Experten-Tipps Das perfekte Polarlicht-Foto? So geht's

Mit eigenen Augen die Nordlichter sehen - davon träumen viele Naturfans. Wer das Spektakel am Himmel mit der Kamera einfangen will, muss einiges beachten. Ein Polarlicht-Fotograf verrät seine Tricks.

picture alliance / Patrick Pleul / TMN

Markus Kiili schleppt eine schwere Ausrüstung durch die finnische Nacht. Mehrere Spiegelreflexkameras hat er dabei, mindestens ein Stativ und einige Objektive. Der Fotograf jagt Nordlichter - und die sind unberechenbar. Wo sie auftauchen, hängt vom Wetter ab. Und das ändere sich in den Polarregionen manchmal extrem schnell, sagt Kiili.

Schneefall und dichte Wolken können verhindern, dass man die Nordlichter sieht. Allerdings muss der Himmel nicht vollkommen wolkenfrei sein. "Es kann auf den Bildern sogar gut aussehen, wenn Wolken zwischen den Nordlichtern sind", sagt Kiili. Diese müssen dann aber entsprechend hell strahlen.

Wie fängt man die Nordlichter mit der Kamera ein?

Stativ aufstellen, Kamera installieren, Einstellungen vornehmen. "Die Programmautomatik hat in den Nächten Pause, zunächst stellt man auf den manuellen Modus um", sagt Kiili. Der Autofokus wird nur einmal gebraucht - um die Bilder in die Unendlichkeit scharfzustellen. "Dann muss man den Autofokus gleich ausschalten." Sonst werden die Bilder unscharf, oder der Auslöser funktioniert gar nicht erst.

Am besten ist ein Weitwinkelobjektiv, um möglichst viel Grün und Pink am Himmel einzufangen. Kiili verwendet meist ein lichtstarkes 14-Millimeter-Objektiv mit Festbrennweite. "Die Blende sollte möglichst klein, die Linse also möglichst weit geöffnet sein."

Auch die ISO-Einstellungen kann der Fotograf ändern, um die Belichtungszeit zu verkürzen. Das ist besonders sinnvoll, wenn sich die Nordlichter am Himmel recht schnell verändern. Bei einer langen Belichtungszeit erhält man sonst eventuell nur farbige Flecken auf dem Foto. "Bei einem ISO-Wert von 2000 muss man etwa 20 Sekunden belichten, da kann viel passieren am Himmel", sagt der Fotoexperte

Was das Motiv angeht, sorgen Berge und Bäume für Abwechslung auf den Fotos. Das Wichtigste: Hobbyfotografen müssen sich von jeglichem künstlichen Licht entfernen.

Wo gibt es Polarlichter?

"Jeder Ort nördlich und südlich der Polarkreise ist während des dortigen Winters ein guter Platz, um Lichter zu sehen", erläutert Astrophysiker Emanuel Jacobi, der ein Jahr lang das South Pole Neutrino Observatory IceCube am Südpol betreut hat. Auf der Nordhalbkugel kommen als Reiseziele also der Norden Skandinaviens, Grönland, Island, Nordkanada, Alaska und Russland in Frage. Ganz selten flimmert es auch am Himmel über Deutschland und in anderen Teilen Europas.

Auf der Südhalbkugel dagegen kann man die Lichter kaum sehen - denn in die Antarktis kommt man im dortigen Winter nur mit einer Sondergenehmigung. Und in Argentinien, Chile, Neuseeland und Australien sind die Aurora australis, wie sie dort genannt werden, eine extrem seltene Erscheinung.

Wie entstehen Polarlichter?

"Die Sonne schleudert Teilchen ins Weltall, die elektrisch geladen sind: den Sonnenwind, der ständig durchs All rast", erklärt Jacobi. "Das Magnetfeld der Erde lenkt diese Sonnenwinde ab, wenn sie in unsere Nähe kommen - und leitet sie zu den Polen um." Darum sind die Lichter stärker, je weiter im Norden oder im Süden man sich aufhält - und je dunkler es ist.

Wer sich für die Jagd nach Nordlichtern in die Natur begibt, muss auf seine Ausrüstung aufpassen. Im Winter kann die Temperatur jenseits der Polarkreise leicht weniger als minus 30 Grad betragen. Die Batterien entladen sich schnell, daher sollte man sie in die Jackentasche stecken, solange man nicht fotografiert.

Reise zu den Polarlichtern
Flüge
Die Lufthansa fliegt im Winter direkt nach Finnisch-Lappland, von München nach Kittilä und von Frankfurt nach Ivalo sowie nach Tromsø in Norwegen. Auch Finnair fliegt über Helsinki täglich in die Polarregionen. Air Canada bietet Verbindungen von Calgary nach Yellowknife in den Northwest Territories und von Vancouver nach Whitehorse im Yukon an.
Touren, Rundflüge, Kreuzfahrten
Verschiedene Reiseveranstalter haben geführte Touren in den hohen Norden im Programm. Zudem gibt es Anbieter für Nordlichter-Rundflüge. Die Reederei Hurtigruten bietet winterliche Kreuzfahrten zu den Polarlichtern an.

Um Nordlichter zu sehen, muss man aber kein Abenteurer sein und die halbe Nacht im Wald verbringen. In Skandinavien und Nordamerika gibt es Unterkünfte, von denen aus man in den Nordhimmel schauen kann. Natürlich sind diese Hotels und Lodges nicht günstig.

Eine andere Möglichkeit: an der Rezeption seiner Unterkunft um einen "Aurora Call" bitten. Denn meist haben die Hotels in den polaren Breitengraden einen Späher, der bei aktiven Polarlichtern einen Rundruf startet.

Übrigens sind die Nordlichter nicht nur zu sehen, wenn die Sonne sich im Winter am Polarhimmel gar nicht mehr zeigt. "Man kann sie von September bis Mai finden. Im Herbst und im Frühjahr ist es nicht ganz so kalt", sagt Fotograf Kiili.

Verena Wolff/dpa/jus

Mehr zum Thema
Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern


insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
steellynx 06.01.2017
1.
Ernsthaft, der Artikel hat keinerlei Bedeutung. Was für "Tricks" werden denn hier offenbart? Ja, man kann Nordlichter theoretisch das ganze Jahr über sehen, es gibt Zeiten mit erhöhter Wahrscheinlichkeit. Weitwinkel, lichtstark, Objektiv. Scharf stellen. Also ich glaube der einzige Hinweis den vielleicht nicht jeder Hobbyfotograf beachtet und wenigstens etwas wert hat ist, den AF auszuschalten. Und sonst? Was ist mit den Bildstabilisatoren? Wie kann man die ISO möglichst gering wählen um das Bild nicht so körnig zu gestalten? Wie wäre es mit einem Tip, wie man am Besten in Unendlichkeit scharf stellt, wenn alles was man sieht pure Dunkelheit ist? Woran erkenne ich überhaupt, ob mein Objektiv das kann? Wie bekomme ich es hin, dass Sterne noch als Sterne erkennbar sind und nicht als Streifen? - - - Ich möchte mal behaupten, in jedem halbwegs gut sortierten Internetforum welches sich mit Nacht- und speziell Polarlichtfotografie beschäftigt gibt es unendlich viel mehr nützliche Information als in diesem halbgaren Artikel. Und da wenden sich interessierte hoffentlich auch hin.
jensruminy 06.01.2017
2. Die Profis
Ich frage mich, wozu der mehrere Objektive uns Kameras dabei hat, die richtige Ausrüstung reicht. Und 20 sec bei ISO 2000? Also ich nehme meist ISO 800 und manchmal reichen 5-6 sec, mal müssen es 10-12 sein. Wie man fokussiert? Such Dir ein Objekt vllt. 15-20m entfernt, leuchte es mit einer Taschenlampe an und focussiere manuell. Die Einstellung passt dann auch bei den Sternen. Stabilisation muss abgeschaltet sein. Für die Batteriefrage bietet sich eine Zusatzbatterie (Energiebank) am Körper unter dem Anorak an, die über ein Kabel in die externe Stromversorgung der Kamera speist. So bleibt die Batterie warm und man muss sie nicht ständig aus- und ein bauen! Ob die Polarlichter erscheinen hängt NICHT vom Wetter ab, wohl aber, ob man sie sehen kann. Was hab ich schon sternenklare Nächte erlebt, in denen man Harlekin Polarlicht sieht!
steellynx 06.01.2017
3. @jensruminy
Das ist mir durchaus bekannt, ich wollte nur darauf hinweisen, dass solche Informationen im Artikel komplett fehlen, und in die wird jeder rennen, der sich an den Nordlichtern versucht. Auf der Basis Nordlichter zu fotografieren wäre extreme Glückssache.
unglaeubig 06.01.2017
4. Der nützlichste Tipp fehlt...
Den allermeisten Mitreisenden auf der letzten Polarlichttour wäre ja schon geholfen gewesen, wenn ihnen jemand gesagt hätte, dass es mit dem Handy aus der Hand garantiert nix wird. Mit dem Tablet auch nicht, auch wenn es größer ist. Ein stabiles (!) Stativ ist auch nicht schlecht, kann ganz schön windig sein dort oben...
hardeenetwork 06.01.2017
5. Tipps aus der Praxis
Eine gute Kamera ist hilfreich. Wenn man eine Zweite dabei hat, kann man 360° abdecken. Stativ ist ein MUSS. ISO 800 bis 1.200 - Große Blende (2,8) - manuelle Schärfevoreinstellung - Weitwinkelobjektiv (14-24mm) und eine Belichtungszeit (je nach Lichtstärke des Objektivs) von 15 bis 30 sek. Andere Lichtquellen vermeiden. Der Rest ist ausprobieren und experimentieren. Immer wieder Ergebnisse (besonders die Schärfe) anschauen und gegebenenfalls korrigieren. Geduld !!! Daraus müssten gute Ergebnisse resultieren.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.