Ein anderes Problem taucht in diesem Jahr zum ersten Mal auf: Jahrelang haben die Saudis in Dschamarat an einer riesigen, vier Etagen hohen Brücke gebaut, um es so vielen Pilgern wie möglich zu erlauben, ihre sieben Steine auf die drei Säulen zu werfen, die den Satan symbolisieren. Im Sommer wurde diese Brücke fertig; sie sieht von außen aus wie ein gigantisches, fast einen Kilometer langes Parkhaus und hat, wie Schunaber sich ausdrückt, "eine Kapazität von 500.000 Pilgern pro Stunde". Das ist gut für diese Engstelle, an der in den vergangenen Jahren Hunderte zu Tode kamen - doch es schafft ein Problem für die Stadt dahinter und die Große Moschee, deren "Kapazität" schon aus Gründen der Topografie begrenzt ist.
Links hinten im Kontrollraum sitzt Oberstleutnant Mohammed Yahya al-Ojuni, 45, an seinem Monitor. Er ist einer von vier Wachhabenden der Kriminalabteilung. Er setzt gerade an, seinen Auftrag zu erklären, da krächzt sein Funkgerät: In der Nähe des Berges Arafat - ein Gebiet, das seit Tagen von allen Autos freigehalten sein müsste - ist ein leeres Fahrzeug gefunden worden. Augenblicklich spannen sich Ojunis Züge an, er notiert die Koordinaten, weist seinen Kollegen an, sofort eine Patrouille loszuschicken und tippt einen Report an den Kommandanten in seine Tastatur.
Mit einer solchen kleinen Meldung könnte jeden Augenblick der ultimative Alptraum der Hadsch-Organisatoren beginnen: eine Autobombe, ein Terroranschlag unter den Pilgern. "Gott verhüte es", sagt Generalmajor Schunaber, "doch bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung musst du mit allem rechnen."
Am 20. November 1979, fast auf den Tag genau vor 30 Jahren, besetzte eine Terroristengruppe die Große Moschee in Mekka. Zwei Wochen lang tobte die Schlacht um die Moschee, französische Spezialeinheiten wurden eingeflogen, mehrere hundert Pilger, Terroristen und Polizisten kamen ums Leben. Es war der Auftakt einer epochalen Terrorkampagne, die schließlich in den Ereignissen des 11. September 2001 gipfelte - und es war ein Anschlag, der das Königreich Saudi-Arabien in seinen Grundfesten erschütterte.
Panzerwagen und Spezialeinheiten
Prinz Naif Ibn Abd al-Asis, der die Operationen damals leitete, ist noch heute Innenminister, und der islamistische Terror, der damals sein Haupt erhob, ist bis heute nicht besiegt. Vor wenigen Wochen erst entkam Prinz Naifs Sohn und designierter Nachfolger Mohammed nur knapp einem Anschlag.
Mehr als 100.000 Polizisten und Soldaten sind deshalb zum Hadsch 2009 abkommandiert und warten in Kasernen rund um die heilige Stadt auf den - hoffentlich nicht eintretenden - Ernstfall.
Gut 2000 von ihnen paradierten am Sonntag am südlichen Stadtrand von Mekka an Prinz Naif vorbei. Helikopter knatterten, Panzerwagen fuhren, vermummte Spezialeinheiten führten Nahkampfübungen vor. "Niemand kann die Heiligkeit des Hadsch verletzen", sagte der Prinz, "und jeder weiß, wie wir gegen jeden vorgehen werden, der es trotzdem versucht: mit totaler Gewalt und Entschlossenheit."
Mein Freund Badia hatte recht. Die haben wirklich andere Sorgen als die Schweinegrippe.
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