Reisen während des Ramadan "Nachts ist sehr viel los"

Ob Dubai, Oman oder Marokko - ein muslimisches Land während des Ramadan zu bereisen, kann eine spannende Erfahrung sein. Doch Touristen sollten auch einiges beachten.

AFP

Ein Interview von


Wer schon einmal während des Fastenmonats Ramadan in ein muslimisches Land gereist ist, hat vielleicht die besondere Stimmung während dieser Zeit gespürt, die unausgesprochene Verbundenheit der Menschen. Hat mitbekommen, wie kurz vor Sonnenuntergang auf den Straßen Chaos ausgebrochen ist, weil alle zum Fastenbrechen nach Hause eilen - und durfte vielleicht sogar an einem Abendessen teilnehmen, bei dem reichlich traditionelle Speisen aufgetischt wurden.

Vielleicht war es aber auch schwierig, tagsüber ein geöffnetes Restaurant zu finden, oder jemand hat sich beschwert, weil man seine Zigarette auf offener Straße geraucht hat.

Der Ramadan ist die wichtigste Jahreszeit in islamischen Ländern: 29 Tage lang essen und trinken Gläubige nichts zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang, rauchen nicht, beten regelmäßig gen Mekka. Muslime glauben, dass im neunten Monat des islamischen Mondkalenders der Koran herabgesandt wurde.

Der Fastenmonat beginnt jedes Jahr an einem anderen Datum, in diesem Jahr am 15. Mai. Wer in dieser Zeit in muslimische Länder reist, sollte sich vorher über einige der Gepflogenheiten informieren.

Zur Person
  • Jörg-Dietrich Meltzer
    Jörg-Dietrich Meltzer, 50, arbeitet seit 27 Jahren beim Veranstalter Studiosus Reisen. Als Area Manager organisiert er unter anderem Reisen in nordafrikanische Länder sowie in den Nahen und Mittleren Osten.

Jörg-Dietrich Meltzer vom Studienreiseveranstalter Studiosus hat schon oft Reisen in muslimische Länder organisiert und schon einmal selbst einen Tag lang mitgefastet. Im Interview erzählt er, an welche Regeln sich Touristen während des Ramadan halten sollten - und warum sich eine Reise lohnt.

SPIEGEL ONLINE: Herr Meltzer, am 15. Mai beginnt der Ramadan. Was bedeutet das für das öffentliche Leben in muslimischen Ländern?

Meltzer: Als Tourist bekommt man auf den ersten Blick gar nicht so viel mit, wie man denkt. Ich wusste zwar, dass Ramadan ist und ich mich an bestimmte Regeln halten sollte, aber sonst war das gar nicht so offensichtlich - jedenfalls in Marokko. Erst als es schwierig war, ein geöffnetes Restaurant zu finden, habe ich gemerkt, dass etwas anders ist. Während des Fastenbrechens zu Sonnenuntergang sind außerdem kaum Leute auf der Straße - alle sind zu Hause beim Essen. Da kann es schon schwierig werden, irgendeine Dienstleistung zu erhalten.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es während des Ramadan wirklich nirgendwo etwas zu essen?

Meltzer: Die Marokkaner sind Touristen gewöhnt und sorgen dafür, dass einige Restaurants für Ausländer geöffnet haben. In Marokko ist das nicht so streng wie etwa in Dubai, Saudi-Arabien oder Oman. Dort sollte man darauf achten, sich an die Gepflogenheiten zu halten.

SPIEGEL ONLINE: Die da wären?

Meltzer: Wir raten tagsüber Reisenden, möglichst nicht in der Öffentlichkeit zu essen, auch kein Kaugummi, nicht zu trinken und nicht zu rauchen. Parfüm sollte auch nicht aufgetragen werden. Wenn man etwas isst, sollte man das so tun, dass kein Einheimischer etwas davon mitbekommt: also zum Beispiel auf dem Hotelzimmer oder im Reisebus mit zugezogenen Vorhängen. Aus Respekt den Fastenden gegenüber.

SPIEGEL ONLINE: Und was passiert, wenn man diese Regeln nicht beachtet?

Meltzer: Es ist unwahrscheinlich, dass Touristen verhaftet werden, weil sie in der Öffentlichkeit essen oder rauchen. Nichtmuslime werden meist toleranter behandelt, das würde sonst auch der Gastfreundschaft widersprechen. Aber es kann passieren, dass man von den Einheimischen relativ hart darauf angesprochen wird - vor allem, wenn man an heiligen Stätten gegen die Regeln des Ramadan verstößt.

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Ramadan: 29 Tage fasten, drei Tage feiern

SPIEGEL ONLINE: Der Ramadan beginnt in diesem Jahr Mitte Mai - da kann es in einigen Ländern schon ganz schön heiß sein. Wie halten die Einheimischen das überhaupt aus, den ganzen Tag nichts zu sich zu nehmen?

Meltzer: Meinen Erfahrungen nach empfinden die Menschen das Fasten nicht als ein allzu großes Problem. Ich habe das selbst einmal ausprobiert. In Tunesien hatte ich einen Fahrer, der gefastet hat, und da habe ich dann einfach mitgemacht und auch tagsüber nichts gegessen. Das ging schon, man isst ja vor Sonnenaufgang recht viel. Nichts zu trinken, das habe ich allerdings dann nicht ausgehalten bei der Hitze.

SPIEGEL ONLINE: Also ist es ein Gerücht, dass alle Fastenden immer schlechte Laune vor Hunger haben?

Meltzer: Das mag schon einmal vorkommen. Aber das liegt dann wohl weniger daran, dass sie nichts essen, sondern eher daran, dass sie auch wenig schlafen und tagsüber nicht rauchen. Denn nachts ist sehr viel los während des Ramadan. Wenn gegen halb acht Uhr abends die Sonne beginnt unterzugehen, eilen alle schnell nach Hause zu ihren Familien. Dort gibt es dann traditionell meist eine Suppe und eine Dattel, dazu ein hartgekochtes Ei. Dann wird eine Menge gegessen, kurz geschlafen und vor Sonnenaufgang gibt es dann auch noch mal etwas zu Essen. Da ist die Schlafenszeit recht kurz.

SPIEGEL ONLINE: Würden Sie Urlaubern raten, während des Ramadan ein muslimisches Land zu besuchen?

Meltzer: Wenn man Leute in diesen Ländern privat kennt, ist das eine tolle Erfahrung. Dann kann man vielleicht mal beim Fastenbrechen mitmachen. Besonders das Zuckerfest am Ende der Fastenzeit ist ein Erlebnis - das ist wie bei uns Ostern und Weihnachten zusammen. Drei Tage lang feiern die Muslime das Ende der Fastenzeit, es gibt viel zu essen, vor allem Süßigkeiten, die Stimmung ist ausgelassen. Doch für Reisende, die keine Kontakte haben, könnte es schwierig werden, denn das Fasten ist eine sehr persönliche Sache. Jeder, der individuell dahin reist, sollte sich daher vorher mit den Dos und Don'ts beschäftigen.

Video: Mein Ramadan - Fasten auf YouTube

dbate

Wenn Sie vorhaben, während des Ramadan in ein muslimisches Land zu reisen, können Sie sich zuvor am besten auf den Seiten des Auswärtigen Amts oder der jeweiligen Botschaft informieren, an welche Verhaltensweisen Touristen sich auf Reisen halten sollten. Weitere Informationen bieten auch Reiseveranstalter.

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insgesamt 5 Beiträge
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joergS 15.05.2018
1. Dubai
Stimmt leider so nicht. Ich lebe seit 4 Jahren in Dubai und alles ist wie gehabt geöffnet. Restaurants, Pools in Hotels, food courts im Shopping Centre etc. Ja es hat nicht jedes Restaurant geöffnet. Dubai als ‚strenger‘ als Morocoo darzustellen, ist aber leider Quatsch. Das Leben in dieser Weltstadt geht ganz normal weiter und ein Unterschied zu anderen Monaten ist auch beim Verkehr kaum festzustellen.
spon-1245711913406 15.05.2018
2. Dubai Teil II
Ich habe in Dubai in einem Hotel gearbeitet. Es gab normal zu essen aber wir mussten die Restaurants mit Vorhaengen verbergen damit Muslime nicht Gaeste beim essen sahen. Auch empfahlen wir Gaesten, wie oben beschrieben, nicht zu trinken und zu rauchen, auch auf die Kleiderordnung wurde mehr geachtet. Ein Gast kam bis Ende Ramadan in Haft weil sie sich, trotz mehrfacher Aufforderung, weigerte sich korrekt anzuziehen. Ich habe zweimal Ramadan in Kenia mitgemacht da viele meiner Mitschueler Muslime waren; ich habe sicherlich mehr gegessen als in den anderen Monaten. Nicht trinken und nicht duschen war viel haerter.
hmueller0 15.05.2018
3. Toleranz
Toleranz scheint immer nur in eine Richtung zu gelten, seltsam. Man erwartet von Ausländern und Andersgläubigen wie selbstverständlich, sich an die örtlichen Gepflogenheiten zu halten. Das könnte ich noch akzeptieren. Umgekehrt hat man aber keinerlei Ambitionen, sich seinerseits an die Sitten und Gewohnheiten anderer Länder anzupassen. M.E. liegt genau dort die Ursache vieler Probleme - und nicht darin, dass sich Gastgeber nicht einfach noch viel mehr Mühe gehen und immer weiter entgegen kommen.
decathlone 15.05.2018
4. Bei einer Zwischenlandung in Katar ...
... wurden wir vor ein paar Jahren kurz vor der Landung und unmittelbar vor Sonnenaufgang informiert, das Ramadan sei und man sich den Gepflogenheiten anpassen sollte. Frühstück gab es keins mehr an Bord. Naja, die 2 Stunden werde ich schon aushalten. Was für eine Überraschung: direkt nach der Passkontrolle traf ich im Flughafen auf lange Schlangen vor den Schaltern der üblichen Fast Food - Ketten, eine große Mehrheit der Wartenden waren durch ihre Kleidung als Bewohner der arabischen Halbinsel zu erkennen. Der Trubel im Flughafen und die vollen Cafes führten letztlich dazu, dass ich mich an den einzigen halbwegs ruhigen Ort flüchtete: einen multireligiösen Gebetsraum.
sanna.anabaena 15.05.2018
5. Ramadan im Nahen Osten
Ein Kameramann kam fast nicht zum Flughafen, weil gen Sonnenuntergang die Tankstelle 4 Stunden südlich zwar offen, aber ohne Personal war. Panik brach aus, wie er mit den paar Tropfen Benzin noch zum Flughafen schaffen solle. Der Arme wollte zurück zu seiner Familie, und sein Filmmaterial für den WDR bearbeiten. Ramadan selbst vor Ort erlebt zu haben - insbesondere hinter den Kulissen - , und vor allem das Fest am Ende, Ed Al Fitr, ist ein besonderes Erlebnis.
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