Panama: Keine Bananen mehr auf Bocas del Toro

"Bananen?", fragt John in einer Tauchschule in Bocas del Toro, "Bananen bekommst du hier nirgendwo. Viel zu teuer." Im äußersten Nordwesten Panamas brachten einst Plantagen den Wohlstand. Heute warten die Einheimischen auf Touristen.

Durchschnittstemperatur von 27 Grad Celsius. Beste Reisezeit ist von Mitte Dezember bis Mitte März
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Bocas del Toro - Auch auf der Isla Colon, der Hauptinsel des Bocas del Toro-Archipels im äußersten Nordwesten Panamas, sorgten einst Bananen für Wohlstand. Doch vor rund einem halben Jahrhundert ließ ein Virus die Pflanzen sterben. Mit den Plantagen verschwanden auch die Plantagenbesitzer und ihr Geld - meist zurück in die USA.

Während der stundenlangen Fahrt durch scheinbar endlose Bananenpflanzungen auf dem Festland im Norden Panamas ist zwar auch heute noch überall zu sehen, woher der Begriff "Bananenrepublik" stammt, doch dort werden die krummen Früchte ausschließlich für den Export nach Übersee angebaut. Vergeblich sucht man in den Läden oder auf den Märkten der Region nach ihnen.

Die Provinzhauptstadt Bocas, das sind heute eine Hauptstraße, ein paar davon abzweigende Schotterwege und der zentrale Platz vor dem Rathaus. Selbst zu Fuß ist der Ort schnell zu erkunden. Halb zerfallen die einen, nur noch vom Anstrich in karibischem Türkis, Rosa oder Hellblau zusammengehalten die anderen, säumen nach wie vor alte Holzhäuser mit Veranden und Balkonen die Straßen des Ortes und rufen Erinnerungen an die Südstaaten der USA hervor - ein Teil des Erbes, das die Bananenkonzerne hier hinterließen.

Bananen gibt es nicht mehr, überall aber die Erinnerung daran
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Bananen gibt es nicht mehr, überall aber die Erinnerung daran

Das Tempo der Einheimischen, überwiegend Nachfahren von Einwanderern aus Jamaika und anderen Karibik-Inseln, ist so gemächlich und lässig wie ihre eigene Sprache, Guaymi genannt, die sich bis heute neben dem Englischen gehalten hat. Spanisch spricht hier, anders als im übrigen Panama, niemand.

Der berühmte Panama-Hut allerdings hat auch auf diesen Inseln, die weit mehr als nur ein paar Kilometer von der Küste Mittelamerikas entfernt zu liegen scheinen, seine Liebhaber: Unter der Krempe ihrer Strohhüte und im Schatten der Veranden beobachten die Alten beinahe regungslos, wie sich das Gesicht von Bocas del Toro langsam verändert. Der Fortschritt brauchte lange, um die über Jahrzehnte vergessene Gegend zu erreichen. Im Gefolge der wachsenden Urlauberzahlen naht er jetzt jedoch immer schneller.

Karibische Gewitterstimmung
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Karibische Gewitterstimmung

Wer unter den insgesamt knapp 10.000 Einheimischen des gesamten Archipels derzeit ein paar Dollars übrig hat, der malt, sägt oder hämmert: Bocas del Toro bereitet sich auf seine Besucher vor, die für ähnlichen Wohlstand sorgen sollen wie einst die Bananen. Wo früher die großen Dampfer anlegten, landen heute die Wassertaxis, die nicht nur für die Einheimischen, sondern auch für die meisten Touristen das wichtigste Transportmittel auf dem Weg vom Festland und zwischen den verschiedenen Inseln sind.

Zwar wurde in Bocas vor einigen Jahren ein Flughafen gebaut, der auch regelmäßig von kleinen Maschinen aus der Hauptstadt Panama-City und aus dem benachbarten Costa Rica angesteuert wird. Doch das Flugzeug nutzen höchstens Geschäftsleute oder die noch kleine Zahl nordamerikanischer Pauschalurlauber. Der größte Teil der Besucher ist schwer beladen mit großen Rucksäcken und übernachtet in einfachen Gästehäusern mit Gemeinschaftsbad und -küche.

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