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Roadtrip durch Kanadas Norden: Zen auf dem Highway

Von Ole Helmhausen

Wer von Yellowknife nach Whitehorse fährt, nimmt gleich drei kanadische Roadtrip-Legenden unter die Reifen: Mackenzie, Liard und Alaska Highway. Auf den 3000 Kilometern durch die grandiose Leere der Northwest Territories lernen Camper vor allem Gelassenheit.

Roadtrip durch die Nordwest-Territorien: Bären, Büffel und endlose Weite Fotos
Ole Helmhausen

Irgendwie bin ich froh, dass die Fähre nach Fort Simpson kaputt war. Ich hätte den Campingplatz an den Sambaa Deh Falls sonst glatt links liegengelassen und den Besitzer Raymond Michaud nicht kennengelernt. Ich wäre nicht mit ihm über die Felsplatten zum Trout River Canyon abgestiegen und hätte mich auch nicht zu seiner Angelstelle abgeseilt. Und den toten Elch am Ufer hätte ich auch nicht gesehen.

Er grüble noch immer, hat der Mittsechziger gesagt, wie der Bulle, ein kapitaler Bursche mit mächtigen Schaufeln, dort, an den Fuß der Felswand, hingelangt sei. Denn abgestürzt sei er nicht, das stehe fest. Als ich kurz vor Mitternacht die Decke über den Kopf ziehe, danke ich der kaputten Fähre für diesen Tag. Und träume von brüchigen Seilen und Elchen mit Flügeln.

Northwest Territories, Kanadas letzte Grenze: Ich fahre von Yellowknife nach Whitehorse. Zwölf Tage habe ich dafür Zeit, über 3000 Kilometer liegen vor mir. Ich schlafe auf Campingplätzen, und wo das nicht geht, fahre ich einfach rechts ran. Ich habe zwar huckepack ein weiches Doppelbett und andere Annehmlichkeiten, die ein moderner Truckcamper zu bieten hat. Aber dem Abenteuer tut das keinen Abbruch.

Ich rolle über endlos leere Highways mit Legendenstatus. Ich lerne, Pläne über Bord zu werfen und zu improvisieren. Und habe schon nach zwei, drei Tagen in dieser grandiosen Leere jegliches Zeitgefühl verloren. Ich kann nicht mehr sagen, wo genau ich gerade bin und wie spät es gerade ist. Die Welt, aus der ich komme, verblasst jeden Tag ein wenig mehr.

Safari-Momente wie in Afrika

Die Northwest Territories sind 1,3 Millionen Quadratkilometer groß. Entfernungen geben die rund 40.000 Einwohner in Stunden und Tagen an. Demnach ist es ein Tag bis zum schweizgroßen Wood Buffalo National Park. Ein langer Tag, wie man mir in Yellowknife versichert, aber das Buschfeuer kurz vor dem Park sei ja jetzt unter Kontrolle, also kein Problem. Derart ermutigt, schaukele ich mit Tempo 70 um den Great Slave Lake herum, durch eine Muldenlandschaft, die der schmilzende Permafrost in den Mackenzie Highway gedrückt hat.

Zu sehen gibt es nur Wald, umständehalber niedrig und poesielos, und Sand- und Kieshaufen mit davor geparkten, verlassenen Bulldozern. Alles in allem eine echte Geduldsprobe, denn in Europa hätte ich in derselben Zeit die Niederlande umrundet. Am Tagesende verstellt in Fort Smith ein gutes Dutzend grasender Büffel die Einfahrt zum Campingplatz. Als die braunschwarzen Kolosse endlich abziehen, macht der Manager Feierabend.

"Such dir den besten Platz aus", ruft er durchs Autofenster, "und schieb das Geld morgen unter der Bürotür durch!" Am Ende sehe ich auf dem Weg zum Büffel-Nationalpark mehr dieser Fleischberge als im Park selbst. Bullen, Weibchen, Junge. Safari-Momente wie in Afrika.

Auch auf dem Weg zurück nach Westen bin ich mutterseelenallein. Manchmal halte ich an, falte meinen Klappstuhl auseinander und nehme eine Weile mitten auf der Piste Platz, um in die Stille zu lauschen. In Deutschland undenkbar. Nicht die schlechteste Art, ein Gefühl für das Land zu bekommen.

Genau das bezweckt auch Doug Lamalice mit seiner Tour "Walk a mile in my Mocassins". Der massige Dene-Indianer lebt südlich von Hay River und nimmt seine Gäste mit auf eine zweieinhalb Kilometer lange Reise durch seine Kultur. Dabei dienen die spektakulären Alexandra-und-Louise-Wasserfälle im Twin Falls Gorge Territorial Park als Kulisse. "Meine Gäste sollen Mutter Natur spüren und lernen, mit ihr anstatt gegen sie zu arbeiten."

Nach einem Gebet marschieren wir los. Doug erzählt von Traditionen und Zeremonien, wie seine Vorfahren die Kanus um die unfahrbaren Wassrfälle zogen und die Jungen in feierlichen Zeremonien zu Männern wurden. Das ist zwar lange her, doch das Land ist dasselbe. Es macht die Menschen, wie man hier sagt. Auch an mir arbeitet es. Jeden Tag fällt ein wenig mehr Stress von mir ab. Der Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart sei nicht einfach, sagt Doug, es gebe aber auch eindeutige Vorteile. "Früher brauchten wir 14 Tage, um den Great Slave Lake zu erreichen. Heute sind wir in 45 Minuten da. Wenn die Straße okay ist!"

Die wichtigste Überlebensregel: Tanke!

In den Northwest Territories ist der Straßenzustand das Hauptthema. Informationen zu bekommen, ist jedoch so schwer, wie aus zig Hinweisen einen handfesten Tatverdacht zu filtern. Vor Fort Simpson, meiner nächsten Station, hätten Regenfälle den Mackenzie Highway unpassierbar gemacht, warnt Doug beim Abschied. Während der nächsten Tage höre ich alles Mögliche. Die Straße ist passierbar, unpassierbar, demnächst geöffnet, vielleicht aber auch nicht.

Meine Quellen sind Straßenarbeiter, andere Autofahrer und sogar die offizielle Webseite von Northwest Territories Transportation. Je näher ich Fort Simpson komme, desto unruhiger werde ich. Sollte der Mackenzie tatsächlich gesperrt sein, erreiche ich nämlich nicht den Liard-Highway nach British Columbia. Dann würde mir ein 1200 Kilometer langer Umweg durch die Nachbarprovinz Alberta bevorstehen, um auf den Alaska-Highway zu kommen. Die wichtigste Überlebensregel hier oben lerne ich deshalb zwangsläufig: Tanke, sobald du eine Tankstelle siehst. Auch wenn es gerade nicht nötig ist.

In Enterprise flimmert über eine digitale Hinweistafel: "Fort-Simpson-Fähre in Betrieb". Erleichtert und voll getankt fahre ich auf einem staubigen Gemisch aus Asphalt, Sand und Schotter weiter. Drei Stunden später an einer Baustelle im Nirgendwo erreicht mich die Hiobsbotschaft: Fährbetrieb eingestellt, wegen technischer Probleme.

Umkehren geht nicht mehr, die Tankstelle in Enterprise liegt inzwischen außer Reichweite. Die einzige andere ist in Fort Simpson auf der anderen Seite des Liard River. Was tun? "Fahre bis zur Anlegestelle und campiere da", sagt ein Arbeiter und grinst: "Kann sich nur um ein paar Tage handeln." Ein Autofahrer, den ich etwas später anhalte, kommt von dort zurück. "Die warten jetzt auf ein Ersatzteil. Aber wann das eingeflogen wird, weiß keiner."

Verkehrshindernis Büffel

Ich beschließe, meinem Glück zu vertrauen, und fahre weiter. So also lerne ich Raymond Michaud und seinen Campingplatz eine Autostunde vor der Fähre kennen. In meine Träume von Elchen mischt sich in dieser Nacht der Lärm vorbeidonnernder Trucks. Am nächsten Morgen klopft Raymond gegen meinen Camper. Sie hätten die Fähre in der Nacht repariert.

Die Sache mit der Fähre wird so etwas wie meine Initiation. Ich werde gelassener und genieße. Auf dem knapp 400 Kilometer langen Liard Highway, der einzigen Verbindung zwischen den Northwest Territories und British Columbia, begegne ich Schwarzbären, Hochwild und sogar einem Luchs. Den Blick auf die schneebedeckte Ragged Range des Nahanni National Park Reserve habe ich für mich ganz allein - auch hier ist Gegenverkehr Fehlanzeige.

Nach insgesamt zehn Tagen biege ich bei Fort Nelson auf den Alaska-Highway ab. Der tadellose Asphalt ist eine Erholung, doch an den Gegenverkehr muss ich mich erst wieder gewöhnen. Dazu spult die legendäre Fernstraße ihre Highlights so routiniert ab, dass ich mich schon bald wieder nach etwas Unvorhergesehenem sehne.

Dass ich noch immer in der Wildnis bin, daran werde ich abends im Restaurant gegenüber der Liard Hot Springs erinnert. Schon wieder Büffel. Dieses Mal wandert eine ganze Herde über den Alaska-Highway. Erst nach Einbruch der Dunkelheit ist die Straße frei, und ich kann zurück zu meinem Camper gelangen.

Northwest Territories in Kanada

Vermieter von Truckcampern
Fraserway RV
In Deutschland kann der Truckcamper bei Canusa und ADAC Reisen, ab 2014 auch bei SK Touristik und TourConsult gemietet werden.

Anreise
Von Deutschland mit Air Canada oder Lufthansa nach Edmonton und weiter nach Yellowknife.

Information
Spectacular Northwest Territories: zur Website

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insgesamt 15 Beiträge
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    Seite 1    
1. Ein ganz besonderes Erlebnis
Delfinder 05.09.2013
ist der Norden Kanadas. Bin den Alaska Highway von Whitehorse bis Edmonton gefahren. War wunderschön. Aber auch die Strecke von Vancouver über den Cashier Highway ist sehr empfehlenswert. Wer mehr erfahren möchte, kann auf meiner Webseite www.delfinder.ca mehr erfahren.
2. jetzt..
Blackzxr 05.09.2013
bräuchte man nur noch soviel Zeit /Urlaub und die Kohle dafür.....
3. Na gut
mhpur 05.09.2013
auf den Highways herumfahren ist schon imposant genug. Die Strecke von Whitehorse nach Dawson City führt bei gutem Wetter durch eine der schönsten Gegenden, die ich je gesehen habe. Sie hat mich dazu inspiriert, den Yukon von Whitehorse nach Dawson mit dem Kanu zu befahren. Erst da, fern von Doppelbett und Einflüssen der Zivilisation, lernt man dieses Land und die Wildnis richtig kennen. Später bin ich dann auch mit dem Kanu den Big Salmon River hinuntergefahren. Der Nordwesten Kanadas ist aber nichts für Weicheier, Warmduscher und Strandlieger. Nix Supermarkt, Wasser kommt aus dem Fluß, wer warmes Essen will, muß vorher Holz für das Feuer suchen, Klo besteht aus einem Spaten, riesiege Mücken, und die Bären und Wölfe laufen dort nicht in vergitterten Käfigen herum. Ich bin übrigens urkundlich ausgewiesener Yukoner ehrenhalber.
4. Nun...
Layer_8 05.09.2013
Zitat von Blackzxrbräuchte man nur noch soviel Zeit /Urlaub und die Kohle dafür.....
...ich denke nicht, dass sowas ein preislicher Luxusurlaub ist. Muss man ja auch nicht jedes Jahr machen und wer nach Thailand fliegen kann, kann auch mal nach Kanada fliegen. Da kann so ein Mietauto auch im Preis enthalten sein. Und dann Selbstverpflegung ohne Room Service. 12 Stunden Flug und schon kanns losgehen.
5.
thanks-top-info 05.09.2013
wer läger bleibt kauft sich einen alten Lieferwagen, wirft eine Matratze hinten rein und fährt los. Selbst Al's Ausländer hatte ich 1993 in den USA eine Versicherung ergattert, etwas teurer, aber bin dann auch ohne weiter. Motorräder machen unversichert noch weniger Schaden, auch das hatte ich drei Monate auf einer 77 Goldwing (1100$) probiert. Alles kein Problem in Ländern, in denen es viel Platz gibt
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Fläche: 9.984.670 km²

Bevölkerung: 35,540 Mio.

Hauptstadt: Ottawa

Staatsoberhaupt: Königin Elizabeth II., vertreten durch Generalgouverneur David Lloyd Johnston

Regierungschef: Justin Trudeau

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Reiseziel Kanada
Beste Reisezeit
Hauptsaison ist von Mitte Juni bis Mitte September. Im Frühling und Herbst sind weniger Touristen unterwegs und die Preise günstiger. Wer in den hohen Norden reisen will, sollte das am besten im Sommer tun, für Wintersportler empfehlen sich Reisen im Dezember oder Januar.
Einreiseinfos und Zeitzonen
Reisende aus Deutschland benötigen kein Visum für die Einreise, wenn sie weniger als drei Monate bleiben wollen. Kanada erstreckt sich über insgesamt sechs Zeitzonen, von der Newfoundland Standard Time (minus 4,5 Stunden im Vergleich zur mitteleuropäischen Zeit) bis zur Pacific Standard Time (minus neun Stunden).
Highlights
Sehenswerte Städte sind Vancouver mit seiner perfekten Lage zwischen Meer und Bergen, Québec mit seinem künstlerischen Flair und das entspannte Montreal. Die meisten Touristen kommen jedoch auch, um die Naturwunder zu erleben: die endlose Prärie im Landesinnern, die Rocky Mountains mit den Nationalparks Banff und Jasper, die arktischen Regionen mit ihren Pionierorten oder Vancouver Island mit seinen Walen und Delfinen.

Festivals und Veranstaltungen
Jedes Jahr im Februar lockt das Yukon Quest die besten Hundeschlittenfahrer der Welt an - 1600 Kilomter sind bei dem Rennen zu bewältigen. Im 1. Juli wird landesweit der Kanada Day mit Feuerwerk und Partys gefeiert, im gleichen Monat steht mit der Calgary Stampede ein riesiges Rodeo-Spektakel auf dem Programm. Mehrere große Musikfestivals lohnen im Sommer einen Besuch: das Vancouver International Jazz Festival, das Edmonton Folk Festival und das Montreal Jazz Fest.
Reiseinfos
Einen guten Überblick bietet die Internetseite der Kanadischen Tourismus-Kommission www.canada.travel, Informationen über einzelne Provinzen gibt es auf www.helloBC.com (British Columbia), www.travelalberta.com (Alberta), www.touryukon.com (Yukon) und www.bonjourquebec.com (Québec).
Anreise und Transport
Flüge aus Deutschland bieten folgende Airlines an: Lufthansa, Air Berlin, Air France, British Airways, Air Transat, Air Canada, Condor, Icelandair, KLM, Swiss. Für Inlandsflüge ist Air Canada der größte Anbieter.
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