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Pannen am Pekinger Flughafen: Nadelöhr mit Nervgarantie

Von , Peking

Massive Verspätungen, lange Wartezeiten: Mit schneller Abfertigung dürfen Flugreisende in China nicht rechnen. Besonders übel ist die Situation am Pekinger Airport. Der nagelneue Terminal 3 ist zwar edel gestaltet, stellt die Geduld der Passagiere aber auf eine harte Probe.

Peking: Flughafen mit  Effizienzproblem Fotos
DPA

Pünktlich um 17.10 Uhr landet die Maschine der Dragonair aus Hongkong in Peking, knapp drei Stunden Flug liegen hinter den Passagieren. Alles ist glattgegangen - aber jetzt beginnt die Mühsal.

Denn ans Ankommen ist noch lange nicht zu denken. Von der Landebahn rollt und rollt der Airbus eine kleine Ewigkeit, bis er am neuen Terminal 3 andocken kann. Schließlich quetschen sich die Fluggäste über eine schmale Rolltreppe in das Gebäude, das kostet bei über 200 Menschen Zeit, einen normalen Aufstieg gibt es nicht.

Und gemächlich geht es weiter: Bei der Passkontrolle bilden sich lange Schlangen, die Polizisten prüfen gemächlich, am "Sonderschalter" nebenan sitzt ein Beamter untätig herum und langweilt sich offenbar.

Zum Gepäckband geht es dann mit der Flughafenbahn. "Leider verspätet", verkündet jedoch der Lautsprecher. Der Zug fährt nicht ab, bis die Waggons vollständig gefüllt sind. Ein Trost: Die Koffer sind schon da. Vor dem Taxistand schließlich warten die Leute wieder in langen Schlangen: 70 Minuten sind vergangen, bis der Passagier aus Hongkong endlich den Flughafen verlassen kann.

Willkommen an Pekings neuem Terminal 3. Der Bau ist licht und modern, der britische Stararchitekt Norman Foster hat ihn zu den Olympischen Spielen 2008 entworfen. Mittlerweile aber stellt sich die Frage: Was hilft ein schönes und teures Gebäude, wenn das Innenleben nicht stimmt?

Kaum ein Flugzeug startet pünktlich

Schwieriger noch als die Ankunft ist das Abfliegen: Vor den Check-in-Schaltern schlängeln sich die Reihen der Passagiere wie einst in den beiden alten Terminals. Das Personal ist knapp und oft unfreundlich.

Kaum ein Flugzeug verlässt Chinas Hauptstadt pünktlich, bis zum Start müssen die Maschinen oft endlos warten. "Es hat drei Stunden gedauert, bis mein Flugzeug nach Hangzhou endlich abhob", berichtet ein deutscher Geschäftsmann. "Erst haben wir auf der einen Seite der Startbahn gestanden, dann haben wir die Position auf die andere Seite gewechselt, dort ging das Warten weiter."

Das ist kein Wunder. Auf den drei Rollbahnen des Pekinger Flughafens landeten und starteten 2009 insgesamt 488.495 Flugzeuge, so viele wie auf keinem anderen Flughafen Asiens. Aber auch auf den kleineren Airports in China häufen sich die Verspätungen.

Fast die Hälfte der Dragonair-Flugzeuge ist mittlerweile verspätet, berichtet die Hongkonger "South China Morning Post" über die Probleme der heimischen Fluglinie. Das Personal der Tochtergesellschaft der hoch angesehenen Cathay Pacific müsse immer häufiger wütende Passagiere besänftigen.

Gründe für die Unpünktlichkeit gibt es viele. Aus Sorge um die Sicherheit schließen Chinas Flugplätze bei schlechtem Wetter besonders schnell, heißt es in Hongkong. Außerdem kontrollieren nicht zivile Fluglotsen Chinas Luftraum, sondern die Militärs. Und die sperren die Korridore nach Belieben und geben keine Ersatzrouten frei.

Hinzu kommen höfische Angewohnheiten: Wenn auch nur ein drittrangiger Provinzfunktionär in einer Air-China-Maschine abhebt, müssen die anderen Flugzeuge schon mal mit Start und Landung aus Sicherheitsgründen eine Weile warten.

Ärger für die Lufthansa

Ausländische Fluggesellschaften werden nach Aussagen von Hongkonger Piloten beim Erteilen der Starterlaubnis systematisch benachteiligt. Und noch ein weiteres Phänomen der chinesischen Luftfahrt ist jüngst an die Öffentlichkeit gekommen: Korrupte Flughafen-Funktionäre lassen sich für günstige "slots", also für die Abflugzeiten, extra bezahlen. Dies erklärt womöglich auch, warum in Peking sogar vollbesetzte Jumbos auf eine entfernte Parkposition manövriert werden, obwohl viele Andockstationen am Flughafengebäude frei sind.

Die Lufthansa hat sich jüngst viel Ärger eingehandelt, weil sie großspurig angekündigt hatte, sie werde den neuen Airbus A380 mindestens dreimal in der Woche auf der Peking-Strecke einsetzen. Bislang fliegt der Supervogel nur einmal in der Woche von Frankfurt aus die chinesische Hauptstadt an.

Inzwischen scheint der Grund klar zu sein: Pekings neuer Terminal ist nicht in der Lage, so viele Passagiere auf einmal zu bewältigen. Funktionäre sprechen von "neuen Herausforderungen" und "neuen Versorgungssystemen", die benötigt werden. Und das, obwohl die Fluggesellschaft Emirates aus den Vereinigten Arabischen Emiraten schon seit Anfang August täglich mit einem A380 von Dubai nach Peking fliegt.

Denkbar ist deshalb auch eine andere Erklärung: Chinas Fluggesellschaften wollen sich für ihre eigenen Maschinen das lukrative Deutschland-Geschäft nicht verderben lassen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 56 Beiträge
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1. stimmt...
tatw 21.09.2010
kann ich nur bestaetigen, ich selbst wohne in Peking und benutze den Flughafen oft. Im Winter ist es ziemlich schlimm da der Flughafen ueber vllt. 5 Enteisungsmaschinen verfuegt. Mein Highlight war im Maerz fur einen flug nach Dalian brauchte ich statt 1 stunde ganze 13(!!). Peking ist (nach ATL oder CHI) der 2. busiest airport in der welt.
2. Gefangen im Zwischengeschoss
Joachim Koenen 21.09.2010
Eine kleine Anekdote hierzu: Mein Inlandsflug nach Peking hatte Verspätung, so dass der Check-In meiner Lufthansamaschine nach Frankfurt schon geschlossen war - das Gepäck konnte man nicht durchchecken und ich musste lange am Gepäckband warten. Man schickte mich - der Gepäckwagen dick bepackt - in das Lufthansabüro im Zwischengeschoss zwischen An- und Abflug. Dahin musste man einen der zwischen Arrival und Departure verkehrenden Großaufzüge benutzen. Lange Schlangen vor den Aufzügen. Im Lufthansabüro buchte ich einen Flug am nächsten Tag. Und dann war ich für eine halbe Stunde gefangen. Die Aufzüge, die im Zwischengeschoss anhielten ware voll, egal in welche Richtung sie fuhren. Ich drückte nach oben und nach unten an beiden Aufzügen aber keine Chance mit dem Gepäckwagen in den Aufzug zu kommen. Fatalismus machte sich breit - ich hab' ja Zeit bis Morgen. Endlich konnte ich mich reinquetschen und mir mein Hotelvoucher abholen.
3. Stimmt genau
Lilliane 21.09.2010
Der Artikel beschreibt exakt die Situation. Ich war da 2008, kurz nach der Eröffnung. Wir hatten 3 Stunden Verspätung aufgrund fehlender Landeerlaubnis und dann den Anschlußflug verpasst. Das Bodenpersonal sprach fast kein Englisch, die Erklärungen waren dürftig und das "Krisenmanagement" miserabel.
4. Kann ich so nicht bestaetigen
fareast 21.09.2010
Zitat von sysopMassive Verspätungen, lange Wartezeiten: Mit schneller Abfertigung dürfen Flugreisende in China nicht rechnen. Besonders übel ist die Situation am Pekinger Airport. Der nagelneue Terminal 3 ist zwar edel gestaltet, stellt die Geduld der Passagiere aber auf eine harte Probe. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,718439,00.html
Terminal 3 benutze ich regelmaessig, wenn ich von oder nach Shanghai fliege. Selbst freitags oder sonntags abends sind sowohl Warteschlangen als auch Gepaeckausgabe ok. Die Warteschlangen am Taxi sind ebenfalls im Rahmen dessen, was man erwarten kann. Wer lange Schlangen sehen moechte, soll mal freitag abends in Shanghai Hongqiao fuer ein Taxi anstehen, oder sich in Mumbai um seine Koffer bemuehen.
5. klar...
derlabbecker 21.09.2010
... mal wieder er übliche chniesische Protektionismus... wie bei allem. Für ausländische Fluggesellschaften alles so kompliziert machen dass die Leute Air China fliegen. Schon ein Wunder dass man für die Landerechte in China nicht gleich wieder ein Joint-Venture gründen musste mit 51% Mehrheit bei einer chinesischen Firma. Aber die Weltgemeinschaft lässt es sich halt gefallen, geiz ist geil, und die billigen Löhne sind das Schmerzensgeld. Und warum China auf die LH sauer ist wegen des AB 380 ist auch klar: Gesichtsverlust, weil man die vielen Leute aus einer 380 halt nicht abfertigen kann.
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