"Reception insider"-Blogger Hinze: "Menschen sind das wahre Reiseerlebnis"

Hotelärgernisse, PR-Pannen und Berichte über extreme Wettrennen: Der "Reception Insider" Peter Hinze präsentiert in seinem Blog viel mehr als nur persönliche Reiseberichte. Hier verrät er, wie ihn Burmas Konsulat einmal sehr glücklich machte - und was er in vielen Reise-Blogs vermisst.

Reception-insider.com: Ein Tourismus-Blogger unterwegs Fotos
Peter Hinze

Persönliche Texte, neue Blickwinkel: Die deutschsprachige Reise-Blogger-Szene hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt, ein riesiger Schatz von inspirierenden Berichten aus aller Welt ist entstanden. Im Fragebogen-Interview stellen wir die Menschen hinter den originellsten Webseiten vor. Heute: Peter Hinze, 55, verantwortlich für reception-insider.com.

Die verrückteste Reise Ihres Lebens?

3000 Kilometer per Anhalter durch Tibet und China im Jahr 1982, als die Region für Ausländer noch verboten war. Eine Erfahrung von damals ist aber noch heute für mich als Reisenden und Blogger prägend: das Gefühl, ohne Orientierung unterwegs zu sein und nicht zu wissen, wo man sich genau befindet. Heute ist dieses Gefühl abhanden gekommen, denn die (Reise-)Welt ist längst vermessen. Mobiltelefon, Navigationssystem, GPS-Daten, Internet - permanente Erreichbarkeit und ständige Lokalisierung berauben das Reisen vieler seiner Überraschungsmomente. Die meisten Touristen kennen heute schon vor der Abreise ihre Urlaubshotels ganz genau - die Lage der Zimmer, die Farbe der Bettwäsche, welches Bett quietscht, welcher Wasserhahn tropft. Immer häufiger wird die Reise nur noch zur Bestätigung des im Internet zusammengetragenen Wissens.

Wo fühlen Sie sich am wohlsten: Gebirge, Meer, Großstadt oder Wüste?

Ich fühle mich genau in der Mitte wohl. Menschen sind das wahre Reiseerlebnis. Die Landschaft kann den perfekten Rahmen bilden.

Bitte schreiben Sie für uns exklusiv einen Kurz-Blog über Ihre letzte Reise - und zwar in einem Satz:

In Dunkelheit aufgestanden, im Morgengrauen losgelaufen, beim ersten Sonnenschein die Schachen-Alm erreicht, zum "Morgenkaffee" die Meilerhütte erklommen, auf dem Weg ins Tal Enzian bestaunt, Garmisch am Horizont entdeckt und zum Frühstück wieder im Hotel gesessen - 26 Kilometer Trailrunning, 1500 Höhenmeter im Elmautal, so schön kann der Sommer sein.

Ohne welchen Gegenstand würden Sie niemals reisen?

Reisepass. Der war früher noch eine Art touristische Trophäe. Mit Visastempeln ließen sich ganze Weltumrundungen nachvollziehen. Heute könnte man fast sagen: Der Feind des Reisepasses ist die Visafreiheit. Immer häufiger dokumentieren nur mickrige kleine Stempel Ein- und Ausreise, ganzseitige Visa-Aufkleber werden seltener. Eine schöne Ausnahme ist jedoch Burma: In Berlin dauert es bis zu sechs Wochen, ein Einreisevisum zu bekommen. Hier erlebt mein Passgefühl ein Comeback.

Ihre Lieblings-Blog-Einträge bislang?

Vor kurzem hatte ich ein schönes Interview mit Karl Born, Tourismusprofessor und Ex-TUI-Vorstand. Gespräche mit ihm sind auch ein Blick in die deutsche Reiseseele.

Meine schönste Reisegeschichte im klassischen Sinn war die "Top 14 im Norden Thailands". Das ist die Heimat meiner Frau. Es ist eine unterschätzte Region, die schon bald die neue Attraktion des Landes werden und dem Süden mit seinen Inseln Konkurrenz machen könnte. Unter anderem, weil hier einer der letzten traditionellen Waldtempel existiert.

Wichtig sind mir aber auch hintergründige Themen aus der Branche: Wenn ein Öko-Hotel in Thailand als Neuigkeit für seine Gäste einen Helikopter-Service lobt, dann darf der Blogger nicht nur schreiben, wie elegant der Hubschrauber über das Meer schwirrt. Ein Blog muss hinterfragen, wieso ein Öko-Hotel überhaupt einen Heli-Service anbietet.
Solche Berichte gibt es im Reise-Blog-Bereich noch zu wenige, weil sie nicht genügend Klicks produzieren. Das schöne Strandbild, der Blick auf den Teller im Restaurant - das erregt mehr Aufmerksamkeit im Netz.

Was war Ihre schlimmste Reisepanne?

Beim Rucksackpacken in Katmandu in Nepal aus Versehen die Rückflugtickets in den Hotelmüll geworfen. Im Taxi gemerkt. Zurück zum Hotel, Müllcontainer geleert, Tickets gefunden - Flug pünktlich erreicht. Aber noch lange habe ich darüber mit dem Kopf geschüttelt.

Der größte Luxus, den Sie sich unterwegs gönnen?

Eine Thai-Massage in einem asiatischen Spa, wie man es inzwischen überall auf der Welt findet. Von meiner thailändischen Frau weiß ich aber, dass in der globalen Hotellerie die Therapeutinnen aus Asien weltweit immer schlecht bezahlt sind und kaum nachvollziehbare Arbeitszeiten haben. Doch sie benötigen das Einkommen für ihre Familien in der Heimat. Deshalb genieße ich diesen Luxus nie, ohne nachher ein gutes Trinkgeld zu geben. Hinweise auf solche Zusammenhänge vermisse ich oft in Reiseblogs. Dort liest man leider meist nur, wie schön und stimmungsvoll die Spas dieser Welt daherkommen.

Wie oft im Jahr sind Sie unterwegs und wie finanzieren Sie Ihre Reisen?

Im Jahr unternehme ich maximal drei Fernreisen, bevorzugt in die asiatische Region. Immer mal wieder bin ich für bis zu drei Tage in Deutschland oder dem nahen Euro-Raum (Alpen) unterwegs. Da ich in meinem Blog oftmals einen kritischen Rechercheansatz verfolge, hält sich die Anzahl der Einladungen zu Pressereisen in Grenzen. Touristische Unternehmen setzen in der Zusammenarbeit bevorzugt auf Kooperationen, die ihnen eine positive Berichterstattung garantieren.

Nehme ich Einladungen oder Vergünstigungen an, so weise ich auf diese Kooperationen am Ende meiner Beiträge eindeutig hin. Produkte für Tests, wie ich sie zum Beispiel im Trailrunning-Bereich mache, behalte ich teilweise oder erwerbe sie zu einem günstigeren Preis. Das beeinflusst meine Berichterstattung jedoch nicht.

Meinem Lebensunterhalt verdiene ich mit einem asiatischen Day Spa in München. Vom Bloggen leben zu wollen wäre unrealistisch, das wird aktuell (und auf absehbare Zeit) nur sehr wenigen Reise-Bloggern gelingen. Geld verdienen ist sicher möglich - aber primär durch Bannerwerbung oder Verkauf von Content an Reiseveranstalter.

Lesen Sie hier die weiteren Blogger-Fragebogen dieser Serie:

Marianna Hillmer-Wiechmann vom "Weltenbummler Mag"

Christoph Pfaff von VonUnterwegs.com

Yvonne Zagermann von justtravelous.com

Die Fragen stellte Stephan Orth

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insgesamt 12 Beiträge
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1. da sag
sitiwati 01.09.2013
ich nur-wo andere in Urlaub gefahren sind, hab ich gearbeitet, ob ich auch al nen Blog schreibe ??
2. yo...
Layer_8 01.09.2013
Zitat von sysopHotelärgernisse, PR-Pannen und Berichte über extreme Wettrennen: Der "Reception Insider" Peter Hinze präsentiert in seinem Blog viel mehr als nur persönliche Reiseberichte. Hier verrät er, wie ihn Burmas Konsulat einmal sehr glücklich machte - und was er in vielen Reiseblogs vermisst. Reiseblog reception insider: Interview mit Peter Hinze - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/fernweh/reiseblog-reception-insider-interview-mit-peter-hinze-a-916616.html)
...das waren noch Zeiten ohne Internet und EC-Karten. Die Post holte man an diversen GPOs ab und bei Travellers Cheques konnte man auf Banken einen Tag lang verbringen um Bargeld zu bekommen. Und das mit den Visas war wohl immer so ne Sache. Die einen bekamen eins innerhalb von Tagen, die anderen warteten Wochen. Da verdienten dann auch oft unsere Botschaften mit. "Recommendation Letter", ausgestellt in 2 Minuten, Kostenpunkt immer umgerechnet 20 DM oder so. Sonst waren die eigentlich zu nichts gut, wenn man die mal wirklich brauchte.
3. Ich habe auch einen tollen Reiseblog
gmelin_boesselmann 01.09.2013
Schaut doch mal unter www.rucksack-weltreise-senioren.de
4. wen interessiert das?
hugohabicht 01.09.2013
Zitat von sysopHotelärgernisse, PR-Pannen und Berichte über extreme Wettrennen: Der "Reception Insider" Peter Hinze präsentiert in seinem Blog viel mehr als nur persönliche Reiseberichte. Hier verrät er, wie ihn Burmas Konsulat einmal sehr glücklich machte - und was er in vielen Reiseblogs vermisst. Reiseblog reception insider: Interview mit Peter Hinze - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/fernweh/reiseblog-reception-insider-interview-mit-peter-hinze-a-916616.html)
Was sollen in letzter Zeit immer diese Reiseblogs? Wen zur Hölle interessieren die Reisen von anderen?? Reiseblogs sind wirklich die Diavorträge des Internetzeitalters...
5. 1978, 12000km per Anhalter durch die Karibik und Südamerika
ludowico 01.09.2013
Heute weiß ich zumindest immer genau wo ich bin und habe mittlerweile meinen Skizzenblock gegen eine Digitalkamera getauscht, siehe hier: http://www.flickr.com/photos/ludvico/collections/72157635333514224/
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ZUR PERSON

Peter Hinze

Seit Peter Hinze, 55, im Jahr 1976 mit einem VW-Bus ans Nordkap fuhr, wurde er das Reise-Virus nicht mehr los. 18 Jahre lang war er als Redakteur beim "Focus" für die Themen Tourismus und Hotellerie zuständig, seit März 2013 betreibt er das Blog reception-insider.com.


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