Kanadas Eisangler: Saufen und fischen

Von Knut Diers

Eine beheizte Holzhütte auf dem See, eine Angel und ein paar Drinks: Die Eisfischer in Ontario lassen es sich gutgehen, während sie darauf warten, dass die nächste Seeforelle anbeißt. Für manche ist der Sport allerdings nur ein Alibi, um sich zünftig zu besaufen.

Ontario: Fischen auf dem Eissee Fotos
Ontario Tourism

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Warm eingepackte Angler sitzen stundenlang frierend an einem mühsam aufgehackten Eisloch, bekämpfen Kälte und Langeweile mit Whisky und stieren stumm in ein rundes, dunkles Loch. So stellt sich manch einer den typischen kanadischen Eisfischer vor.

Auf einem See in Ontario liegt man mit diesem Vorurteil völlig daneben, hier wird im Luxus einer warmen Hütte gefischt. Da es mitten auf dem zugefrorenen See meist kräftig weht, die Temperatur oft bei minus 20 Grad Celsius liegt und die besten Fische weit weg vom Ufer zu fangen sind, ist so eine mobile Hütte der perfekte Ort zum Eisfischen.

Derek Healey vermietet die grünen Holzkästen mit Fenster und stellt sie dorthin, wo der Angler sein Loch bohrt. Der 42-Jährige betreibt sein Geschäft am Highway 11 bei Sundridge, rund drei Autostunden nördlich von Toronto in Kanada. In seinem "Lake Bernard Outfitters" erhält der Winterangler alles, was sein Herz erfreut und vor allem das der Fische unter dem Eis - lebende Würmer. Vorher allerdings jault der Eisbohrer auf. Früher war allein das Schneiden des Loches ins dicke Eis ein schweißtreibender Job für mehrere starke Männer, denn die große, blaue Stahlspirale musste per Handkurbel ins Eis gedreht werden.

"Wir haben heute diese motorbetriebenen Eisbohrer", sagt Derek und setzt die Spitze eines Geräts mit dem Namen "Eskimo" in den Schnee. Der Motor läuft schon, und bald quält er die große Schraube in das rund 60 Zentimeter dicke Eis darunter. Es dauert kaum mehr als eine Minute, dann sieht man Wasser.

"Da unten warten die Seeforellen", sagt er fröhlich. Das ist etwas übertrieben, denn das Motorgeräusch hat sie verschreckt. Bevor sie in der dunklen Tiefe wohl eher aus Versehen anbeißen, werden noch einige Stunden vergehen.

Hütten-Hopping im Motorschlitten

"Die Unruhigen mieten drei Hütten und fahren alle zehn Minuten von einer zur anderen, um nachzusehen, ob da ein Dorsch oder ein Felchen zappelt." Der See ist so groß, dass die Angler mit ihren Geländewagen oder in den schnellen Motorschlitten von Hütte zu Hütte fahren. Rund hundert Holzboxen stehen auf dem rund sieben Kilometer langen See Bernard, bis das Eis schmilzt.

Das ist im April so weit, dann ist die Saison zu Ende. Derek muss dann Tag und Nacht arbeiten, um die vielen Hütten vor dem Untergang zu retten. "Jede hat eine Nummer, ich muss Strafe zahlen, wenn eine versinkt", erzählt er vom Bemühen, die Umwelt zu schonen. "Eisfischen läuft vom 1. Januar bis Ende März", sagt Derek, der es sich jetzt in seiner Hütte gemütlich gemacht hat. Von innen ist sie mit Aluminium ausgekleidet, zwei Holzstühle stehen vor den beiden großen Eislöchern. Hier lässt es sich stundenlang aushalten - zumal Derek den Gaskocher in Betrieb hat. Die blaue Flamme züngelt.

Im etwa zehn Kubikmeter großen Innenraum ist es über 25 Grad warm. Die dicken Jacken treiben einem den Schweiß auf die Stirn. Im Cupholder neben dem Sitz steckt ein Kaffeebecher, doch es lassen sich dort auch andere Getränke parken. "Für viele ist das Eisfischen in den Hütten nur ein Alibi", sagt einer der Angler aus der Nachbarhütte.

Alkohol und Angelrute

Hier draußen in der freien Seenlandschaft einen kräftigen Schluck Alkohol zu nehmen, hat Tradition. "Da drüben war gestern Junggesellenabschied mit Pizza und Bier", erzählt Derek. Lange war ein Saufabend auf dem Eis Männersache, doch auch "immer mehr Frauen kommen zum Angeln". Auch sie entdecken offenbar die wärmende Zweisamkeit in den Hütten auf dem Eissee. Sie quatschten stundenlang und seien oft enttäuscht, wenn sich dann plötzlich die Angelrute nach unten biegt, meint er. Andere kochen mitgebrachte Menüs auf oder singen zu Musik.

Die jungen Männer drüben johlen. Zwei Freunde sind auf ihren Motorschlitten herangerast. Bis zu 150 km/h schnell sind diese Gefährte, Führerschein und Helm sind Pflicht. Auch die 0,8-Promille-Grenze gilt für die Mobile auf Kufen und Kette. "Sonst hätten wir damit viele Unfälle", sagt Derek.

Tatsächlich lässt sich auf den großen, vereisten Seen öfter die Polizei blicken. Oft hat sie Schneemobilfahrer im Visier auf dem sieben Kilometer langen Lake Bernard. Angeblich ist es der weltgrößte Süßwassersee ohne Insel. Doch das klingt eher nach einer Eintragung im Buch des Anglerlateins.

Derek hat inzwischen einen Fisch an Land gezogen, eine 80 Zentimeter lange Forelle. "Die werfe ich wieder rein", sagt er. Man darf nur zum eigenen Bedarf fischen - mehr als zwei am Tag könnten er und seine Familie nicht verzehren. Dies war der dritte heute. Nach dem obligatorischen Foto mit Fisch widmet er sich wieder seinen wärmenden Getränken, einem Buch und der Wipp-Konstruktion. An ihr verläuft ein Band in die Tiefe. Beißt ein Fisch den Köder an, fängt die Holzwippe an zu kippeln. "Dann ziehe ich dran und habe ihn", sagt Derek. Doch im Moment ist alles ruhig.

Nur wenige Fischer sind da an diesem Sonntagvormittag. "Viele sind erst in der Kirche." Dereks Nachbar lacht nur und meint: "Wie Jesus übers Wasser gehen, das können sie hier doch auch."

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insgesamt 15 Beiträge
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1.
fjodor_f._fjodor 22.03.2013
Seit wann leben Dorsche im Süßwasser??? Der Autor war wohl auch eher am Trinken als am Angeln interessiert...
2. Na...
gulo-gulo 22.03.2013
das Fotomodell (der Zander) musste wohl mehrmals herhalten. ;-)
3.
citizengun 22.03.2013
Ich komme immer mehr zu der Erkenntnis im falschen Land zu leben.
4. Schönes Land
Olli68 22.03.2013
Ich habe als kleiner Junge ein Jahr in Kanada gelebt. Die Kanadier sind das entspannteste Völkchen. Kein Wunder - leben sie doch in einem der schönsten, größten und reichsten Länder der Welt. Fast alles Superlative. Trotzdem ist BILD 6 ein Fake: da hängt ein toter Fisch an der Angel.
5. optional
gregor69 22.03.2013
Hoert sich nach einem tollen Tag an,waere ich auch gerne mal!!Super!Gut geschriebener Artikel!Danke!
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Reiseziel Kanada
Beste Reisezeit
Hauptsaison ist von Mitte Juni bis Mitte September. Im Frühling und Herbst sind weniger Touristen unterwegs und die Preise günstiger. Wer in den hohen Norden reisen will, sollte das am besten im Sommer tun, für Wintersportler empfehlen sich Reisen im Dezember oder Januar.
Einreiseinfos und Zeitzonen
Reisende aus Deutschland benötigen kein Visum für die Einreise, wenn sie weniger als drei Monate bleiben wollen. Kanada erstreckt sich über insgesamt sechs Zeitzonen, von der Newfoundland Standard Time (minus 4,5 Stunden im Vergleich zur mitteleuropäischen Zeit) bis zur Pacific Standard Time (minus neun Stunden).
Highlights
Sehenswerte Städte sind Vancouver mit seiner perfekten Lage zwischen Meer und Bergen, Québec mit seinem künstlerischen Flair und das entspannte Montreal. Die meisten Touristen kommen jedoch auch, um die Naturwunder zu erleben: die endlose Prärie im Landesinnern, die Rocky Mountains mit den Nationalparks Banff und Jasper, die arktischen Regionen mit ihren Pionierorten oder Vancouver Island mit seinen Walen und Delfinen.

Festivals und Veranstaltungen
Jedes Jahr im Februar lockt das Yukon Quest die besten Hundeschlittenfahrer der Welt an - 1600 Kilomter sind bei dem Rennen zu bewältigen. Im 1. Juli wird landesweit der Kanada Day mit Feuerwerk und Partys gefeiert, im gleichen Monat steht mit der Calgary Stampede ein riesiges Rodeo-Spektakel auf dem Programm. Mehrere große Musikfestivals lohnen im Sommer einen Besuch: das Vancouver International Jazz Festival, das Edmonton Folk Festival und das Montreal Jazz Fest.
Reiseinfos
Einen guten Überblick bietet die Internetseite der Kanadischen Tourismus-Kommission www.canada.travel, Informationen über einzelne Provinzen gibt es auf www.helloBC.com (British Columbia), www.travelalberta.com (Alberta), www.touryukon.com (Yukon) und www.bonjourquebec.com (Québec).
Anreise und Transport
Flüge aus Deutschland bieten folgende Airlines an: Lufthansa, Air Berlin, Air France, British Airways, Air Transat, Air Canada, Condor, Icelandair, KLM, Swiss. Für Inlandsflüge ist Air Canada der größte Anbieter.

Fläche: 9.984.670 km²

Bevölkerung: 34,017 Mio.

Hauptstadt: Ottawa

Staatsoberhaupt: Königin Elizabeth II., vertreten durch Generalgouverneur David Lloyd Johnston

Regierungschef: Stephen Harper

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