Zwei Jahre, 60 Länder 77-Jährige fährt im Oldtimer um die Welt

"Wenn ich es jetzt nicht mache, wann dann?", fragt sich Heidi Hetzer. Deswegen plant die Senior-Rallyefahrerin eine zweijährige Reise um die Welt - in einem 84 Jahre alten Oldtimer. Ein junger Mann fährt mit.

DPA

Berlin - Die Kinder sind einverstanden: "Wir haben geklärt, dass ich ihr Erbe einfach verballere", sagt Rallyefahrerin Heidi Hetzer. Auf dem Tisch der Pressekonferenz steht ihr Markenzeichen, eine Handtasche in Autoform.

Die ehemalige Opel-Händlerin, die in Berlin einen gewissen Promi-Status hat, ist jetzt 77 Jahre alt. Am Sonntag startet ihr großes Abenteuer. In einem amerikanischen Oldtimer von 1930 will Hetzer zwei Jahre lang durch fast 60 Länder um die Welt fahren. Inspiriert ist die Reise von Rennfahrerin Clärenore Stinnes, die in den Zwanzigerjahren auf Tour ging.

"Ich weiß nicht mehr, ob ich Männlein oder Weiblein bin", sagt Hetzer aufgeregt. Wenige Tage vor der Reise ist sie besorgt. "Hudo", wie sie den Hudson zärtlich nennt, hat technische Probleme. Aber die Tour zu verschieben, kommt nicht infrage. "Wenn ich es jetzt nicht mache, wann dann?" Schließlich geht sie auf die 80 zu. Aber sie ist "kerngesund" und hat einen Sack Arznei, den die Tochter gepackt hat, dabei. "Ich will jetzt endlich los."

"Ich kann nur Autos"

Heidi Hetzer war 40 Jahre lang im Autogeschäft, eine Chefin, als Frauenquote noch ein Fremdwort war. Ihr Motto: "Ich kann nur Autos." Fernsehzuschauer kennen die blonde Berlinerin aus Talkshows. 200 Rallyes ist die resolute Lady gefahren, Autos repariert sie selbst. Die Strecke von Düsseldorf nach Shanghai kennt sie schon. Letzten Sommer ist sie in einer Seifenkiste einen Hügel in Berlin-Kreuzberg hinuntergerauscht.

Kurz vor der Tour war Heidi Hetzer der Mechaniker abgesprungen - er hatte Rückenprobleme. Allein wollte sie nicht sein. Nun hat die Rallyefahrerin aus 150 Bewerbungen einen jungen Mann zum Mitreisen gefunden. "Das Schönste daran ist: Er will mir mein Lenkrad nicht wegnehmen", sagt Hetzer bei einer Pressekonferenz in Berlin.

Der junge Mann soll navigieren

Jordane Schönfelder ist Reisefotograf, Halbfranzose und kommt aus Kronberg bei Frankfurt am Main. Der 25-Jährige sagt: "Ich habe jetzt noch die Freiheit, so etwas zu machen - und sie hat wieder die Freiheit, so etwas zu machen." Einen Führerschein hat Schönfelder nicht, dafür soll er navigieren.

Die Reisekosten schätzt Hetzer auf 300.000 Euro. Mit an Bord kommen Funktionskleidung und Kugelschreiber zum Verschenken. Unterwegs will das Duo in einfachen Herbergen schlafen. Vorgebucht ist nichts. Als Hetzer über den nahenden Abschied aus Berlin spricht, tupft sie sich mit einer Serviette die Tränen weg. "Es wird, glaube ich, für mich emotional."

Die Berliner können ihr am Kurfürstendamm noch einmal winken. Dann geht es am Brandenburger Tor und an den Resten der Berliner Mauer vorbei Richtung Südost-Europa. Etwa 95.000 Kilometer könnten es werden, wenn das Auto durchhält. Wer im Oktober in China einen petrolfarbenen Oldtimer mit Berliner Kennzeichen und Werbung für Brandenburger Würstchen sehen sollte - der gehört Heidi Hetzer.

Caroline Bock/dpa/jkö



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insgesamt 20 Beiträge
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rennflosse 24.07.2014
1. Als Berliner
Zitat von sysopDPA"Wenn ich es jetzt nicht mache, wann dann?", fragt sich Heidi Hetzer. Deswegen plant die Senior-Rallyefahrerin eine zweijährige Reise um die Welt - in einem 84 Jahre alten Oldtimer. Ein junger Mann fährt mit. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/rallyefahrerin-heidi-hetzer-77-faehrt-im-oldtimer-um-die-welt-a-982749.html
... kann ich nur sagen: Bon Voyage. Als langjährige Opel-Händlerin hätte sie vielleicht auch einen alten Opel nehmen können, aber des Menschen Wille ist sei bzw. ihr Himmelreich. Wäre schön, wenn wir per Reiseblog daran teilhaben könnten.
prometheus2000 24.07.2014
2. Return of Investment :)
Na ich denke Sie wird zusammen mit dem jungen Herrn da ein Buch schreiben, als Reisefotograf hat er sicher ein Händchen für gute Bilder. Mit Vorträgen, Blogwerbung und Bildbänden hat man das Geld doch sicher schnell wieder rein... Gibt es irgendwo einen Blog, dem man folgen kann? Tolle Idee.
deranaluest 24.07.2014
3. So gehört sich das!
Mädel, zieh los und verballer dein Geld. Dass sie das Erbe verbläst find ich absolut richtig, die Frau hat ihr Leben lang dafür gearbeitet, sie soll genießen wofür sie geschuftet hat. Wer sät der soll auch ernten. Und so eine Weltreise ist eine tolle Gelegenheit dazu. Wünsche ihr eine gute und tolle Reise.
karend 24.07.2014
4. Viel Vergnügen
"'Wir haben geklärt, dass ich ihr Erbe einfach verballere', sagt Rallyefahrerin Heidi Hetzer." Viel Vergnügen, vor allem viel Erfolg und gesunde Heimkehr. Mögen sie die Ziele erreichen und "Hudo" wieder in Gang bekommen, sollte dieser doch einmal streiken. Ich habe Frau Hetzer vor einiger Zeit in einer Talkshow gesehen - herrlich. Also, Jordans Schönfelder, ich freue mich schon auf spannende/ungewöhnliche… Fotos.
kerle72 24.07.2014
5. Viel Spass Heidi!
Und komme gesund wieder! Ich finds jut, dass sie das jetzt macht wozu sie Lust hat! Sie hat ja auch schwer dafür geschuftet, um da zu sein wo sie jetzt ist! Denn von nischt kommt nischt! Toll, dass ihre Kinder sie hierbei unterstützen! Chapeau!
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