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Geheimtipps von Piloten: Die schönsten Landeanflüge der Welt

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Boardprogramm aus, Tablet weg, Augen auf: Es wird spannend da unten! Piloten internationaler Airlines verraten, auf welchen Strecken Passagiere die tollsten Aussichten beim Landen haben - und wo sie dafür sitzen sollten.

Aus dem Cockpit: Lieblingsaussichten der Piloten Fotos
Stefanie Bub

Wann hat man schon mal so freien Blick auf die Villen der Hollywood-Stars? Lassen sich die unterschiedlichen Färbungen der Ozeane bestaunen? Oder eine Weltstadt mitten in Deutschland ausmachen?

Piloten kennen die besten Aussichten von oben - und verraten, über welcher Stadt sie vor der Landung gerne eine Extraschleife einlegen und was einem die Vogelperspektive über die Stadt verrät:

Michael Lamberty / Lufthansa

Stefanie Bub, 35, Senior First Officer Airbus A380, fliegt seit 13 Jahren für Lufthansa:

Ihre Lieblingslandung? In Kapstadt.

Warum? Wenn das Verkehrsaufkommen im Luftraum nicht zu hoch ist, bitten wir die Lotsen gern um Erlaubnis, vor der Landung eine Extrarunde um das Kap fliegen zu dürfen. Allein der Blick auf den Tafelberg ist immer wieder grandios. Auf der Schleife kann man aus der Luft sogar beobachten, wo am Kap der Atlantische Ozean und der Indische Ozean zusammenfließen, da sie unterschiedliche Farben haben.

Auf welcher Seite in der Kabine habe ich die beste Aussicht? Generell fliegen wir von Norden aus an. Um den besten Blick auf den Tafelberg zu erwischen, bucht man am besten einen Platz rechts.

Welche Landung in Europa mögen Sie besonders? Hier ist Nizza mein Favorit.

Was bekomme ich zu sehen? Der Flughafen liegt direkt am Ende der "Promenade des Anglais". Passagiere haben einen super Blick auf die Altstadt und die umliegenden Berge. Überhaupt: Die gesamte Aussicht auf die Cote d´Azur ist phantastisch.

Wo im Flieger soll ich sitzen? Rechts, wenn wir aus Osten kommen.

Manche Piloten machen Passagiere gern auf eine tolle Aussicht aufmerksam, andere sind schweigsamer. Woran liegt's? Das ist in erster Linie Typsache. Manche reden gern, andere weniger. Es kommt aber auch immer darauf an, welche Gäste an Bord sind: Touristen sind offener für Sightseeing-Hinweise als Geschäftsreisende, die an Board lieber ihre Ruhe haben möchten.

picture alliance / KEYSTONE

Alex Borer, 50, Commander Airbus 330/340, fliegt seit 25 Jahren für Swiss:

Ihr persönliches Highlight? Die Strecke von Zürich nach Genf.

Der Blick? Wir fliegen über das obere Ende des Genfer Sees bei Montreux. Dann folgt der Eingang ins Wallis mit Sicht auf das Matterhorn. Wir überqueren Lausanne, Evian und die französischen Alpen mit der wunderbaren Sicht auf den Mont Blanc, den man von oben aus sehr gut an seinem flachen Buckel erkennen kann. Ich fliege die Strecke am liebsten bei Sonnenaufgang oder am Abend, wenn die Alpen im letzten Tageslicht leuchten. Kurz vor der Landung sieht man dann das Genfer Wahrzeichen: den Riesenspringbrunnen "Jet d´Eau" auf dem Genfer See.

Von wo aus sehe ich am besten? Ich empfehle die Plätze links in der Maschine.

Welchen internationalen Anflug mögen Sie besonders? Mein Favorit ist immer wieder Los Angeles.

Wann spätestens sollte ich wach werden? Etwa eine Viertelstunde vor der Landung überfliegen wir die Berge von Malibu, dann kommt eine Linkskurve, jetzt liegen all die legendären Orte unter uns: Santa Monica, Bel Air, Beverly Hills, die Hollywood Hills. Man erkennt die Villen, die Alleen und natürlich den berühmten weißen Hollywood-Schriftzug. Die Maschine geht dann in eine 180-Grad-Rechtskurve. Unter uns breitet sich ein Meer aus Einfamilienhäusern aus - South L.A.. Dann folgt der Überflug über die Interstate 405. Auf wie vielen Spuren dort der Verkehr rollt, diese Blechmassen. Das ist beeindruckend!

Wo soll ich sitzen? Schlagen wir die gängige Nordroute ein, sitzen Passagiere auf der linken Seite auf den aussichtsreichen Plätzen.

Condor

Bernd Krohme, 43, Kapitän und Stellvertretender Flottenchef Airbus, fliegt seit neun Jahren für Condor:

Wo landen Sie am liebsten? Der spektakulärste Anflug ist für mich der auf den Santa-Catarina-Flughafen auf Madeira.

Warum? Er liegt direkt an einer gebirgigen Bucht. Für uns Piloten gibt es hier am Atlantik aufgrund der Windsituationen ein besonderes Anflugverfahren, für die Passagiere einen tollen Blick.

Was kann ich sehen? Spätestens zehn Minuten vor der Landung wird es für die Passagiere Zeit, das Buch zur Seite legen. Zuerst fliegen wir an Porto Santo, der Nachbarinsel, vorbei, dann weiter über das Kap von Madeira im Nordosten. Der Blick auf die ansteigenden palmenbestandenen Hänge ist toll.

Auf welcher Seite soll ich mir einen Platz reservieren? Rechts.

Welcher Landeanflug ist außerdem Ihr Favorit? Die Aussichten auf dem Dreiecksflug über Mykonos nach Santorin sind grandios.

Warum? Zwischen den beiden Inseln sind wir nur in geringer Höhe unterwegs, der Blick ist natürlich super. Das Blau der Ägais, das Weiß der Strände – traumhaft!

Welche Plätze sind die besten? Normalerweise landen wir in Richtung Norden, Passagiere auf der rechten Seite haben den tollen Blick.

Welchen deutschen Flughafen steuern Sie am liebsten an? Frankfurt am Main. Außer in London gibt es in Europa ja kaum Orte, die sich aus der Luft so weltstädtisch anfühlen.

Was wird mir geboten? Im Frühjahr und Herbst stechen die Hochhäuser aus dem Hochnebel hervor, dahinter der Taunus - das ist schon eindrucksvoll. Auch im Dunkeln ist der Blick auf Frankfurt Klasse.

Wo sitze ich am besten? Frankfurt fliegen wir aus Westen an: Das Bankenviertel liegt dann rechts unten.

Turkish Airlines

Alper Aksu, 37, Captain Airbus 320, fliegt seit sieben Jahren für Turkish Airlines:

Welchen Anflug genießen Sie besonders? Venedig ist Spitze.

Was macht die Aussicht so großartig? Der Flughafen liegt direkt am Meer und wir kommen der Stadt beim Anflug ungewöhnlich nahe – bis auf ein bis zwei Kilometer. In den Morgenstunden oder im Sommer, wenn die Luftfeuchtigkeit hoch ist, wirkt Venedig richtig geheimnisvoll. Auch ein Anflug im Winter ist toll. Das Licht ist jetzt sehr klar, und man sieht die Stadt gestochen scharf.

Wo soll ich sitzen? Meistens landen wir gen Norden. Ich empfehle die Plätze rechts.

Wo gehen Sie noch gerne in den Sinkflug? Über Istanbul. Zwar ist das Leben in der Stadt oft ganz schön anstrengend. Der Verkehr auf den Straßen, das Menschengewimmel überall! Doch aus der Luft betrachtet, ist Istanbul einfach nur wunderschön. Ich komme am liebsten im Dunkeln an. Wenn die Bosporusbrücken leuchten und die goldenen Dächer der Moscheen strahlen. Man braucht allerdings ein bisschen Glück, um von Europa aus auf dieser Route einzufliegen. Die Stadtstrecke können wir nur bei Südwind nehmen. Im Frühjahr sind die Chancen am besten. Ansonsten steuern wir Istanbul vom Meer her an.

Auf welcher Seite der Maschine habe ich die schönste Aussicht: Wenn wir über die Stadt fliegen, hat man auf beiden Seiten einen Superblick.

Andrew Perkins

Andrew Perkins, 34, Senior First Officer 777, fliegt seit acht Jahren für British Airways:

Welche Landung beeindruckt Sie immer wieder? Wenn es die Themse hinab Richtung London-Heathrow geht.

Warum? Aus der Luft mitzubekommen, wie sich die Stadt ständig verändert, ist sehr spannend. Wie unterschiedlich London zu allen Jahreszeiten aussieht! Im Winter die Parks mit ihren "Winter Wonderlands", im Sommer kann man aus der Luft sogar den Trubel in Wimbledon sehen. Der Anflug ist eine richtige Sightseeingtour: Piccadilly Circus, Leister Square Tower Bridge, die ultramodernen Bauten "The Gherkin" und "The Shard". Ich mag Londons Mix aus Alt und Neu.

Wo soll ich sitzen? Eigentlich sitzen Passagiere auf beiden Seiten prima – leicht im Vorteil sind allerdings diejenigen, die rechts sitzen. Jedenfalls dann, wenn wir Kurs auf die Ost-West-Landebahn nehmen, was bei 70 Prozent der Flüge der Fall ist.

airberlin / Andreas Wiese

Gregor Rumphorst, 45, Flugkapitän und Stationskapitän für Düsseldorf, fliegt seit 18 Jahren für Air Berlin:

Ihre liebste Landung? Besonders atmosphärisch finde ich den Anflug auf Rom.

Warum? Man fühlt sich wie in einem Historienfilm. Man kann die sieben Hügel Roms gut erkennen und bei guter Sicht sogar das Kolosseum. Wer ungefähr weiß, wo der Vatikan liegt, kann auch den Petersdom ausmachen. Aber auch die grüne, zypressenbestandene Landschaft um Rom herum, die Provinz Latium, sieht großartig aus. Italienischer geht’s nicht.

Auf welcher Seite soll ich reservieren? Bei der Landung in Richtung Süden sind die Top-Plätze links.

Ihr Highlight auf langer Strecke? Erst letzte Woche habe ich zu meinem Kollegen im Cockpit gesagt, dass es wirklich ein Privileg ist, aus der Luft immer wieder so tolle Aussichten zu haben. Da steuerten wir gerade den John-F.-Kennedy-Flughafen in New York an. Etwa eine halbe Stunde vor der Landung liegen ziemlich spektakulär unter uns die Hamptons, der sehr exklusive Küstenabschnitt im Osten von Long Island. Die Gegend ist durchzogen von Wasserwegen, Boote drehen ihre Runden. Man sieht die versteckten Villen der Upper Class, die sonst hinter privaten Zufahrtswegen versteckt liegen.

Mein Platz? Hauptlanderichtung Süd haben die Passagiere links zunächst mehr zu sehen. Gäste rechts haben dafür später den Blick auf die Skyline von Manhattan. In etwa 30 Prozent der Anflüge auf JFK bekommen wir den höchst anspruchsvollen "Carnasie Approach" über die Südspitze von Brooklyn zugewiesen. Unter Piloten ist er legendär, da er ein halber Instrumenten- und ein halber Sichtflug ist. Hier haben Passagiere auf der linken Seite einen spektakulären Blick auf Manhattan. So kurz vor der Landung sind wir nur noch 300 bis 500 Meter hoch und Manhattan wirkt fast zum Greifen nah.

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Bei welcher Aussicht haben Sie im Flieger zuletzt beeindruckt die Kamera gezückt? Schicken Sie uns Ihre Aufnahme mit einer kleinen Erklärung an spon_reise@spiegel.de. Die besten Fotos veröffentlichen wir auf SPIEGEL ONLINE. Mit der Einsendung erklären Sie, dass Sie die Rechte an Fotos und Texten besitzen.

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insgesamt 112 Beiträge
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1.
Rollkofferträger 05.02.2014
Ich habe - gerade bei Start und Landung - schon wunderschöne Ausblicke aus dem Flieger gehabt. Während andere Passagiere noch nichtmal ihr Handy ausschalten, habe ich bisher immer noch so viel Selbstdisziplin gehabt, meine elektrischen Gerätschaften bei Start und Landung auszuschalten. Verboten ist schließlich verboten. Ist schon sehr schade, was ich da alles verpasst hatte zu filmen/fotografieren. Jetzt ausgerechnet von Piloten dazu stimuliert zu werden schreit doch zum Himmel.
2. Verflogen, Captain?
Alfons Emsig 05.02.2014
Also, wenn ich in FRA lande und unmittelbar davor rechts von mir die Skyline sehe, fliege ich aus Richtung Osten an, nicht Westen.
3. Die besten Aussicht hat man/Frau vorne links.....
sikasuu 05.02.2014
... vorne rechts, oder vorne 2.Reihe auf dem Klappsitz, wenn es die Arbeit zu lässt:-) Leider sind diese Plätze ja meist schon reserviert :-), bzw. auf den Klappsitz zu kommen ist heute fast unmöglich :-)
4. Schönster Landeanflug Europas ist Lissabon
meyertom 05.02.2014
Der Anflug in Lissabon gehört zum Feinsten was Europa zu bieten hat, denn bei den üblichen Nordwestwinden wird zuerst der Tejo Richtung Süden an der Atlantikküste entlang überflogen, dann nach scharfe Linkskehre um wieder nach Norden über den Strand von Caparica zurück zu fliegen, direkt über die Brücke des 25. April über die weisse Stadt. Also hundertmal besser als Nizza.
5. Soso
Schlossenteiser 05.02.2014
Am Kap der guten Hoffnung treffen Atlantik und Pazifik zusammen. Gut, dass sie nicht Navigatorin ist. :-)
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