Reise-Blogger Patrick Hundt Geständnisse eines Introvertierten

Muss ein Reise-Blogger eine Rampensau sein, die keine Party und keinen Adrenalinkick auslässt? Patrick Hundt beweist mit 101places.de das Gegenteil. Hier erklärt er, warum er nie ohne Laptop aufbricht - und wie seine Weltreise beinahe Minuten vor dem Abflug gescheitert wäre.

101places.de

Persönliche Texte, neue Blickwinkel: Die deutschsprachige Reise-Blogger-Szene hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt. Ein riesiger Schatz von inspirierenden Berichten aus aller Welt ist entstanden. Im Fragebogen-Interview stellen wir die Menschen hinter den originellsten Webseiten vor. Heute: Patrick Hundt, 31, verantwortlich für 101places.de.

Die verrückteste Reise Ihres Lebens?

Vor einigen Jahren fuhr ich mit einem Freund durch Kuba. Wir mieteten ein schäbiges Auto, es gab keine Straßenkarten, kaum eine Ausschilderung, und an ein Navigationsgerät war ohnehin nicht zu denken. Wir fuhren über verwaiste Autobahnen und durch staubige Dörfer, bis wir schließlich wegen eines Motorschadens abgeschleppt werden mussten. In den zwei Wochen steuerten wir nur private Unterkünfte an, sogenannte Casas Particulares. Die Adressen hatten wir von einem Kubaner aus Havanna, der im ganzen Land Menschen zu kennen schien. Am Ende brachten wir ihm seine Provision für die Empfehlungen in Umschlägen in die kubanische Hauptstadt.

Ihr eigener Lieblings-Blog-Eintrag bislang?

Meine "Geständnisse eines introvertierten Reisenden". Dieser Beitrag ist sehr persönlich, und ich musste mich ein wenig zwingen, ihn zu schreiben. Es war mir aber auch wichtig, einmal offen mitzuteilen, dass introvertierte Menschen andere Vorlieben haben: Beispielsweise reisen wir nicht, um Leute kennenzulernen, suchen weder Partys noch Adrenalinkicks. Im Anschluss habe ich ein sehr positives Feedback erhalten.

Ohne welchen Gegenstand würden Sie niemals aufbrechen?

Dürfte ich nur einen Gegenstand wählen, müsste ich mich zwischen meinem Smartphone, Kindle und der Digitalkamera entscheiden. Ich brauche aber alle drei. Für längere Ausflüge brauche ich auch meinen Laptop, da ich unterwegs arbeite. Ja, so technisch sind meine Reisen heute.

Bitte schreiben Sie für uns exklusiv einen Kurz-Blog über Ihre letzte Reise - und zwar in einem Satz:

Ich mietete für vier Wochen ein Apartment in Tallinn, genoss den baltischen Sommer und habe dabei vergleichsweise viel gearbeitet - in dieser Stadt ist man dank öffentlichem W-Lan immer online!

Ein völlig unterschätztes Reiseziel ist:

Laos. Das Land sieht nur einen Bruchteil der Touristen des benachbarten Thailands. Laos ist immer noch sehr arm und verfügt über keinen Zugang zum Meer. Dadurch haben es viele Reisende gar nicht auf dem Radar - zu Unrecht. Laos ist so schön gemächlich, nichts hat Eile. Wenn man damit umgehen kann, ist das Reisen dort eine große Freude.

Wie oft sind Sie im Jahr unterwegs, und wie finanzieren Sie Ihre Reisen?

Am Ende des aktuellen Jahres werde ich etwa neun Monate unterwegs gewesen sein, verteilt auf fünf Auslandsreisen. Derzeit befinde ich mich für drei Monate in Zentralamerika, an Weihnachten geht es nach Hause.
Das Reisen finanziere ich durch meine Arbeit im Online-Marketing und als Reise-Blogger. An den meisten Tagen wende ich ein paar Stunden für die Pflege meiner Websites auf. Die größte Freude bereitet mir das Schreiben, daher werde ich zukünftig versuchen, einen größeren Teil meiner Einnahmen damit zu generieren.

Ihre schlimmste Reisepanne?

Eine der nervigsten Pannen erlebte ich zu Beginn meiner Weltreise im letzten Jahr. Zuerst sollte es nach Los Angeles gehen. Allerdings ließ man mich schon am Berliner Flughafen nicht einchecken.
Wer in die USA einreist, muss einen Rück- oder Weiterflug nachweisen können. Das war mir bekannt, also hatte ich bereits einen Flug nach Mexiko gebucht. Doch diesen wollte das Personal am Flughafen nicht anerkennen, denn was ich nicht wusste: Um in die USA einreisen zu dürfen, benötigt man ein Weiterflugticket, das nicht in Kanada, Mexiko oder der Karibik endet. Warum auch immer!
Ich stand vor der Wahl, meine Weltreise zu beenden, bevor sie überhaupt begonnen hatte, oder auf die Schnelle ein anderes Ticket zu buchen. Die Airline kannte die genaue Regel auch nicht und empfahl mir, einen Weiterflug nach Europa oder Asien zu buchen. Nach Europa wollte ich ganz sicher nicht zurück - da befand ich mich ja noch!
Ich saß mit meinem Smartphone am Flughafen, buchte nach einigem Suchen einen günstigen Flug von Los Angeles nach Singapur und ließ das Ticket ausdrucken. Drei Minuten vor der Frist war ich der letzte Passagier, der eincheckte. Die Weltreise konnte doch noch beginnen. Meinen Flug nach Mexiko musste ich verfallen lassen.

Der größte Luxus, den Sie sich unterwegs gönnen?

Ich gehe gern auswärts Essen oder verbringe einige Zeit in Cafés, um Menschen zu beobachten, zu lesen oder zu schreiben. Mit der Zeit geht das ins Geld, denn selbst in armen Ländern kostet ein Cappuccino kaum weniger als bei uns. Doch diesen Luxus gönne ich mir immer.

Lesen Sie hier die weiteren Blogger-Fragebogen dieser Serie:

Marianna Hillmer-Wiechmann vom "Weltenbummler Mag"

Christoph Pfaff von VonUnterwegs.com

Yvonne Zagermann von justtravelous.com

Peter Hinze von reception-insider.com

Heike Kaufhold von koeln-format.de

Johannes Klaus von reisedepeschen.de Gesa Neitzel von bedouinwriter.com

Die Fragen stellte Stephan Orth



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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
zephyros 26.09.2013
1. ohne Läppi
die Tatsache, dass er nie "ohne seinen Laptop" verreisen würde, schliesst schon aus, dass dieser Typ jemals eine interessante Reise unternehmen wird.
andrestgt 26.09.2013
2. Laos unterbewertet???
Also das hört sich ja alles sehr nett an, kann mich auch mit dem Luxus des Cappuccinotrinkens und nicht ohne Smartphone und Laptopreisen identifizieren aber zu sagen, Laos sei ein unterbewertetes Land off the radar finde ich doch etwas seltsam denn von Backpackerghettos bis hin zu Rentnerbutterfahrten findet man in Laos ja nun inzwischen alle schlimmen Formen des Tourismus und dies nicht zu knapp, dasselbe gilt aber auch für Kambodscha und Vietnam
Zäld 26.09.2013
3.
Zitat von sysop101places.deMuss ein Reise-Blogger eine Rampensau sein, die keine Party und keinen Adrenalinkick auslässt? Patrick Hundt beweist mit 101places.de das Gegenteil. Hier erklärt er, warum er nie ohne Laptop aufbricht - und wie seine Weltreise beinahe Minuten vor dem Abflug gescheitert wäre. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/reise-blog-101places-fragebogen-an-patrick-hundt-a-924291.html
Eieiei, das hätte er auch günstiger haben können: Als weiterführendes Ticket einfach ein voll-erstattbares Ticket kaufen und nach Ankunft in den USA zurückerstatten lassen. Klar, das Geld für so ein relativ teures Ticket muß man erst einmal haben, aber man bekommt es ja zurück. Und selbst wenn es etwas an Gebühren kostet, ist es vielleicht immer noch billiger als das Anschlußticket nach Mexiko verfallen zu lassen. Daß man in so einer Situation nicht darauf kommt, ist allerdings auch verständlich - ich mußte auch erst davon lesen, von alleine wäre ich nicht drauf gekommen... Zäld
Layer_8 26.09.2013
4. Laptop
Zitat von zephyrosdie Tatsache, dass er nie "ohne seinen Laptop" verreisen würde, schliesst schon aus, dass dieser Typ jemals eine interessante Reise unternehmen wird.
Naja, so ein Ding wiegt ja heutzutage nicht mehr viel und ist handlich zu verstauen. Früher hat man Tagebücher geschrieben und seine Post alle paar Wochen bei diversen GPOs abgeholt. Man kann aber auch mit der Zeit gehen ohne dass dies einer interessanten Reise Abbruch tut. Aber vielleicht waren Sie ja noch nicht länger auf einer solchen und kennen daher gewisse Grundbedürfnisse dabei nicht.
topas 26.09.2013
5.
Zitat von zephyrosdie Tatsache, dass er nie "ohne seinen Laptop" verreisen würde, schliesst schon aus, dass dieser Typ jemals eine interessante Reise unternehmen wird.
Lieber mit einem Laptop im Rucksack die Welt erkunden (und mittels des Geräts die notwendigen finanziellen Mittel generieren) als in einem ortsgebundenen nine-to-five-Job zu hängen und dann im Sommer zwei Wochen All-Inclusive zu buchen. Der Laptop ist halt sein Werkzeug, genauso wie der Straßenmusiker, der durch die Welt tingelt, seine Gitarre braucht. Und wenn er im Schnitt 3 Stunden am Tag durch Arbeit am Laptop dafür sorgt, dass die Miete bezahlt und der Kühlschrank gefüllt wird ist es doch legitim.
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