Aufräumaktion auf Phuket Bagger gegen Liegestühle

Keine Liegestühle mehr, kaum Sonnenschirme - die Strände von Phuket haben sich verändert. Jetzt sind auch die letzten Hütten und Bars verschwunden. Das thailändische Militär verfolgt damit einen Plan.

REUTERS

Von Jochen Müssig


Kurz kracht es - und der Catch Beach Club ist Vergangenheit. Am Abend zuvor wurde ein letztes Mal in der Kultbar am Surin-Strand Party gefeiert. Dann kam der Bagger und räumte auf. Bewaffnete Soldaten sind vor Ort, gut sichtbar, um etwaigen Protesten vorzubeugen.

Abgerissen wurden auch einfache Hütten für Sonnenschirm- und Liegestuhlverleih oder für Wassersportangebote, kleine Strandrestaurants und alles, was sich auch in zweiter Reihe in den letzten Jahren so angesiedelt hatte. Allesamt waren die Buden illegal erbaut - wie an den anderen thailändischen Stränden auch -, und allesamt waren sie der Militärregierung ein Dorn im Auge.

Surin Beach ist damit der letzte Strand auf Phuket, an dem die seit letzten Jahr geltende Zehn-Prozent-Regel durchgesetzt wurde: Sie besagt, dass nur noch ein Zehntel der Strandfläche mit Sonnenschirmen ausgestattet werden darf, und das nur in ausgewiesenen Zonen.

Thailands beliebteste Urlaubsinsel ist nun weitgehend Sonnenschirm- und absolut Liegestuhl-frei. Strandbesucher dürfen nur noch auf Matten oder Badetüchern liegen, die abends wieder weggeräumt werden können. Früher blieben die Liegestühle dagegen stets stehen und waren zum Teil sogar fest verankert.

2014, als es erste Ankündigungen solcher Säuberungsaktionen gab, glaubten viele an einen Scherz. Doch als am Laem Singh Beach Ende vergangenen Jahres mit den ersten Abrissarbeiten begonnen wurde, realisierten sie: Jetzt wird's ernst. Für die Besitzer, die um ihren Profit fürchteten, die Angestellten, die plötzlich ohne Job dastanden. Und für die Urlauber, die an den Buden eine Strandtasche kauften, einen Lunch zu sich nahmen, einen kühlen Drink schlürften oder eben Sonnenschirm und Liegestuhl mieteten.

Das Schirm-Matten-Paket

Strände sind in Thailand öffentlich und für jedermann zugänglich. "Wir wollen unseren Stränden die natürliche Schönheit zurückgeben", sagte Narong Pipattanasai, stellvertretender Generalsekretär des Nationalen Rats für Frieden und Ordnung (NCPO) der Militärregierung. Aber es gibt einen weiteren Grund für die Aktion: Kampf gegen die Korruption. Denn wer am Strand Geschäfte machen wollte, musste an die örtlichen Behörden zahlen - unter der Hand, versteht sich.

Das Militär hält, seit den Unruhen und dem Putsch 2014, die Balance im Land. Zwischen den sogenannten Gelbhemden, die königstreu sind, aus der gehobenen Mittelschicht stammen und von der Korruption genug haben. Und den Rothemden, den Anhängern von Shinawatra Thaksin, dem wegen Korruption verurteilten und ins Exil verbannten Millionär und ehemaligen Ministerpräsidenten. Die Roten sind überwiegend Vertreter der armen Bevölkerung.

Auf Phuket trifft der Kampf der Militärregierung gegen das Schmiergeldwesen auch die Touristen. Ihren Unmut bekommen die Hoteliers ab: "Unverschämtheit", "Ich komme nie wieder", "Soll ich denn da draußen verbrutzeln?", bekommen sie zu hören. Die Urlauber beklagen auch, dass sie am Strand keinen Drink oder Snack mehr bekommen. Nur in den Zehn-Prozent-Zonen bieten Händler ein Paket, bestehend aus einem Schirm und zwei Matten, für 200 Baht (etwa fünf Euro) pro Tag an.

Auch Hotels dürfen keine zusätzlichen Schirme und keine Liegen mehr am Strand aufstellen. "Gefragt wurden wir dazu nicht", sagt Frank Grassmann, der deutsche Hoteldirektor des neuen The Nai Harn im Süden der Insel. Er löst das Problem vorerst pragmatisch: "Wir geben unseren Gästen einfach Schirm und Matten mit zum Strand." Bislang gab es keine Schwierigkeiten.

Mobile Küchen am Strand

Am größten und wichtigsten Strand der Insel, am Patong Beach, und den weiteren Top-Spots wie Karon, Kata und Kamala Beach wird dagegen penibel darauf geachtet, dass die vorgeschriebenen Zonen eingehalten werden. Die Hotels dort geben keine Utensilien aus, nur vereinzelt sieht man ein paar Urlauber, die außerhalb der Zonen ihr mitgebrachtes Schirmchen aufstellen. Bis jetzt lässt man auch sie in Ruhe ihren Strandtag verbringen. Trotzdem: Die Liegen an den Hotelpools sind proppevoll, schon jetzt in der Nebensaison.

Nur am Pansea Beach stehen die Sonnenschirme wie eh und je, genauso wie die gepolsterten Strandliegen. "Unser Strand ist abgeschottet, kaum einsehbar und eigentlich wie ein Privatstrand", sagt Paul Linder, der Schweizer Hoteldirektor des Amanpuri. "Da kommen sowieso nur unsere Gäste hin." Das ist betuchte Kundschaft, Models, Schauspieler. Linder will abwarten und sehen, ob auch am Pansea Beach die neue Regelung eingefordert wird. Verleihstationen und Buden gab es dort ja nie.

Auch am zehn Kilometer langen Mai Khao Beach hat sich nichts geändert. "Unser Strand liegt im Nationalpark. Da hat es Sonnenschirme und Liegestühle immer nur im Hotelbereich gegeben", sagt Giles Selves, der General Manager der Anantara Villas. Am Strand verkaufen mobile Garküchen einfache Reis- oder Nudelgerichte. Abends fahren die Verkäufer dann mit ihrer Küche nach Hause. Dies wird wohl auch an den anderen Stränden Schule machen.

Und möglicherweise auch auf Ko Samui und Khao Lak, wo ebenfalls bereits erste Säuberungsaktionen durchgeführt wurden. Andere thailändischen Strände blieben bislang verschont. Wie lange noch, weiß zurzeit niemand.

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insgesamt 113 Beiträge
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Seite 1
f-rust 18.05.2016
1. Gut so!
Sollte man auch an vielen Mittelmeerstränden so halten.
julius-del-toro 18.05.2016
2. Super
Sache find ich cool vor 30 jahren waren wir auch nur auf dem Handtuch gelegen. Gewinn für die Natur
globalundnichtanders 18.05.2016
3. Solange...
...Frauen in Thailand billiger zu bekommen sind als bei uns ein Jägerschnitzel mit Pommes sind die Sonnenschirme doch wohl Thailands kleinstes Problem...
n8f4ll 18.05.2016
4. super
Das finde ich richtig klasse. Vielleicht entwickelt sich Thailand so wieder zu einem interessanteren Urlaubsziel. Hab gehört Liegestühle gibt's am Ballermann.
Spiegelleserin57 18.05.2016
5. Der Massentourismus zerstört die Natur!
Wenn diese Aktionen die Natur schützen sondern sie o.K. Am Strand verbrutzeln ist schon lächerlich wenn abends die Sonnenschirme abgeräumt werden müssen. Ich wusste gar nicht dass auch nachts die Sonne scheint. Hier sieht man wieder deutlich wie Umweltbewusstsein die Menschen wirklich sind , sich dann aber über den Abgasskandel aufregen und Prozesse führen wollen. Die Einzigen die unter der Aktion leiden sind die kleinen Händler die etwas Geld verdient haben.
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