Nicaragua: Entspannung zwischen Vulkanen und Lagunen

In Nicaragua ist es nie weit zum Wasser. Im Osten des Landes liegt der Atlantik, im Westen der Pazifik, südöstlich der Hauptstadt Managua der riesige Nicaragua-See. Und nicht nur rund um den See nimmt der Tourismus jetzt wieder zu, nachdem jahrelang der Bürgerkrieg Reisende abgeschreckt hatte.

Granada: Prächtige Kolonialarchitektur
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Granada: Prächtige Kolonialarchitektur

Managua - Langam wird das Land zwischen Honduras und Costa Rica wieder von den Touristen entdeckt. Zahlreiche Organisationen bemühen sich darum, dass Nicaraguas Ureinwohner nicht Leidtragende, sondern Nutznießer der langsam anrollenden Reisewelle sind.

Einen ersten Eindruck von der Region rund um den Nicaragua-See bekommen Reisende aus der Luft: beim Flug in der einmotorigen Maschine von Managua nach San Carlos am Südostzipfel des Gewässers. Von hier oben ist Granada zu sehen, eine 1524 gegründete Stadt mit prächtiger Kolonialarchitektur. Außerdem ist der 1345 Meter hohe Mombacho, einer der zahlreichen Vulkane Nicaraguas zu sehen.

Auf der Isla de Ometepe, der größten Insel im Nicaragua-See, liegen zwei Vulkane. Der 1610 Meter hohe Concepción brodelte in den zurückliegenden Jahrzehnten mehrmals. Reisende können auf der Isla de Ometepe und auch auf einigen anderen Inseln in Gästehäusern unterkommen, die zum Teil in Indio-Kommunen stehen. Auf dem See können Segler und Surfer ihre Fähigkeiten testen.

In San Carlos, am südöstlichen Ufer des Sees, setzt das Flugzeug auf einer Gras- und Sandpiste auf. Es gibt keinen Terminal, nicht einmal eine Flughafenbar. Von San Carlos aus bietet sich eine rund einstündige Bootsfahrt zur Insel Mancarron auf dem Archipel Solentiname an. Im Dorf El Refugio bieten die Einwohner Fische und andere handgeschnitzte Tiere aus Balsaholz an. Das wächst hier ebenso wie Bananenstauden, Melonen oder Kokos- und Königspalmen. Der Lebensstandard hier ist niedrig, aber der See mit seinem Fischreichtum und die fruchtbare Erde sorgen für gedeckte Tische.

Um den Indios ihre Lebensgrundlage zu erhalten, unterstützt etwa der kirchliche Verein "vamos" mit Sitz in München das Archipel und seine Ureinwohner. Dass es neue Fährverbindungen gibt und bessere Straßen, ist auch dem Kampf lokaler Nichtregierungsorganistionen (NGOs) zu verdanken. "Das Projekt auf der Insel Mancarron ist ein gutes Beispiel für sozial-, kultur- und umweltverträglichen Tourismus", sagt Karola Tippmann, Tourismuschefin der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Managua.

Der Tourismus bringt auch den Ureinwohnern Arbeit. "Viele haben kleine Werkstätten für Kunstgewerbe und Galerien", sagt Nubia Arcia de Zerger. Sie ist Frauensprecherin des Inselrats und Mitinhaberin des Hotels "Mancarron", wo eine Übernachtung mit Vollpension ab 35 Dollar (rund 33 Euro) zu haben ist.

Nubias Ehemann Immanuel begleitet Besucher zu Nachbarinseln, wo viele Maler und Skulpteure leben. Auf der Isla La Vanada bringen Rodolfo Ardlano und seine beiden Töchter Szenen aus Legenden der Ureinwohner auf die Leinwand. Um das Holzhaus der Familie herum wuchern Mango-, Papaya- und Bananenstauden. "Wir haben in den vergangenen Jahren einige Besucher und Käufer mehr", sagt Ardlano.

Zu den Attraktionen der Region zählen auch rund 40 Vulkankrater. An manche können Gäste sogar mit dem Bus vorfahren, so an den Masaya nahe der gleichnamigen Stadt im Nordwesten des Nicaragua-Sees. Der Aufenthalt am Kraterrand ist im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend: Schwefelige Dämpfe steigen empor und in die Lungen. Kleine, grüne Papageien veranstalten enormes Gekreische. Sie können sich im Gegensatz zu den hoch über dem Krater kreisenden Raubvögeln den ausströmenden Gasen anpassen. Auf dem schwarzen Lavagestein sorgen die weißen Blüten der Flor de Maya für Farbtupfer.

"Der Bürgerkrieg ist lange vorbei, aber das hat sich leider noch nicht überall herumgesprochen", sagt Jean-Yves Bugna, Eigentümer des Hotels "Cesar" in Managua. Der Schweizer ist überzeugt, dass das Land, das Unterkünfte aller Kategorien für Preise zwischen 15 und 150 Dollar (rund 14 bis 143 Euro) bietet, großes touristisches Potenzial hat. Ähnlich sieht das die GTZ. Allerdings rät die Deutsche Botschaft Touristen zur Vorsicht. Bewaffnete Raubüberfälle nach Einbruch der Dunkelheit nehmen zu.

Die meisten Urlauber besuchen Nicaragua in "Paketen" mit den Nachbarstaaten Costa Rica und Honduras, die von verschiedenen Veranstaltern angeboten werden. Auch Reisen auf eigene Faust ist dank eines dichten regionalen Flug- und Busnetzes sowie zügiger Grenzabfertigung problemlos möglich. Von Deutschland aus gibt es keine Direktflüge nach Nicaragua. Die spanische Fluggesellschaft Iberia fliegt über Madrid, American Airlines über Flughäfen in den USA. Hin- und Rückflug gibt es ab etwa 800 Euro.

Von Bernd Kubisch, gms

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