Reise-Bloggerin Heike Kaufhold: Auf der Straße zu Hause

In ihrem Blog Koeln-format.de berichtet Heike Kaufhold von abenteuerlichen Roadtrips und von den Herausforderungen, die Reisen mit Kindern bereithalten. Zwei Prinzipien hält sie fast immer ein: nie ohne Smartphone - und nie ohne Kaffee.

Reiseblog Kölnformat: Nie ohne mein Smartphone Fotos
Koelnformat.de

Persönliche Texte, neue Blickwinkel: Die deutschsprachige Reise-Blogger-Szene hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt, ein riesiger Schatz von inspirierenden Berichten aus aller Welt ist entstanden. Im Fragebogen-Interview stellen wir die Menschen hinter den originellsten Webseiten vor. Heute: Heike Kaufhold, 36, verantwortlich für koeln-format.de.

Wo fühlen Sie sich am wohlsten: Gebirge, Meer, Großstadt oder Wüste?

Wenn ich allein verreise, dann zieht es mich immer häufiger auf die Straße. Zuletzt fuhr ich mit dem Auto durch Norwegen - vorbei an Fjorden, Wasserfällen und hübschen roten Holzhäusern und rauf auf die schönsten Pässe. Dann gibt es nur das Auto, die Landschaft und mich und ich bekomme den Kopf frei. Ein großer Luxus, selbst über die eigene Zeit bestimmen zu können.
Bin ich mit den Kids (fünf und sieben Jahre alt) unterwegs, erkunde ich mit den beiden sehr gerne Großstädte. Wir waren in London, Paris, Prag, Oslo, Dublin und Istanbul und ich bemühe mich um ein für sie interessantes Programm, das nichts mit dem öden Abhaken von Sehenswürdigkeiten zu tun hat. Auf unserem Programm steht dann eine Stadion-Führung beim FC Chelsea oder ein Besuch im Zoo von Prag. Oft lassen wir uns auch einfach treiben und schauen, was passiert.

Ohne welchen Gegenstand würden Sie niemals reisen?

Ich kann auf meine Kameraausrüstung verzichten oder mal auf meinen Laptop. Aber nicht auf mein Smartphone! Ich fotografiere komplette Reisen mit dem Handy und nutze Instagram exzessiv. Mit dabei ist auch immer ein externer Akku, sonst ginge das Telefon nach wenigen Stunden aus.

Ihr eigenes Lieblings-Blog bislang?

Ich denke, ein Blogeintrag wird zu einem "Liebling", wenn er immer noch ein besonderes Gefühl in mir erzeugt, nachdem ich ihn schon längst veröffentlicht habe. Er katapultiert mich sofort in diese Stimmung zurück, in der ich damals war und lässt mich mit Herzklopfen an diese spezielle Reise denken. Da fällt mir sofort "Was von den heißen Nächten bleibt" ein.

Eine türkische Freundin hatte mir den Tipp gegeben, in Istanbul unbedingt das Viertel Kumkapi am Marmarameer anzusehen. Dort bekamen wir einen wunderbaren Einblick in das Leben der Menschen. Fischer, die mit kleinen Nussschalen raus aufs Meer fuhren, Tee- und Kaffeeverkäufer auf der Promenade, Familien, die mit einem kleinen Grill auf der Wiese picknickten, Jugendliche, die für ein paar Lira mit Schrotflinten auf Flaschen schossen und mittendrin mein Sohn und ich. Erst im Nachhinein las ich über die Probleme, die es in Kumkapi gibt und davon, dass das Viertel als eines der ärmsten Istanbuls gilt. Am Ende unseres Streifzuges wurde es dort tatsächlich etwas ungemütlich.

Hat das Bloggen die Art verändert, wie Sie reisen?

Ja, absolut. Während ich früher einfach mal zwei Wochen am Strand abhängen konnte, will ich jetzt von den Reisen und Urlauben möglichst viele Eindrücke mitnehmen: Menschen treffen, zum Sonnenaufgang Märkte besuchen, Städte und Straßen mit dem Auto erkunden. Ich versuche immer, Reiseziele zu finden, über die ich noch etwas Neues schreiben kann.

Was war Ihre schlimmste Reisepanne?

Mein missglückter Einsatz als Zahnfee! Während der Sicherheitskontrolle auf dem Flughafen Köln-Bonn, kurz vor unserem Abflug nach Prag, verlor mein Fünfjähriger seinen ersten Zahn. Eltern wissen: ein wichtiger Moment! Zumal er sich den am liebsten schon Wochen zuvor selbst gezogen hätte, damit endlich die Zahnfee anrückt und im Austausch gegen den Milchzahn ein Geschenk bringt.

Ich hatte richtig Stress, binnen weniger Minuten ein adäquates Behältnis für das gute Stück zu finden. Ich kaufte für eine horrende Summe eine Seifendose, die nach Erdbeere roch, kratzte den teuren Inhalt raus, beförderte ihn in den nächsten Mülleimer und legte stattdessen den Zahn rein. Ich wusste: Der Junior wird die Dose heute Nacht unter sein Kopfkissen legen und fest mit einem Geschenk im Austausch rechnen.

Aber woher nehmen, wenn man spätabends in Prag landet? Deshalb fand der Junior schließlich fünf Euro Cash unter dem Kopfkissen. Er war zwar hellauf begeistert, musste das Geld am nächsten Morgen aber erst einmal in tschechische Kronen wechseln. Die überforderte Fee hatte in der Eile keinen Geldautomaten gefunden. Und der Zahn müffelt wohl für immer nach Erdbeere.

Wie oft im Jahr sind Sie unterwegs und wie finanzieren Sie Ihre Reisen?

Bei der Planung achte ich darauf, einen guten Mix hinzubekommen aus Reisen, die ich mit den Kindern unternehme, Reisen, die ich alleine umsetze und Reisen, die wir als komplette Familie zu viert machen. Dabei jongliere ich Arbeitstage, Schulferien und Feiertage hin und her, bis alles zusammenpasst. In diesem Jahr komme ich wohl auf 121 Tage, an denen ich unterwegs bin.

Was die Finanzierung angeht: Ich stelle meine Projekte Tourismusämtern und anderen Partnern vor um eine mögliche Unterstützung anzufragen oder nehme - wenn das Thema passt - an Presse- oder Bloggerreisen teil. Neben meinem regulären Job beim Fernsehen verdiene ich mein Geld auch online und schreibe für Corporate Blogs oder Online-Magazine.

Der größte Luxus, den Sie sich unterwegs gönnen?

Ich kaufe Kaffee zum Mitnehmen. Überall. Ständig. Finde ich keinen "To Go", sinkt meine Laune sehr schnell. Je nach Land mache ich Abstriche und bin mit einem schwarzen Kaffee glücklich, wenn man mir nur bitte niemals wieder Dosenmilch reinschüttet (so passiert in Norwegen).

Lesen Sie hier die weiteren Blogger-Fragebogen dieser Serie:

Marianna Hillmer-Wiechmann vom "Weltenbummler Mag"

Christoph Pfaff von VonUnterwegs.com

Yvonne Zagermann von justtravelous.com

Peter Hinze von reception-insider.com Die Fragen stellte Stephan Orth

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Luxusleben
Pango 06.09.2013
Nunja, Geld scheint ja kein Thema zu sein, wenn die Kinder, im sichtbar leistungsfähigen Auto, mal eben jeweils (!) mit einem iPad mini bespaßt werden können. Das Reisen kommt wohl vor allem der Mutter zugute. In dem Alter kann ein Kind noch gar nicht vollumfänglich erfassen, was um es herum alles geschieht und was das bedeutet. Wird aber dann sicher im Blog berichtet, wie sich in zehn Jahren die Teenager entwickelt haben. Zumindest der Rest der Welt konnte es ja bis dahin im Detail im Blog nachvollziehen.
2. Typisch,
reifenexperte 06.09.2013
die nähere Umgebung ihres Heimatortes kennt sie vermutlich überhaupt nicht. Vielleicht ist da die CoffeetoGo Versorgung nicht ausreichend.
3.
teletubbi 06.09.2013
Ich bin darüber gestolpert: "Am Ende unseres Streifzuges wurde es dort tatsächlich etwas ungemütlich." und habe den Blogeintrag gelesen. Wenn die Autorin die Tatsache, sich verlaufen zu haben und nicht sofort ein Taxi zu bekommen "etwas ungemütlich" fand, hat sie wohl von der Welt weniger gesehen als sie etwas Aufmerksamkeit erheischend darstellt. Mehr als nette oberflächliche Plauderei über (gewöhnliche) Orte kann ich bei der "Reisebloggerin" jedenfalls nicht erkennen.
4. ein bisschen dünn
yokolyt 06.09.2013
Ja, aufs Fahrrad schwingen und von Köln nach Düsseldorf fahren, da erlebt Frau Kaufhold mit Sicherheit mehr als in ihren 121 Reisetagen. Möglichst das Smartphone zu hause lassen, da wird der erste Platten schon zur echten Herausforderung und die schlimmste Reisepanne mit "dem Zahn" von Platz 1 ablösen. Ich denke Kaffee wird sie überall bekommen (hoffentlich nicht von Norwegern zubereitet!) (http://www.koeln-format.de/2013/09/06/der-koenig-der-strasse-meine-roadtrip-playlist/) das spricht Bände, mehr kann man in Norwegen ja nicht machen....
5. Sehr zeitgeistkonform. Warum nicht mal was Anspruchsvolles?
gisela.schwan 06.09.2013
Immer diese belanglos-Blogs. Reisen zwischen Konsum und Dooferlebnis. Ein Reiseblog das auch mal versucht hinter die Kulissen eines Landes zu führen wie das nz2go Blog würde es sicher nie zum Spiegel-portait schaffen. Naja ...
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    Heike Kaufhold, 36, ist TV-Journalistin und berichtet in ihrem Blog koeln-format.de von Reisen mit ihren beiden Kindern und von Roadtrips in ganz Europa. Sie lebt mit ihrer Familie in Köln.

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