögel, es weht eine leichte Brise, und die Pflanzen duften. "Das da hinten sind 8000 Hektar schon seit Jahrzehnten geschützte Waldfläche, das ist für die Gegend hier sehr ungewöhnlich", sagt Peter Blanchard und lächelt selig. "Ist das nicht ein wunderbarer Ort?" Blanchard ist hier aufgewachsen, in dem aus roten Ziegeln gebauten Anwesen mitten in den Greenwood Gardens. "Ich bin durch die Gärten und die Wälder gerannt und habe mich schon damals so richtig in die Natur verliebt."

Die Greenwood Gardens sind eine Oase - nur rund 30 Kilometer von der oft lauten, hektischen und im Sommer stickigen Millionenmetropole New York entfernt. Mehr als hundert Jahre lang war das Anwesen in den Watchung Mountains im Privatbesitz, jetzt hat es der derzeitige Erbe Blanchard dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

New Yorker und Touristen aus aller Welt können in den Gärten in dem kleinen Städtchen Short Hills auf der anderen Seite des Hudson River nun eine Auszeit vom oft stressigen Leben oder Sightseeing in der Großstadt nehmen. Per Vorortzug ist es ein schöner Tagesausflug. Und weil die Gärten noch nicht so lange für die Öffentlichkeit geöffnet sind, ist die Besucherzahl meist noch gering - Ruhe also garantiert.

Echte Enten und Löwen aus Stein

"Es ist wunderbar zu sehen, dass das Anwesen jetzt ein neues Leben bekommt", sagt Blanchard, grüne Cordhose, schwarze Baseball-Cap, während er eine Runde durch die Gärten dreht. Auf ungefähr elf Hektar gibt es in den Greenwood Gardens auf verschiedenen Ebenen und Hügeln 27 verschiedene Gartenelemente und kleinere Bauten: ein Teehäuschen, ein Sommerhäuschen, mehrere Terrassen und Alleen, Brunnen, versteckte Bänkchen, ein Gartenhaus und sogar eine kleine Farm mit Ziegen, Hühnern und Enten.

Dazwischen blühen unter anderem Iris, Pfingstrosen in Pink, weiße Bocksbärte, Roter Fingerhut und blaue und weiße Katzenminze. In den Beeten und auf den Mauern stehen Figuren aus Stein: Löwen, Trolle, Pferde, manche vom Moos schon ganz überwuchert.

Vier Gärtner kümmern sich täglich um die Gärten - aber das sind im historischen Vergleich nicht viele. Bis zu hundert Gärtner soll Joseph Day beschäftigt haben, der exzentrische Millionär, der das Anwesen 1906 kaufte. Day war ein bekannter und einflussreicher Immobilienmakler und -auktionator in New York. Während seiner langen Karriere soll rund ein Drittel der Immobilien in den New Yorker Stadtvierteln Bronx und Queens mindestens einmal durch seine Hände gegangen sein. Seiner Frau habe er versprochen, so erzählt ein Führer beim Rundgang durch die Gärten, dass die Familie nach New Jersey ziehen werde, wenn er seine erste Million verdient habe.

Day hielt Wort und zog mit seiner Frau Pauline und den sechs Kindern nach Short Hills. "Pleasant Days" nannte er das Anwesen, das er aufwendig restaurierte. Nachdem ein Feuer 1912 das Haus zerstörte, ließ Day ein neues mit 28 Zimmern bauen. Den Garten schmückte er vor allem mit Blumen und Bäumen aus Japan - damals ein Trend.

Yoga oder Buch lesen

1944 starb Day, und das Anwesen wurde verkauft und weiterverkauft, bis es 1949 Peter Blanchard, der Vater des heutigen Eigentümers, erwarb. Seine Frau war Adelaide Childs Frick, eine Kinderärztin aus der berühmten Stahl- und Kohlemagnatenfamilie Frick. Die beiden ließen das Haus abreißen und ein noch größeres bauen. Außerdem ergänzten sie den Garten um ein Teehaus. "Das war zur Unterhaltung gedacht, besonders im Sommer", erzählt der Leiter der Führung. "Es ist ein angenehm kühler Ort, um einen heißen Sommernachmittag zu verbringen."

Adelaide Childs Frick starb 1956, ihr Mann fast 50 Jahre später. Noch heute erinnern zwei Mammutbäume im Garten an das Paar - sie hatten sie zur Hochzeit geschenkt bekommen.

Seit diesem Frühjahr stellt Sohn Peter Blanchard, der auch selbst immer noch in Short Hills wohnt, sein Elternhaus der Öffentlichkeit zur Verfügung: Es gibt geführte Touren, Yoga-Kurse, Touren für Kinder, Ausstellungen von Künstlern - und auch, wer beispielsweise einfach nur auf einer der vielen Bänke in Ruhe ein Buch lesen will, ist willkommen.

Christina Horsten/dpa/sto

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Das wuerde heute nicht mehr passieren.
hdudeck 16.08.2013
...Seiner Frau habe er versprochen, so erzählt ein Führer beim Rundgang durch die Gärten, dass die Familie nach New Jersey ziehen werde, wenn er seine erste Million verdient habe... New Yorker nennen Leute von Jersey bridges and tunnel people. Dann doch lieber die Hamptons (zumindest im Sommer) und Westchester
2. optional
markenware 16.08.2013
Die Autorin berichtet von blühenden Iris, Pfingstrosen und Fingerhut. Auf den Fotos erkennt man u.a. kahle Bäume und gelbe Tulpen. Kann die Autorin sicher sein, dass jetzt im Hochsommer in der Hauptferienzeit auch noch die Ruhe herrscht, die sie bei ihrem Besuch vor Monaten vorgefunden hat? Wie lange liegt dieser Artikel schon in der Schublade resp. Festplatte? Und hat ihn jemand gelesen, bevor er jetzt veröffentlicht wurde?
3. Das wuerde heute nicht mehr passieren...sicher?
nj_morris 16.08.2013
@hdudeck: Hoch lebe die Oberflaechlichkeit. Die Gegend um Short Hills (mit Orten wie Chatham, Summit, Madison, Morristown und weiter westlich Mendham - Wohnort von Governor Chris Christie...und vieeel Gruen dazwischen) ist auch heute noch Ziel vieler Millionaere. Und ja, auch auch Pendler aus New York, wie man sie ebenso in Westchester County findet. Zu Zeiten des Gilded Age, als es in New York nach Industrie und Pferdemist stank, entstanden rund um Morris Country praechtvolle Villen und Anwesen, die auch heute stehen. Ohne Frage, die Hamptons und Westchester County sind tolle Ecken - nur Short Hills und (westliche) Umgebung brauchen sich auch heute nicht zu verstecken. Und das wissen auch viele New Yorker. Gruesse von einem "tunnel and brides" man.
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