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Frachtschiff ins Paradies: Der lange Weg durch die Südsee

Frachtschiff ins Paradies: Der lange Weg durch die Südsee Fotos
Rasso Knoller

Die "Aranui 3" fährt zu den entlegensten Inseln der Welt. Auf ihrer Fahrt von Tahiti zu den Marquesas in der Südsee nimmt das Frachtschiff auch Passagiere mit. Ein Bewohner hat sich in eine deutsche Touristin verliebt.

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Marina Fiu, 24, steht am Hafen von Taiohae. Sie blickt hinaus aufs Meer und wartet auf die Ankunft der "Aranui 3". Das Schiff, eine Kombination aus Fracht- und Passagierschiff, verkehrt im Linienverkehr zwischen den Marquesas. Es beliefert die Inseln am Ende der Welt mit allem, was man zum Leben braucht: Kühlschränke und Autos, Tiefkühlhähnchen und Bier, Schulblöcke für die Kleinsten und Kondome für die Familienplanung.

1600 Kilometer hat der alte Dampfer schon hinter sich, wenn er aus Tahiti kommend im ersten Hafen der Marquesas einläuft - in Taiohae, dem größten Ort der Hauptinsel Nuku Hiva. Und weitere 5000 Kilometer ist er unterwegs, bevor er nach 14 Tagen wieder in seinem Heimathafen Papeete anlegt. Der Schiffsname ist da Programm - Aranui bedeutet "langer Weg".

Wie jedes Mal, wenn die "Aranui" in Taiohae vor Anker geht, steht Marina am Hafen. Ihr Mitsubishi-Jeep ist auf Hochglanz poliert, im Haar trägt die junge Mutter einen Blumenkranz.

Endlich wird die Gangway des Schiffes herunter gelassen, die Passagiere gehen an Land, bereit für eine Rundfahrt über die Insel. Meist ist das Schiff ausgebucht, dann sind 198 Gäste an Bord. Vier von ihnen steigen in Marinas Jeep, die übrigen verteilen sich auf 50 weitere Autos. Die Reederei "befördert" die Inselbewohner - immer wenn die "Aranui" in Nuku Hiva anlegt - zu Taxiunternehmern. Für die meisten Inselbewohner ist der Fahrservice, den sie den Touristen anbieten, das einzige Einkommen.

Die Klügsten gehen weg

Die Marquesas sind anders, als man sich Südseeinseln gemeinhin vorstellt. Es sind keine flachen Atolle mit weiten Sandstränden. Hier ragen steile Berge in den Himmel, Überbleibsel vorzeitlicher Vulkane, bizarr geformt und von weitem sichtbar.

Entsprechend führt der Weg nach Kamuihei steil und aussichtsreich nach oben. Von der einst größten Stadt der Inselgruppe sind nur noch Ruinen übrig geblieben. Etwa 10.000 Menschen wohnten vor Ankunft der europäischen Entdecker in dem engen Tal - das sind ebenso viele, wie heute insgesamt auf den sechs bewohnten Inseln der Marquesas leben.

Von der Kultur dieser Ureinwohner weiß man wenig. Vieles bleibt im Reich der Legende und Spekulation. Die grausige Geschichte, wie die Ur-Marquesianer ihre Feinde hingerichtet haben, scheint aber sicher überliefert.

Mögen die alten Traditionen auch grausam gewesen sein, der Niedergang der Marquesas begann am 7. April 1774. An dem Tag, an dem der britische Entdecker James Cook mit seiner Flotte vor der Küste auftauchte, lebten mehr als 120.000 Menschen auf der Inselgruppe.

Cook war es, der die drei großen Geißeln der damaligen europäischen Gesellschaft mit in die Südsee brachte: Alkohol, Waffen und Krankheiten. Dieser tödliche Mix raffte die meisten Insulaner dahin. Weniger als einhundert Jahre, nachdem Cooks Schiffe vor den Marquesas Anker geworfen hatten, hatte sich die Bevölkerung auf den Marquesas auf 1900 Menschen dezimiert.

Heute sorgen weder Krankheiten noch Morde oder Kriege dafür, dass die Marquesas so dünn besiedelt sind. Die wenigsten jungen Menschen, die hier geboren werden, wollen in dem Südseeparadies leben. Wer kann, der wandert aus.

Marina Fiu ist die Ausnahme. Sie hat hier geheiratet und ein Kind bekommen. "Man führt hier ein sorgloses Leben", sagt Marina. Schließlich biete Nuku Hiva alles, was man brauche. Mangos, Bananen, Avocados, Brotfrüchte, frischen Fisch aus dem Meer - mit allem, was man zum Essen braucht, versorgt einen die Natur mehr als großzügig. Fürs Bier, Konserven und ein paar kleine Annehmlichkeiten reicht das Geld, das Marina als Fahrerin verdient und ihr Mann am winzigen Inselflughafen. Er hilft dort jeden zweiten Tag, wenn um kurz nach zehn die Propellermaschine aus Papeete landet, beim Ausladen des Gepäcks.

Tattoo im Gesicht

Nachdem die "Aranui" auf Nuku Hiva ihre Fracht entladen hat, fährt sie weiter zur Nachbarinsel Ua Pou. Dort ist Moana Kohumoetini zu Hause.

Der 36-Jährige arbeitet an Bord des Schiffes als Ober und tritt auch dann in Aktion, wenn sich einer der Kreuzfahrtgäste ein Tattoo stechen lassen will. Eigentlich ist Kohumoetini Tätowierer. Schwer zu erraten ist das nicht, denn sein Körper ist eine einzige Bildergalerie, sogar seine rechte Gesichtshälfte ist tätowiert. "Das sind die Symbole für Zukunft und Vergangenheit", erklärt der muskulöse Mann, dessen Shirt über dem Bizeps spannt. Nirgends auf der Welt haben Tattoos eine solche Tradition wie auf den Marquesas.

Bevor die Weißen auf die Inseln kamen, waren sie die am Körper getragene Lebens- und Familiengeschichte. Junge Männer erhielten ihr erstes Tattoo, wenn sie einen Krieger eines gegnerischen Stammes getötet hatten. Mit jeder zusätzlichen Heldentat verdiente man sich eine weitere auf den Körper gestochene Auszeichnung. Je höher gestellt eine Person war, desto reichhaltiger war der Körperschmuck. Einige Stammes-Chefs ließen sich oft sogar die Zunge tätowieren.

Als die christlichen Missionare auf die Inseln kamen, verboten sie die Tattookunst. Erst 1985, nach dem ersten Festival marquesischer Kultur, besannen sich die Inselbewohner wieder auf ihre Traditionen - damals erlebte auch die Tattookunst eine Renaissance. Heute ist fast jeder Marquesianer tätowiert.

Am nächsten Tag ist Tino Tsien Youn auf Ua Pou für das Beladen der "Aranui" verantwortlich. Vor einigen Jahren verliebte er sich in eine Passagierin aus Deutschland, mit der er inzwischen ein Kind hat. Seitdem verbringt er seinen Urlaub Jahr für Jahr in Berlin-Charlottenburg. Von den Marquesas wegzuziehen, kann er sich aber nicht vorstellen. Die Inseln strahlen für ihn eine besondere Energie aus. "Wenn du nachts in der Bucht von Hatiheu vor Anker liegst und siehst, wie sich der Mond im Meer spiegelt, spürst du eine magische Kraft, die sich auf dich und deinen Körper überträgt." Nach einer kurzen Pause fügt der Muskelpaket gedankenverloren hinzu: "Dann weißt du, warum du lebst."

Weitere Informationen
Die "Aranui"
Das Schiff bricht alle drei Wochen von Papeete zu einer Rundfahrt über das Tuamoto Archipel (Rangiroa) zu allen bewohnten Inseln der Marquesas auf.

Preis pro Person in der günstigsten Kabinenkategorie ab cirka 3800 Euro,

Preis im Schlafsaal ab zirka 2300 Euro, jeweils inkl. aller Mahlzeiten und Ausflüge.

Voraussichtlich im Oktober 2015 wird die "Aranui 3" durch die komfortablere "Aranui 5" ersetzt.

(Eine "Aranui 4" gibt es nicht, weil die Reedereifamilie chinesische Wurzeln hat und in China die Zahl vier für Unglück steht.)
Tahiti Tourisme
Repräsentanz für Deutschland, Österreich und Schweiz, Eyes2market GmbH , Fasanenstraße 2, 25462 Rellingen,

Tel.04101/6968802
Anreise
Air Tahiti Nui fliegt mehrmals wöchentlich (in der Hochsaison täglich) von Paris nach Papeete auf Tahiti.

Durch die Zusammenarbeit mit Air France können Gäste von Deutschland auf dem Air Tahiti Nui Ticket ab Frankfurt nach Paris anreisen.

Tel. 01805/40858574

Rasso Knoller/srt/jkö

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