Ras al-Chaima Emirat eröffnet längste Zipline der Welt

Fast wie fliegen: Etwa drei Minuten dauert die 2,8 Kilometer lange Rutschfahrt auf der längsten Zipline der Welt. Mit der Adrenalin-Attraktion will das Emirat Ras al-Chaima auch Pauschalurlauber aus den Hotels locken.

Ras Al Khaimah Tourism Development Authority//TMN

Eine Zipline soll Ras al-Chaima nach vorne bringen. Und weil das kleine Emirat nun einmal am Persischen Golf im Schatten Dubais liegt, handelt es sich nicht um irgendeine Drahtseilrutsche, sondern um die längste Zipline der Welt. Mit dieser Rekordattraktion will Ras al-Chaima künftig das Interesse von Aktivtouristen wecken - und sein etwas langweiliges Image als reine Badedestination aufpolieren.

Bisher hatte die Zipline "The Monster" auf Puerto Rico mit 2200 Metern den Weltrekord, ebenfalls vom Hersteller Toro Verde, gehalten - bis Donnerstag. Da wurde die Seilrutsche in Ras al-Chaima für Touristen eröffnet.

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Ras al-Chaima: Abwärts am eisernen Band

Etwa 2,8 Kilometer überwindet die neue Zipline, zwei Kabel verlaufen parallel. So können sich Urlauber quasi ein Rennen liefern. Die freihängende Fahrt vom Gipfel des Dschabal Dschais, mit 1934 Metern höchster Berg der Emirate, dauert gut drei Minuten. So viel Adrenalin war bei einer Reise nach Ras al-Chaima bislang selten.

Derzeit kommen fast nur Badeurlauber in das kleine Emirat, das mit folgenden Standortfaktoren um Gäste wirbt: Am Persischen Golf ist es ganzjährig warm. Die Flugzeit ab Deutschland ist mit rund sechs Stunden für ein Warmwasserziel im Winter noch akzeptabel, die Zeitverschiebung mit drei Stunden wenig störend. Und die Preise der Pauschalpakete halten sich vergleichsweise in Grenzen: Ras al-Chaima wirbt mit Fünf-Sterne-Service zum Vier-Sterne-Preis.

4445 neue Zimmer bis 2020

Etwa 70 Prozent der deutschen Urlauber in Ras al-Chaima sind Familien. In einem Hotel wie dem DoubleTree by Hilton Resort & Spa auf der künstlichen Insel Marjan Island sieht das Publikum im Frühstücksraum nicht anders aus als in einer Ferienanlage auf Gran Canaria oder Kreta.

Momentan gibt es 22 Herbergen mit insgesamt mehr als 5000 Hotelzimmern in dem Emirat. Und die Ziele sind ehrgeizig: In den nächsten drei Jahren sollen 4445 neue Zimmer im Drei- bis Fünf-Sterne-Bereich hinzukommen, vor allem auf Marjan Island. Bis 2025 sind allein dort 16 neue Hotels geplant - von Radisson Blu bis Mövenpick.

Auch außerhalb der Hotels und Resorts will das Emirat in Zukunft etwas bieten. Derzeit ist da nicht viel. Nationalmuseum und Dhayah Fort sind zwei Zeugnisse der Kulturgeschichte, die so etwas wie Sehenswürdigkeiten darstellen. Das Fazit vieler Besucher lautet jedoch: nicht unbedingt sehenswert. Andere archäologische Stätten sollen erst noch richtig herausgeputzt werden.

Aussichtsreicher sind Aktivitäten in den Bergen, denn die hat - anders als die Wüste - weder Dubai noch Abu Dhabi. Und so können Urlauber im Hadschar-Gebirge Wanderungen und Mountainbike-Touren unternehmen und eine Nacht unter den Sternen schlafen.

Dreimal Zipline nach unten

Einen Vorgeschmack auf die Rekord-Zipline gibt ein Klettersteig mit drei kürzeren Seilrutschen, der bereits 2017 eröffnet wurde, für Aktivurlauber und solche, die es noch werden wollen. Auf einer Länge von 470 Metern zieht sich die mit Drahtseilen und Haken gesicherte Via Ferrata über den sandfarbenen Stein eines Felshangs. Der Steig ist ausgesetzt, aber nicht besonders schwierig, geeignet für Einsteiger.

Der Ägypter Hossam Bakr, 36, und seine Kletterkollegen aus Indien und Mauritius geben eine Einweisung in die Grundlagen der Technik. Geduldig, ausgeruht, freundlich. Anfangs habe es auch schwierigere Routen durch die Wand gegeben. Aber nun ist nur noch ein Klettersteig offen, maximal 16 Personen täglich sind erlaubt. Eine Gruppe geht morgens, eine nachmittags. "Viele Leute haben sich überschätzt", erzählt Bakr. Nun geht man lieber auf Nummer sicher.

Gurt anschnallen, Helm aufsetzen, es geht in die Wand. Viele Passagen gleichen eher schmalen Pfaden. Die Guides sind stets zur Stelle, wenn ein Gruppenmitglied Hilfestellung benötigt. Erst folgen zwei kürzere Ziplines, dann eine längere. Das Herz schlägt schneller, während man durch die Luft segelt. Unten auf der Straße hat ein Auto angehalten, und ein Araber filmt das ungewohnte Spektakel mit seinem Tablet. Nach rund drei Stunden ist die Tour vorbei.

Kein Bedarf an Gigantismus

Viel aufregender wurde es in Ras al-Chaima bislang jedoch nicht. Die meisten Urlauber kommen nach wie vor in das Emirat, um sich am Hotelstrand in die Sonne zu legen und abzuschalten. Mit dem Gigantismus in Dubai und dem neuen Louvre in Abu Dhabi kann man ohnehin nicht mithalten. "Wir sind nicht in Eile, hier den höchsten Wolkenkratzer und die größte Mall zu bauen", sagt Haitham Mattar, Chef der Ras Al Khaimah Tourism Development Authority. "Das haben wir eine Stunde entfernt."

Nach Ras al-Chaima reisten 2017 rund 820 000 Besucher, 2019 sollen es eine Million werden und 2025 schon drei Millionen. Die Ambitionen sind also groß. Die Zipline könnte ihren Teil dazu beitragen. Denn am Persischen Golf wissen die Verantwortlichen genau, was international Aufmerksamkeit bringt - im Zweifel ein neuer Weltrekord.

Philipp Laage, dpa

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