Urlaubstipps von Vielreisenden Worauf Reiseblogger fliegen

Zum Skydiven nach Neuseeland oder zum Ausspannen nach Juist, Yoga in Mexiko oder Kajakfahren bei Leipzig? Wir haben sechs Reiseblogger gefragt, was ihre Lieblingsorte weltweit sind - und wo Deutschland am schönsten ist.

Adrenalinkick in Neuseeland: Blogger Sebastian Canaves im freien Fall
Sebastian Canaves / off-the-path.com

Adrenalinkick in Neuseeland: Blogger Sebastian Canaves im freien Fall


Wer so viel rumkommt wie einige der erfolgreichsten deutschen Reiseblogger, kann jede Menge Tipps geben. Oft empfehlen sie besonders exotische Ziele, wir wollten aber auch einmal wissen, wo sie sich in Deutschland am liebsten aufhalten. Sechs Blogger, zwölf Orte - da findet sich bestimmt Inspiration für die nächste Reise!

Lieblings-Sommerreiseziel in Deutschland?

Die Insel Juist in der Nordsee! Ich würde sagen, dass sie zu den eher unbekannten ostfriesischen Inseln gehört, doch das macht sie so besonders. Ich bin vor zwei Jahren zufällig dort gelandet, weil ich für eine Videoproduktion gebucht wurde. Seitdem war ich schon fünfmal auf der Insel, weil sie mich einfach so verzaubert hat. Die Ruhe, die Abgeschiedenheit, die breiten Strände, das im Wind wehende Dünengras, die Sonne, die jeden Abend im Meer versinkt, das Geräusch, wenn der Klunker im Ostfriesentee zerspringt und das Geklapper der Pferdehufen. Juist ist nämlich autofrei, und auf der ganzen Insel fahren nur Pferdekutschen umher. Egal ob die Sonne scheint oder es regnet, die Insel hat eine ganz besondere Atmosphäre und gibt mir das Gefühl, angekommen zu sein. In den letzten drei Jahren war ich in 30 Ländern, und trotzdem habe ich es immer wieder geschafft, nach Juist zu kommen: um hier auch an meinem ersten Roman weiterzuschreiben, der auch auf der Insel spielt. Ich muss also bald wieder hin.

Christine Neder, Lilies Diary

Lieblingsort weltweit?

Ich muss zugeben, der Lieblingsort wechselt regelmäßig. Doch was mich dieses Jahr wirklich absolut vom Hocker gerissen hat, war Chile. Das Land ist so vielseitig. Ich bin ein absoluter Naturfreak, und hier findet man alles. Ich war in der Atacama-Wüste in einem Oasenfluss baden, in einer Mondlandschaft wandern und habe einen Salzsee in 4000 Meter Höhe gesehen. Ein paar Tage später bin ich durch das saftig grüne Patagonien geritten und habe sogar einen Gletscher aus der Nähe gesehen. Es ist unglaublich schön, wie das Eis in allen Blaufacetten leuchtet. Allen Naturliebhabern, die einmal richtig staunen möchten, empfehle ich eine Reise nach Chile.

Christine Neder, Lilies Diary

Lieblings-Sommerreiseziel in Deutschland?

Mich zieht es immer wieder an die Nord- oder Ostsee. Ob nun in Scharbeutz, am Timmendorfer Strand oder auf Sylt – wenn man viel im Ausland reist, vergisst man oft, welch schöne Strände Deutschland zu bieten hat. Sylt ist mir vor allem im Spätsommer ans Herz gewachsen, wenn die Strände wieder leerer sind und eine gewisse Melancholie in der Luft liegt. Und auch wenn das Wetter mal ungemütlicher wird, passt das auf eine wundersame Weise irgendwie zur Insel. Da schmeckt der Kakao in der Strandbude gleich doppelt so gut.

Clemens Sehi, Anekdotique.com

Lieblingsort weltweit?

Wundervolle Erinnerungen habe ich an Iran, wo ich in den vergangenen Jahren gleich zweimal war. Das Land kann ich jedem empfehlen, der sich für die Kultur des alten Persiens begeistern kann – auch wenn es sicherlich kein Reiseland für Anfänger ist. Es warten wunderbare Momente an jeder Ecke: ob in einer der prachtvollen persischen Königsstädte wie Isfahan, in den Paradiesgärten der Dichterstadt Shiraz, in den mystischen Wüsten wie der Dasht-e Kawir oder auf der artenreichen Insel Qeschm im Persischen Golf. Und dann ist da noch die berühmte Gastfreundlichkeit der Iraner, die tief verwurzelt ist in der persischen Kultur und zu so manchen langen Gesprächen und sogar Einladungen nach Hause führt. Eines ist sicher: Bei einer Iran-Reise kann man mit ganz vielen Vorurteilen auf einmal aufräumen.

Clemens Sehi, Anekdotique.com

Lieblings-Sommerreiseziel in Deutschland?

Wenn ich denn mal in Deutschland bin, fahre ich am liebsten in meine alte Heimat zu meiner Mama nach Bayern. Das ist in Donauwörth, einer Kleinstadt in Nordschwaben. Es gibt wunderbare Biergärten in der Natur, einige kleine Seen im Nirgendwo (die man auch nur als Einheimischer kennt) und schöne Wege zum Spaziergehen an der Donau und Wörnitz. Auch als vielreisende digitale Nomadin schätze ich meine Heimat sehr und habe wunderbare Erinnerungen an meine Kindheit dort.

Conni Biesalski, planetbackpack.de

Lieblingsort weltweit?

Ein kleines Dorf an der Pazifikküste Mexikos: Mazunte. Die Strände sind paradiesisch und leer, es gibt viele schöne kleine und gesunde Restaurants sowie ein tolles Yogaangebot. Es ist mein persönlicher Topspot zum Runterkommen und Wohlfühlen. Trotzdem ist es touristisch noch unglaublich entspannt dort - und genau das macht den Ort so besonders.

Conni Biesalski, planetbackpack.de

Lieblings-Sommerreiseziel in Deutschland?

Vor ein paar Jahren haben wir erstmalig in Nordfriesland Urlaub gemacht. Schuld daran war eine TV-Reportage über das Wattenmeer. Die wüstenartige Weite am Strand von St. Peter-Ording, die wilde Nordsee, der Wind – all das hat mich umgehauen. Ein Jahr später sind wir an die Nordsee gezogen, und mein Meerblog ist entstanden. Ein einziger Urlaub kann also fatale Folgen haben: Er kann Stadtmenschen zu Landeiern mutieren lassen, die sich plötzlich im verbalen Austausch mit Schafen wiederfinden. Er kann dazu führen, dass man sich bei 17 Grad Außen- und 16 Grad Wassertemperatur in die Nordsee wirft und von "Anbaden" redet. Und das, obwohl ich Zeit meines Lebens der größte Mittelmeerfan war.

Elke Weiler, Meerblog

Lieblingsort weltweit?

Malmö ist wunderbar. Ich habe es im letzten Jahr für mich entdeckt, und wir werden uns bald wiedersehen. Die südschwedische Stadt steht für perfekte Lage am Wasser, gute Fahrradwege, multikulturelles Ambiente, grünes Engagement und ist mit Kopenhagen über die famose Öresundbrücke verbunden. Der Clou ist aber eines der letzten Kaltbadehäuser in Schweden. So konnte ich schon im Mai im Öresund schwimmen und abwechselnd mit Meerblick saunieren. Ins Kaltbadehaus zu gehen, ist so etwas wie Kaffeeklatsch ohne Kaffee, aber mit dem höchstmöglichen Wellnessfaktor. Und für den Kaffee danach gibt's genügend nette Lokale in der Innenstadt.

Elke Weiler, Meerblog

Lieblings-Sommerreiseziel in Deutschland?

Wenn ich in Deutschland bin, halte ich mich am liebsten in Leipzig auf, besonders gerne im umliegenden Neuseenland. Ich verbinde einen Besuch der Seen meistens mit Sport. So war ich bereits Tauchen im Kulkwitzer See, Stand-up-Paddeln an der Schladitzer Bucht, und bin mit dem Kajak zum Cospudener See gefahren. Auch Kite- und Windsurfen sind hier beliebte Sportarten. An sonnigen Tagen sitze ich gern mit Freunden an einem der vielen Strände und genieße den Sommer. Dafür ist das Leipziger Neuseenland ideal.

Patrick Hundt, 101places

Lieblingsort weltweit?

Kapstadt. Im europäischen Winter herrscht dort das schönste Sommerwetter, daher hat es mich in unserer kalten Jahreszeit schon zweimal nach Südafrika gezogen. In Kapstadt kann ich sowohl die Annehmlichkeiten einer Großstadt genießen als auch die herausragende Natur. Der Tafelberg ist von überall zu sehen und nur eine kurze Busfahrt entfernt. Auch die endlos langen Strände sind stets in der Nähe. Zudem gibt es wundervolle Parks, interessante Märkte und eine Menge Apartheid-Geschichte. Die umliegenden Townships dienen als ständiges Mahnmal und erinnern an die jüngere Geschichte Südafrikas.

Patrick Hundt, 101places

Lieblings-Sommerreiseziel in Deutschland?

Den Sommer verbringe ich immer in Berlin, da ich den Rest des Jahres in der Weltgeschichte umherreise. Ich mag die Stadt einfach unheimlich gerne, und viele meiner nomadischen Freunde sind in den Sommermonaten ebenfalls hier. Um ein wenig Urlaubsgefühl zu bekommen, muss ich mich nur ans Paul-Linke-Ufer in Kreuzberg setzen. Ich wohne auch nur ein paar Minuten zu Fuß vom Ufer entfernt. Wenn es so richtig heiß wird, fahre ich an den Werbellinsee etwas nördlich von Berlin. Der See ist umgeben von Wald, und ich bin dort mitten in der Natur.

Sebastian Canaves, off-the-path.com

Lieblingsort weltweit?

Ganz klar Neuseeland! Meine Freundin und ich waren im April diesen Jahres das erste Mal dort und sind knapp drei Wochen mit einem Wohnmobil auf der Südinsel unterwegs gewesen. Ich glaube, ich habe noch nie so viel in einem Land erlebt wie bei dieser Reise! Wirklich jeden Tag haben wir etwas Besonderes gemacht: Wir waren mit wilden Delfinen vor der Küste Kaikouras schwimmen, waren in den Marlborough Sounds Seekajaken und sind dabei ganz nah an süße Robben gekommen, oder sind in Punakaiki mit Pferden ausgeritten. Unser Highlight war aber der Skydiving-Sprung aus dem Flugzeug über Queenstown.

Zudem ist die Landschaft in Neuseeland der absolute Hammer und ändert sich fast alle hundert Kilometer. Die Einheimischen sind supernett und für jeden Spaß zu haben. Heute frage ich mich, warum ich vorher bereits fünfmal nach Australien geflogen, aber nicht noch die knapp drei Stunden extra nach Neuseeland weiter bin.

Sebastian Canaves, off-the-path.com

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insgesamt 11 Beiträge
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Jürgen von Esenwein 11.08.2015
1. Hallo Globetrotter und -trotterinnen
Ich fasse die Gelegenheit beim Schopf und frage, ob hier Leute lesen oder schreiben, die Erfahrungen mit den Marquesas-Inseln haben. Es wäre schön, wenn die sich mit mir in Verbindung setzen würden. Man findet mich unter Evoi Verlag. Jürgen
Layer_8 11.08.2015
2.
Bin zwar kein Reiseblogger, aber auch so gut um die Welt gekommen. Auch in Kapstadt, Iran und Neuseeland gewesen. Für Deutschland sehe ich hier wohl schon eine gewisse Einseitigkeit an norddeutschen Stränden und wundere mich über das Nichtvorkommen von Schwarzwald und Alpen. Das mit Berlin würde ich allerdings auch unterschreiben. Viele Grüße aus dem Badenerland
k70-ingo 11.08.2015
3.
Zitat von Layer_8Bin zwar kein Reiseblogger, aber auch so gut um die Welt gekommen. Auch in Kapstadt, Iran und Neuseeland gewesen. Für Deutschland sehe ich hier wohl schon eine gewisse Einseitigkeit an norddeutschen Stränden und wundere mich über das Nichtvorkommen von Schwarzwald und Alpen. Das mit Berlin würde ich allerdings auch unterschreiben. Viele Grüße aus dem Badenerland
Das überproportionale Erwähnen der deutschen Strände wundert mich auch, das Fehlen von Schwarzwald und Alpen aber nicht. Als jemand, der ebenfalls bereits viel von der Welt gesehen hat, pflichte ich bei, daß es in Deutschland schöne Ecken gibt - aber gerade diese Beispiele halte ich für weniger empfehlenswert. Allein die Durchseuchung mit dem Kurtaxenwahn ist für mich äußerst abschreckend, außerdem sind diese Destinationen völlig zersiedelt und überlaufen, zu jeder Jahreszeit. Als bekennender Schottlandfan mag ich bezüglich der Vermassung eine schiefe Wahrnehmung haben -nirgendwo in D kann man so viel und so grandiose Natur für sich alleine haben wie in den Highlands- aber die Nordseestrände sind in Holland und Dänemark definitiv schöner und die Ostseestrände in Polen und im Baltikum. Mangels Gelegenheit -meine Familie hatte nie ein Faible dafür- kam es, daß ich meine ersten Gebrigserlebnisse in den kanadischen Rocky Mountains hatte und erst danach in die Alpen gekommen bin. Es war entsetzlich! Den Vergleich mit Kanada im Hinterkopf schockierte mich jeder Anblick dieses verschandelten, zersiedelten, zubetonierten Gebirges zutiefst, egal ob das in der Schweiz, Österreich, Liechtenstein, Italien oder Deutschland war. @Christine Neder: diese Chile-Reise habe ich auch gemacht, inkl. 3 Tagen Osterinsel. Gewiß, die Natur dort ist fasznierend - aber nicht minder entsetzlich anzuschauen wie in den Alpen. Ist Dir die zerstörte Natur Patagoniens nicht aufgefallen, die Millionen vor Jahrzehnten schwachsinnigerweise gefällten Bäume entlang der Carretera Austral? Ich fand das einfach nur schlimm. Ansonsten liebe Reiseblogger, finde ich Eure Tipps leider ziemlich mainstreamig, vom Iran abgesehen. Alles Sachen, die man auch als nicht im Reisebereich tätiger Arbeitnehmer in seinem Jahresurlaub schaffen kann. Man kann auch anders.
Layer_8 11.08.2015
4. Überlaufen
Zitat von k70-ingoDas überproportionale Erwähnen der deutschen Strände wundert mich auch, das Fehlen von Schwarzwald und Alpen aber nicht. Als jemand, der ebenfalls bereits viel von der Welt gesehen hat, pflichte ich bei, daß es in Deutschland schöne Ecken gibt - aber gerade diese Beispiele halte ich für weniger empfehlenswert. Allein die Durchseuchung mit dem Kurtaxenwahn ist für mich äußerst abschreckend, außerdem sind diese Destinationen völlig zersiedelt und überlaufen, zu jeder Jahreszeit. Als bekennender Schottlandfan mag ich bezüglich der Vermassung eine schiefe Wahrnehmung haben -nirgendwo in D kann man so viel und so grandiose Natur für sich alleine haben wie in den Highlands- aber die Nordseestrände sind in Holland und Dänemark definitiv schöner und die Ostseestrände in Polen und im Baltikum. Mangels Gelegenheit -meine Familie hatte nie ein Faible dafür- kam es, daß ich meine ersten Gebrigserlebnisse in den kanadischen Rocky Mountains hatte und erst danach in die Alpen gekommen bin. Es war entsetzlich! Den Vergleich mit Kanada im Hinterkopf schockierte mich jeder Anblick dieses verschandelten, zersiedelten, zubetonierten Gebirges zutiefst, egal ob das in der Schweiz, Österreich, Liechtenstein, Italien oder Deutschland war. @Christine Neder: diese Chile-Reise habe ich auch gemacht, inkl. 3 Tagen Osterinsel. Gewiß, die Natur dort ist fasznierend - aber nicht minder entsetzlich anzuschauen wie in den Alpen. Ist Dir die zerstörte Natur Patagoniens nicht aufgefallen, die Millionen vor Jahrzehnten schwachsinnigerweise gefällten Bäume entlang der Carretera Austral? Ich fand das einfach nur schlimm. Ansonsten liebe Reiseblogger, finde ich Eure Tipps leider ziemlich mainstreamig, vom Iran abgesehen. Alles Sachen, die man auch als nicht im Reisebereich tätiger Arbeitnehmer in seinem Jahresurlaub schaffen kann. Man kann auch anders.
Naja, im Schwarzwald kenn' ich besonders gut aus und finde nicht, dass der hoffnungslos überlaufen ist. Man sollte im Sommer halt den Westweg weiträumig meiden und im Winter hat man seine besonderen Erlebnisse. Der Schneepflug, Loipen usw. fährt da nicht überall durch und mit Schneeschuhen ist man sehr oft der einsame Wanderer. Bei den Alpen denke ich, dass das dann ähnlich ist, obwohl das kein Vergleich zum Himalaya sein kann.
r_schneider_flott 12.08.2015
5. Last Chance
Also meine Empfehlung an alle Reisehungrigen, denen der Spaß über Alles geht: Besucht die Destinationen, die es demnächst nicht mehr gibt. Vorneweg: Die Malediven, bevor sie absaufen, dann Australien, solange es das Barrier Reef noch gibt, dann den Oberrheingraben, solange man die schwülen 40 Grad noch nicht täglich hat, dann Zermatt, solange man den Ort wg. Bergrutsch nicht aufgeben muss, dann Venedig mit dem Kreuzfahrer, solange man den Dogenpalast noch nicht von oben sehen muss, und dann New York und Hamburg, solange man noch Deiche bauen kann. Wie sagte Frau Merkel, damals als Umweltministerin: Jeder Deutsche soll nur so viel CO2 verbrauchen wie der Durchschnittsbürger der Welt. Das wäre pro Jahr ein Flug nach Mallorca, danach gibt es nichts mehr zum Heizen, zum Tanken, zum Essen. Viel Spaß im Urlaub!
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