Amerika-Urlauber stehen auf Outdoor Eissee statt Times Square

Kein Land nimmt mit Tourismus so viel Geld ein wie die USA. Doch auch Reisen in andere Teile Nordamerikas boomen. Kanada lockt zunehmend Outdoor-Urlauber - doch die vielen Fische in den klaren Gebirgsseen ziehen auch Bären an.

REUTERS

Money, money: Die USA sind das Land mit den höchsten Einnahmen durch internationale Touristen. 2013 betrugen diese umgerechnet 110 Milliarden Euro. Im Vergleich: Deutschland kam auf 33 Milliarden.

Viele Reisende ziehen die Natur Alaskas oder Kanadas den Partynächten in Las Vegas oder Museumsbesuchen in New York vor. Wandern statt Pokern, Fischen statt Andy Warhol.

Per Illian, Produktleiter Nordamerika bei Dertour und ADAC Reisen, kennt den Grund dafür. "Die Weite Kanadas und das Naturerleben lockt viele an. Und Outdoor ist in Kanada auf jeden Fall stärker als in den USA." Bären- und Walbeobachtungen an der Westküste würden auf der Wunschliste der Urlauber ganz oben stehen, sagt Illian der Nachrichtenagentur dpa.

Wie verhält man sich, wenn ein Bär vor einem steht?

Der Stuttgarter Richard Meyer hatte auch Kontakt mit einigen Bären. 2013 ist er ist mit seinem Bruder jeweils einen Monat durch Alaska und Kanada gefahren - in einem selbst ausgebauten Truck. Gecampt wurde mit einem Zelt auf dem Auto, gefischt mit Angeln oder den Händen. Auch die beiden hatten Kontakt mit Bären. "Als wir beim Denali Nationalpark in Alaska ankamen und campen wollten, mussten wir erstmal einen Kurs machen, wie man sich verhalten soll, wenn ein Bär vor einem steht", sagt Meyer zu SPIEGEL ONLINE.

Na, und wie? "Wenn er angreift, tot stellen. Wenn er Angst hat, groß machen und brüllen." In der Broschüre, die Meyer nach dem Kurs in die Hand gedrückt bekam, stand: "Wenn er nicht von dir ablässt - kämpfe um dein Leben!" Das fand Meyer nicht beruhigend. Passiert ist den beiden aber nichts - obwohl sie zwei Mal vor Bären flüchten mussten. "Beim Fischen stand einer mal 20 Meter entfernt", erzählt Meyer. "Der hat sich die Forellen aus dem Fluss geschnappt. Ein Feinschmecker. Die Lachse haben ihn nicht interessiert."

Den ganzen Tag fischen, wandern und Lagerfeuer machen statt in München im Büro zu sitzen. Meyer hat das geliebt, sagt er. "Nachts sind wir ewig draußen gesessen, obwohl es nur ein paar Grad über Null hatte. So einen Sternenhimmel hatte ich noch nie gesehen. Das war schon geil."

Mit dem Camper durch Kanada

Klares Bergwasser in dunkelblauen Seen, Berge mit schneebedeckten Hängen und dazu Stille, so sieht auch die Natur Kanadas aus. Auf knapp 10 Millionen Quadratkilometer Fläche (Kanada ist der zweitgrößte Staat der Erde) kommen 35 Millionen Einwohner - das sind im Schnitt drei Menschen pro Quadratkilometer.

Urlaub in Kanada sei sehr individuell, sagt Illian. Der Kunde bleibe nicht eine Woche an einem Ort, sondern reise lieber mit dem Mietwagen oder Camper herum. Besonders beliebt sei das Wohnmobil, sagt Illian. "Vancouver ist schon seit vielen Jahren der Hauptort zur Anmietung von Wohnmobilen in Nordamerika, viel stärker als in jeder Stadt in den USA. Dann gibt es natürlich noch die klassische Busreise mit Guide, der Land, Leute und Tiere erklärt."

Destinationen wie New York seien bei Touristen nach wie vor beliebt, sagt Illian. "Die Deutschen sind immernoch fasziniert von den USA. Es ist einfach ein Land mit unwahrscheinlich vielen Möglichkeiten. Man kann sich hier sehr frei fühlen." Dieses Gefühl hat man vor allem in weiter Natur. Illian: "Beim ADAC sehen wir eine Tendenz zu mehr Outdoor-Urlaub: Wanderreisen und Erlebnisreisen in der Natur werden immer beliebter."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikel hieß es, dass die Einnahmen der USA aus dem Tourismus 2013 rund 110 Millionen Euro betragen haben. Tatsächlich haben die Amerikaner 110 Milliarden damit verdient. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

jkö/dpa



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