Philippinische Insel Palawan "Wie ein Bad im Postkartenmotiv"

Smaragdgrünes Wasser, schneeweiße Traumstrände: Palawan gilt als eine der schönsten und ursprünglichsten Inseln der Philippinen.

David Hettich / Philippine Department of Tourism / TMN

"Willkommen im Paradies", sagt der philippinische Bootsmann José und wirft seinen Anker ins smaragdgrüne Wasser der Big Lagoon. Schlingpflanzen und kleine Bäume überwuchern die Lagune auf Miniloc Island vor der philippinischen Insel Palawan. Kalksteinfelsen ragen an beiden Seiten der Bucht, die sich weit ins Innere der Insel zieht, steil in die Höhe.

"Springt rein. Erfrischt euch. Wir bereiten unterdessen das Essen vor", sagt Sean, der an Bord so etwas wie das Mädchen für alles ist. Das lassen sich Andrés und Patricia López nicht zweimal sagen. Das Klima ist tropisch-schwül und eine Abkühlung mehr als willkommen. Mit Schnorchel und Tauchermaske lassen sich die beiden Spanier von der Bangka, dem typisch philippinischen Fischerboot, ins Wasser gleiten.

"Es ist wie ein Bad im perfekten Postkartenmotiv", sagt Andrés López und steckt seinen Kopf unter Wasser. Einige Minuten später taucht er aufgeregt wieder auf. "Hier sind ganz viele Stachelrochen", ruft er. Nun springen auch die anderen Ausflugsgäste ins Wasser, was die Rochen sofort verscheucht.

Das Schnorcheln in der Lagune lohnt sich trotzdem. Die Landschaft könnte als Kulisse für ein James-Bond-Abenteuer dienen. Exotisch-bunte Vögel sorgen für eine paradiesische Hintergrund-Akustik.

Palawan für viele ganz oben auf der Liste

"Essen ist fertig. Alle wieder an Bord", ruft Sean, der mit seinem Gehilfen Ethan zwei riesige Fische aus dem Wasser gezogen und gegrillt hat. Dazu serviert er Reis, frische Tomaten und Zwiebelringe - zum Nachtisch gibt es tropische Früchte.

"Wir haben Glück, dass wir später als die anderen Boote losgefahren sind", sagt Andrés López. "Sonst hätten wir uns die Lagune mit Dutzenden Ausflugsbooten teilen müssen." Der Spanier aus Córdoba ist Ingenieur und arbeitet zwei Jahre lang in der Zweigstelle seiner Firma in Tokio. Von Japan aus versuchen er und seine Frau so oft wie möglich Asien zu bereisen. "Palawan stand bei uns ganz oben auf der Liste", sagen sie.

Bis vor wenigen Jahren galt vor allem der Ort El Nido mit seiner traumhaften Insellandschaft noch als Geheimtipp für Backpacker. Doch mittlerweile hat sich der Ort international einen Namen gemacht. Immer mehr Ausflugsanbieter gibt es - fast alle bieten die gleichen Insel-Hopping-Touren an.

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José schmeißt wieder den Außenbordmotor an und nimmt Kurs auf die nächste Insel: Matinloc Island. Er steuert die Secret Lagoon an - die versteckte oder geheime Lagune. Doch die Ankunft ist mehr als ernüchternd. Wer nicht gerade zur Nebensaison kommt, merkt schnell, dass hier nichts "secret" ist.

Eine Bangka ankert neben der anderen. Touristen dümpeln im Wasser und machen Selfies. Durch eine kleine Felsspalte kommt man in eine Lagune. Auch sie ist vollkommen überfüllt. An ein schnelles Entkommen ist aber nicht zu denken. Es passt nur jeweils eine Person durch die enge Stelle.

Der Strand mit den hohen Palmen ist dennoch ein Traum. Die Secret Lagoon soll Alex Garland zu seinem Buch "Der Strand" inspiriert haben, auch wenn die Buchverfilmung "The Beach" mit Hollywood-Star Leonardo Di Caprio später in Thailand gedreht wurde.

El Nido längst kein Backpackerparadies mehr

Nach einem kurzen Aufenthalt geht es schon wieder weiter zum Seven Commandos Beach. Der Strand befindet sich auf keiner Insel, sondern auf der Rückseite des riesigen Karstfelsen von El Nido. Mit dem Kajak kann man ihn in zehn Minuten auch allein vom Corong-Corong-Strand erreichen: einen schneeweißer Bilderbuchstrand mit Palmen.

Wer keine Lust auf Insel-Hopping hat, nimmt sich in El Nido einfach eines der zahlreichen Motorradtaxis oder leiht sich selbst ein Moped und fährt zu den langen Sandstränden von Las Cabanas und Nacpan Beach. Der Strand von El Nido ist kein Highlight. Auch der Ort El Nido, was übersetzt das Nest heißt, wird seinem Namen nicht unbedingt gerecht. Längst ist es nicht mehr das idyllische Backpackerparadies von früher.

Weiter im Norden hingegen, wird es idyllischer. Vor allem Taucher nehmen im Hafen von El Nido gerne die Fähre, um auf die zu Palawan gehörende Inselgruppe Coron überzusetzen. Coron ist nur acht Stunden entfernt und erinnert an El Nido vor zehn Jahren: einfache Unterkünfte, kaum Handyempfang, dafür aber schöne Inseln mit Traumstränden. Unter Wasser locken größtenteils noch unberührte Korallenbänke und zehn japanische Schiffwracks aus dem Zweiten Weltkrieg.

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Palawan: Willkommen im Paradies

Und auch südlich von El Nido gibt es noch einige relativ unberührte Flecken: Von den Dörfern Port Barton und San Vicente aus können Urlauber oft ganz alleine die zahlreichen, vorgelagerten Inselchen erkunden. Häufig leben auf einer Insel nur ein oder zwei Fischerfamilien. Von der Hängematte unter der Palme aus beobachten sie, wie Touristen das Robinson-Crusoe-Feeling genießen.

Während Port Barton mit seinen Bungalows am Strand immer mehr Touristen anlockt, ist San Vicente noch ein echter Geheimtipp. Beim Essen auf dem Marktplatz sieht man vorwiegend Einheimische. Der Long Beach macht mit seinen fast fünf Kilometern seinem Namen alle Ehre.

Lange galt die Insel im äußersten Westen der Philippinen als letztes Paradies. Auch heute noch gehört Palawan zu den schönsten, wildesten und ursprünglichsten der mehr als 7600 Inseln des Landes. Doch lange wird das vermutlich nicht mehr so sein.

Manuel Meyer, dpa / kry

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insgesamt 5 Beiträge
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scepticsceptic 15.02.2018
1. Zugang
Leider erwaehnen Sie nicht wie schwierig es ist nach El Nido zu kommen. Wenn es sich nicht in den letzten Jahren geaendert hat muss man nach Puerto Princessa fliegen und dann eine 7stuendige Fahrt mit einem Jeep erleiden.
neue_perspektiven 15.02.2018
2. Sicherheit und Umwelt
Ja, die Inseln um Busuanga Island mit Coron könnten traumhaft sein und das gilt sicher auch für Palawan. Dass hier das allgegenwärtige Müllproblem der Philippinen im Ozean und an den Stränden ausgeblendet wird, wirkt auf mich merkwürdig. Doch dass sogar das Abraten des Auswärtigen Amtes von Palawan aufgrund der aktuellen Sicherheitslage (für den hier nicht explizit erwähnten Südteil gibt es sogar eine Reisewarnung) nicht erwähnen, ist mindestens grob fahrlässig.
mg68 16.02.2018
3. Ja sträflich...
...die Reisewarnung des AA oder die drastischere der Östereichischen Behörden wegzulassen! Auch auf Negros und im Meer davor war 2017 ein echtes Plastikmüllproblem klar sichtbar, ist leider überall dort leider so.
wilburger.ph 16.02.2018
4. Tropisches Inselparadies Palawan
Wenn man nicht gerade im Drogengeschäft oder sonstigen illegalen Aktivitäten tätig ist, hat man auf den Philippinen nichts zu befürchten. Seit mehr als 20 Jahren lebe und arbeite ich auf den Philippinen und bin noch nie mit irgendwelchen Bedrohungen konfrontiert worden. Die Philippinen sind nicht weniger sicher als z.B. die Zeil in Frankfurt oder die Kö in Düsseldorf. Trotz ständig negativer Schlagzeilen, die jedoch auf das normale Leben keinerlei Einfluss haben, ​ist dieses Land nach wie vor ein weitgehend unbekanntes tropisches Inselparadies der Extraklasse. Mehr darüber auf der Website pacific-travel.org
giwi21 16.02.2018
5. Ich war
vor 35 Jahren auf dieser traumhaften Insel. Und so wie sie damals war möchte ich sie in der Erinnerung behalten.
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