32.000 Kilometer im Auto Vom Nord-Pub zum Süd-Pub

Der Brite Ben Coombs ist von der nördlichsten Kneipe zur südlichsten gefahren. Bewältigt hat er die Strecke in einem alten Sportwagen.

Ben Coombs in Ecuador
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Ben Coombs in Ecuador


Sein Ziel war eine Spelunke. Zumindest hat Ben Coombs das der "BBC" gegenüber so ausgedrückt. Aber das sei nicht so schlimm, schließlich sei der Weg das Ziel gewesen. So sieht Coombs es wohl, schließlich hat er sieben Monate gebraucht, um bei der besagten Spelunke anzukommen.

Coombs ist Autonarr. Und er fährt gerne Langstrecke. Zwar nicht auf Autobahnen, aber in Sportwagen, am liebsten in alten. So wie 2008, als er in einem 23 Jahre alten Porsche 944 von England nach Südafrika fuhr. Die Expedition dauerte damals 62 Tage.

Die Idee für seine aktuelle Tour sei ihm beim Bier gekommen, in einem Pub natürlich. Warum nicht vom nördlichsten Pub der Welt zum südlichsten mit dem Auto fahren? Welche Pubs das seien, legte er selbst fest.

Im Norden fand er eine alte Hotelbar in dem winzigen Ort Pyramiden, auf Spitzbergen. Bis Ende des vergangenen Jahrhunderts schürften dort noch etwa 1000 Bergarbeiter nach Kohle. Heute versucht dort eine Handvoll Menschen, den Verfall aufzuhalten.

Den südlichen Endpunkt seiner Reise markierte die chilenische Stadt Puerto Williams in Feuerland, die mit ihren 2300 Einwohnern schon fast urban wirkt. Zumindest im Vergleich mit dem norwegischen Pyramiden.

Zwischen Start und Ziel dieser Reise lagen etwa 32.000 Kilometer, die Coombs in seinem 20 Jahre alten TVR Chimaera, einem britischen Sportwagen, zurücklegte. Angetrieben von einem fetten V8-Motor war der für die meisten Straßen auf der Strecke zwar völlig übermotorisiert, sorgte aber regelmäßig dafür, das sich ihm Fans alter Sportwagen anschlossen, die ihn teilweise auch über längere Teilstücke der Reise begleiteten. Zwischendurch postete er immer wieder Fotos auf Instagram, Twitter und auf Facebook. Einige davon ließ er den Fotografen Alvaro Andrés Pinzón machen.

Die Route brachte ihn zuerst ganz in den Norden - Pyramiden liegt keine 1200 Kilometer vom Nordpol entfernt - von wo aus er durch Nordeuropa südlich fuhr, um das Auto schließlich im britischen Southampton auf ein Schiff nach Kuba zu verladen. Nach dem Besuch der Insel ging es wiederum mit dem Schiff weiter, dieses Mal nach New York.

In den USA schloss sich eine Überquerung des Kontinents nach Kalifornien an, von wo aus Coombs schließlich in Richtung Süden abbog und der Westküste folgend bis nach Chile fuhr. Am 12. Februar erreichte Coombs dort sein Ziel und besuchte die nach seiner Ansicht südlichste Kneipe. Südlicher sind nur die Bars in Polarstationen, doch die sind nicht öffentlich.

Ein bisschen enttäuschend sei das schon gewesen, sagt er der "BBC". Billiges Plastikgestühl und auf der Karte nur eine Sorte Bier und billiger Whisky. Wie es für ihn weitergehen wird, hat der Auto-Enthusiast nicht erklärt. Ob er sich den ganzen Rückweg auf der Straße antut? Unwahrscheinlich.

mak

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insgesamt 12 Beiträge
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Hamberliner 17.02.2018
1. wow!
Das beeindruckt mich. So eine Zielsetzung hat wirklich Stil und Charakter. Kleine unbedeutende Wichtigtuer sind im Vergleich dazu Segler, die behaupten die Welt umsegelt zu haben und stattdessen nur eine fast unbewohnte Insel umsegelt haben, die Antarktis, und das ohne je an Land gegangen und eine Kneipe (Pub) genossen zu haben. Wenn man die gesegelte Strecke durch den Erdumfang dividiert kommt etwas sehr peinliches heraus, vielleicht nur 0.7 oder 0.8, schätze ich mal. Über die Route kann man diskutieren. Ich wär anders gefahren. Was er versäumt hat ist eine Kneipe, die möglicherweise den Weltrekord hält, mehr Biersorten vom Fass, mehr Zapfhähne als jede andere Kneipe weltweit, zu bieten. Nennt sich "La Tireuse" und liegt an der Place de Ste. Eugenie in Biarritz. Ich gönn ihm einen Eintrag ins Guinness (prost!) Buch der Rekorde.
s.raudolf 18.02.2018
2. Saucool!
Respekt, so eine Tour mit einem absolut ungeeigneten, notorisch unzuverlässigen und wunderschönen TVR durchzuziehen! Erinnert mich an die alten Topgear Specials, da war dann aber auch eine 30-köpfige Crew mit dabei...
thequickeningishappening 18.02.2018
3. Hab auch mal so ne Pub Tour gemacht
Trains - Planes- Ships and all the Rest of it "20.000 Meilen für Ein Ur Pils" Bowen-Berlin (6 Monate und ca 100 Pubs). Die besseren Biere gab's in Indonesien (Bintang), Philippines (San Miguel) und China (Tsingtao); Die weniger guten in Russland ( Augen zu und Vodka). Die Idee mit dem TVR ist exzentrisch britisch aber er hat's gemacht - Thumbs up!
Kamillo 18.02.2018
4.
Da geht doch noch was... Top Gear hat einst gezeigt, dass man in Südamerika mit altren Sportwagen noch viel weiter südlich runterfahren kann. Die sind fast bis zum Kap Horn rutergekommen, und selbst so weit unten gabs noch richtige Ortschaften, z.B. Ushuaia in Argentinien, das scheint richtig groß zu sein, da muss es doch auch Kneipen geben! Aber Ok, seit dem Falkland-Konflikt und dem Top-Gear-Dreh lebt man in Argentinien als britischer Autofahrer gefährlich...
gersco 18.02.2018
5. Das kann wirklich nur einem Briten einfallen und nein, das ist...
...ausschließlich positiv gemeint. Dazu noch in einem TVR, mehr Coolness geht eigentlich nicht. Bin mal gespannt wie lange es dauert bis die Sauertöpfe hervorkommen und den fehlenden Elektroantrieb (mit beiliegender Rechnung wieviele Menschen wegen dieser Spaßtour ihr Leben durch Vergiftung lassen mussten) anprangern und den selbstverständlich zu verbietenden, weil überflüssigen und sinnfreien Individualverkehr verdammen. Klingt einfach zu sehr nach Spaß...
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