Panamericana Abruptes Ende am Dschungelloch

Die Panamericana ist eine gewaltige Herausforderung. Mit dieser Route von Alaska bis Feuerland verbinden sich Träume und Sehnsüchte. Die Strecke birgt aber so manche unangenehme Überraschung. Im Grenzgebiet zwischen Panama und Kolumbien etwa endet sie auf einmal im Nichts.


Die "Traumstraße der Welt" ist mit all ihren Verästelungen etwa 30.000 Kilometer lang. Manche Globetrotter verbringen ein ganzes Jahr auf der Panamericana, andere noch viel länger. Mit Autos, Motorrädern oder mit dem Fahrrad sind sie unterwegs, um den amerikanischen Kontinent einmal ganz von Nord nach Süd oder umgekehrt zu durchqueren. Im Darien-Nationalpark aber endet die Route in Morast und Dickicht. Auf gut 100 Kilometern existiert die Panamericana hier nicht einmal als Sandpiste.

Der Atitlan-See in Guatemala wurde in den vierziger Jahren durch eine Stichstraße von der Panamericana erschlossen
GMS

Der Atitlan-See in Guatemala wurde in den vierziger Jahren durch eine Stichstraße von der Panamericana erschlossen

Weil auf einigen Landkarten die "Traumstraße" auch zwischen Panama und Kolumbien zumindest als dünnere Linie existiert, sorgen manche Besucherfragen in Reisebüros und Botschaften in Panama-Stadt immer wieder für Staunen.

Es sei kaum zu fassen, "mit welchen Vorstellungen mancher Reisende zu uns kommt", kommentierten Mitarbeiter der Deutschen Botschaft Ahnungslosigkeit und Leichtsinn der Touristen. Im Übergang von Mittel- zu Südamerika grassieren Malaria und Cholera. Es gibt nichts als dünne Wasserstraßen und Trampelpfade für indianische Ureinwohner, aber auch für Wegelagerer und die Drogenmafia.

Auch wenn ein paar Abenteurer die Durchquerung der Darien-Lücke mit Rucksack und Kanupassagen geschafft haben, wird davor eindringlich gewarnt. 1997 wurden Deutsche und Österreicher dort auf kolumbianischem Gebiet entführt und zwei von ihnen ermordet.

Die meisten Reisenden steigen in Panama-Stadt aufs Schiff um
GMS

Die meisten Reisenden steigen in Panama-Stadt aufs Schiff um

Die Panamaricana besteht streckenweise aus mehrspurigen Autobahnen wie zum Beispiel in Kalifornien, aber auch aus Holperstrecken oder kleinen Stichstraßen zu Städten und Attraktionen unweit der Traumstraße.

So hat zum Beispiel eine Verbindungsroute durch das Hochland Guatemalas Anfang der vierziger Jahre den Atitlan-See überhaupt erst auf die touristische Landkarte gebracht. Der See ist umgeben von Maya-Dörfern, bunten Märkten und hohen Vulkanen. In und um die Kleinstadt Panajachel leben schon über tausend "Gringos", darunter auch Künstler, Geschäftsleute und Aussteiger aus Deutschland.

Für viele Globetrotter ist das Befahren der Panamericana der Traum schlechthin: Einmal quer durch die USA und dann durch Mexiko und Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua und Costa Rica mindestens bis Panama. Mancher verfrachtet dort sein Zweirad ins Flugzeug. Schwere Motorräder und Autos treten die Reise nach Südamerika meist auf dem Seeweg an.

Weil das Auswärtige Amt auch vor individuellen Reisen nach Kolumbien warnt, weichen viele Touristen nach Venezuela aus. Doch auch weiter südlich ist die Panamericana nicht ohne Gefahren: Auto- und Buswracks sowie Holzkreuze sind Zeugnisse von Unglück und Tod in der Atacama Wüste im Norden Chiles.

Die Idee, Amerika vom Nord- bis zum Südzipfel mit einer durchgehenden Straße zu verbinden, ist fast 80 Jahre alt. 1925 unterschrieben 17 amerikanische Staaten in Buenos Aires einen Vertrag zum Bau des Mammutprojektes. Die Strecke entstand nach und nach, Anfang und Ende in Alaska und im argentinischen Feuerland sind bis heute nicht geteert. Diese Orte der Gletscher und des Eises haben außer Pinguinen und Eisbären allerdings auch nur sehr wenige Besucher.

Die Panamericana wird wohl eine unvollendete Schönheit bleiben: In großen Abständen gibt es zwar Meldungen, die Darien-Lücke solle mit einer neuen Straße geschlossen werden, um die längste Strecke der Welt zu komplettieren. Doch immer wieder fehlen die Gelder und der Wille. Der Handel zwischen Panama und Kolumbien hat sich auf die Schifffahrt eingestellt, und viele Länder Mittel- und Nordamerikas sehen das "Dschungelloch" als natürliche Schutzzone vor allem gegen die Maul- und Klauenseuche.

Traumstraße Panamericana

Traumstraße Panamericana

Auch Umweltschützer haben kein Interesse an einer Straße: Der Nationalpark beherbergt viele vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Wegen seiner teils unerforschten Tier- und Pflanzenwelt hat die Unesco den Darien-Nationalpark zum Weltkulturerbe erklärt.

Die Straßenverbindung in Panama wird also weiterhin in der Ortschaft Yaviza am Rio Chico enden, wenn auch voraussichtlich ab Ende 2003 nicht mehr als Sand- und Schotterpiste. Denn in Panama wird die Route kräftig asphaltiert.



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