Peruanische Anden Zimmer mit Sauerstoffdusche

Ein Hotel in der alten Inkahauptstadt Cuzco reichert seine Gästezimmer mit zusätzlichem Sauerstoff an, um den Beschwerden der Höhenkrankheit vorzubeugen. Ein besonderer Service für wohlhabende Reisende.

Von Till Bartels


Innenhof mit uraltem Baumbestand, umgeben von schattigen Arkaden des Kreuzgangs
Orient-Express Hotels

Innenhof mit uraltem Baumbestand, umgeben von schattigen Arkaden des Kreuzgangs

Ein perfekter Innenhof mit uraltem Baum, Brunnen und Bänken. Umgeben von einem Kreuzgang mit schattigen Arkaden. Nur residieren in der von den Spaniern errichteten Klosteranlage keine Mönche, sondern wohlhabende Weltreisende. 1995 wurde das Gebäude an der Plazoleta Nazarenas in ein edles Hotel umfunktioniert.

Trotz der idyllischen Atmosphäre im Patio fühlen sich viele Gäste unwohl. Sie klagen über Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und Übelkeit. Das liegt nicht an der Fünf-Sterne-Unterkunft, sondern an der Lage. Kein Wunder, denn Cuzco erstreckt sich in einem fruchtbaren Becken der Anden, 3400 Meter über dem Meeresspiegel. Die Stadt mit ihren 290.000 Einwohnern ist Ausgangspunkt für die Besichtigung der wichtigsten archäologischen Stätten Südamerikas wie die präkolumbianische Festung Sacsayhuamán.

Noble Zimmer mit dem Luxus einer "Sauerstoffdusche"
Orient-Express Hotels

Noble Zimmer mit dem Luxus einer "Sauerstoffdusche"

Eine Schmalspurbahn befördert Passagiere von Cuzco durch das Urubamba-Tal in gut drei Stunden nach Aguas Calientes. Dort warten Busse zur serpentinenreichen Weiterfahrt nach Machu Picchu. Die spanischen Konquistadoren hatten die Inkastadt nicht gefunden, weil sie versteckt auf einem Bergsattel liegt. Erst 1911 wurden die Ruinen entdeckt.

Die meisten Touristen landen auf dem internationalen Flughafen in Lima in 200 Meter Höhe und fliegen am nächsten Tag weiter nach Cuzco, wo der Sauerstoffgehalt in der Luft um 30 Prozent reduziert ist. Der Körper hat so keine Möglichkeit, sich langsam zu akklimatisieren. Daher leidet ein Drittel aller Besucher unten den Symptomen der Höhenkrankheit. Sie verkriechen sich auch tagsüber in ihre Zimmer und hängen das international bekannte Schildchen an die Türklinge zum Gang: "Do not disturb", was in Cuzco so viel bedeutet wie "Ich bin höhenkrank!"

Lobby des Hotels Monasterio
Orient-Express Hotels

Lobby des Hotels Monasterio

Das Hotelpersonal im Monasterio, das zu den Orient-Express Hotels gehört, kannte diese Sorgen und hat Abhilfe geschaffen. Eine modifizierte Klimaanlage filtert Stickstoff aus der Zimmerluft, dadurch steigt der Sauerstoffanteil automatisch an und entspricht dem auf einer Höhe von 2400 Metern. Dieser technische Kunstgriff wird über Nacht in 50 der 121 Zimmer praktiziert und ist einmalig auf der Welt.

Die simple Therapie mit dezenter Sauerstoffdusche im Schlaf scheint erfolgreich zu sein. Früher half im Notfall nur die unangenehme Methode mit Maske und Sauerstoffflasche. Jetzt verlassen morgens die meisten Hotelgäste ohne Umstellungsprobleme ihr Quartier, gehen auf die geplante Besichtigungstour und drehen das Schildchen an der Zimmertür um: "Please make up this room".



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.