Abgestempelt Wenn der Pass zum Einreisehindernis wird

Pässe öffnen Grenzen, und die mitunter exotischen Einreisestempel sammelt so mancher gern. Eine tolle Sache - wenn der Stempel nicht zum Einreise-Hindernis wird. Das ist gar nicht mal so selten.

Israelischer Einreisestempel: Nice to have - außer man reist danach gen Arabien
Andrea Warnecke/ TMN

Israelischer Einreisestempel: Nice to have - außer man reist danach gen Arabien


Ein deutscher Reisepass öffnet viele Grenzen. Wer das bordeauxrote Dokument besitzt, muss sich derzeit lediglich für 46 Staaten vorab ein Visum besorgen. Sieben Staaten - darunter die USA, Australien und Kanada - verlangen eine elektronische Einreiseerlaubnis (Esta/Eta), die man spätestens 72 Stunden vor Abflug online beantragen sollte. In 37 Ländern wird erst bei der Ankunft ein Visum (Visa on arrival) erteilt.

In den meisten Ländern außerhalb des Schengenraums werden Ein- und Ausreise mit Stempeln im Reisepass dokumentiert. Sie sind für viele Urlauber beliebte Souvenirs. In Internetforen tauschen sich Sammler darüber aus, wie man trotz automatisierter Verfahren noch ein Sammlerstück ergattern kann.

Doch Stempelvermerke können Vor- und Nachteile haben. "Vor allem in afrikanischen Staaten, die derzeit vermehrt auf digitalisierte Dokumentation umstellen, kann es sinnvoll sein, die Bestätigung des E-Visums ausgedruckt mit sich zu führen und bei der Einreise zusätzlich einen Stempel zu verlangen - sofern dieser nicht ohnehin erteilt wird", empfiehlt der Visumspezialist Sebastian Schmidt von der Berliner Agentur Visumpoint. Die Onlineportale für E-Visa arbeiteten oft noch nicht zuverlässig.

Bei der Einreise in Israel ist es hingegen nicht ratsam, sich einen Stempel in den Pass drücken zu lassen. Bei einem späteren Besuch in arabischen Staaten können die Sichtvermerke sonst zu einer Einreiseverweigerung führen, wie das Auswärtige Amt (AA) auf seiner Webseite informiert.

Daher sehen israelische Grenzbeamte auf dem internationalen Flughafen Ben Gurion sowie an zwei Grenzübergängen nach Ägypten und Jordanien von einem Einreisestempel im Pass ab. Wie das AA bestätigt, werden stattdessen Einreisekarten verwendet, die bei der Ausreise wieder entfernt werden können.

Experten halten die Praxis eingelegter Karten oder Blätter bei einem einmaligen Israelbesuch für sinnvoll. Urlaubern, die mehrfach in das Heilige Land reisen möchten, rät Visumspezialist Schmidt, einen zweiten Pass zu beantragen.

Denn wer für Israel seinen zweiten Pass benutzt, kann auch verschärfte Kontrollen der israelischen Sicherheitskräfte vermeiden. Sollten sich nämlich Visa arabischer Staaten oder Irans im Reisepass befinden, erfolgt nach Angaben des AA bei der Einreise in Israel eine Sicherheitsbefragung. Jordanien und Ägypten sind von dieser Regel ausgenommen. Jeder, der mit Stempel oder Visa von Malaysia, Indonesien oder dem Sudan einreist, muss ebenfalls auf ein entsprechendes Interview durch Sicherheitskräfte gefasst sein.

Wo zwei sich streiten, triezt man den Dritten

Generell gilt: Staaten, zwischen denen die diplomatischen Beziehungen über lange Zeit gespannt sind oder die sogar miteinander im Krieg liegen oder kürzlich lagen, sehen ungern Einreisestempel ihrer "Gegner" in den Pässen von Besuchern. Dass Touristen nur urlauben wollen und sich dabei von aller Politik distanzieren könnten, ist ein weitverbreiteter Irrglaube: Zumindest minimale Kenntnisse über das Land, in das man reist und die dortigen Empfindlichkeiten sollte man sich aneignen. Sonst könnte Ärger drohen, wo man ihn nicht vermutet.

Deutscher Pass: eigentlich ein guter Türöffner
Andrea Warnecke/ TMN

Deutscher Pass: eigentlich ein guter Türöffner

So kann auch für Deutsche, die häufig in der Türkei Urlaub machen, ein zweiter Pass sinnvoll sein. Zumindest, wenn sie vorhaben, nach China zu reisen und dafür ein Visum zu beantragen. Der Grund: Wer viele türkische Stempel im Reisepass hat, kann ins Generalkonsulat der Volksrepublik China in Frankfurt bestellt werden und muss dort weitere Angaben zu den Anlässen dieser Reisen machen.

Wie sinnvoll zwei Pässe sind, zeigt sich auch, wenn mehrere Auslandsaufenthalte in visumspflichtige Staaten in kurzer zeitlicher Folge geplant sind. Um die entsprechenden Dokumente zu besorgen, reicht ein Pass oft nicht aus.

Für die Ausstellung eines zweiten Reisedokuments muss gemäß Passgesetz aber ein berechtigtes Interesse nachgewiesen werden. Dieses kann in zeitlichen Überschneidungen bei der Visaerstellung bestehen. Auch die Tatsache, dass dem Antragsteller vermutlich die Einreise in ein Land verweigert wird, weil er sich zuvor in bestimmten Staaten aufgehalten hat, wird akzeptiert.

Die USA: ein skeptischer, neugieriger Gastgeber

Die Einreiseformalitäten für Reisen in die USA sind mit Einführung der Esta-Formulare und der Teilnahme am sogenannten Visa Waiver Programm stark vereinfacht worden. Doch auch hier gibt es Ausnahmen: Wer sich seit 2011 in Syrien, Sudan, Libyen, Jemen, Somalia, Irak und Iran aufgehalten hat, muss persönlich in der US-Botschaft in Berlin oder in einem der US-Konsulate in Frankfurt am Main oder München erscheinen und dort ein Visum beantragen, das ihm im Anschluss per Post zugeschickt wird.

"Der Reisende wird zum Anlass seiner Reise interviewt und muss sich bestätigen lassen, dass er nur zu Touristenzwecken dort war", sagt Wiebke Thusek. Die Reisebüroinhaberin aus Uetze bei Hannover wird sich in Zukunft mehr als bisher mit Einreiseformalitäten befassen müssen. Mit Inkrafttreten des neuen Pauschalreiserechts am 1. Juli 2018 sind Reisebüros gesetzlich dazu verpflichtet, Pauschalurlauber vor Vertragsabschluss umfassend über Visa- und Impfvorschriften sowie Einreisebestimmungen des Ziellandes zu informieren.

Um sich gegen Haftungsansprüche abzusichern, muss sich die Reiseexpertin schriftlich bestätigen lassen, dass sie ihre Kunden aufgeklärt hat. Sollten die Urlauber nicht informiert worden sein, können sie Schadensersatz verlangen, wenn sie zum Beispiel bei der Einreise in ein Land scheitern.

Start-ups wie Passolution haben bereits erkannt, dass den Reisebüros künftig ein erhöhter Arbeitsaufwand bevorsteht. Das junge Unternehmen aus Köln will den Agenturen aufwendige Recherchen beim AA ersparen. "Auf Basis einer umfangreichen Datenbank werden Reisebüros über eine Schnittstelle vollautomatisiert mit allen relevanten Bestimmungen versorgt", erklärt Geschäftsführer Dennis Zimon. Dabei werde auch über das mögliche Konfliktpotenzial bestimmter Stempel und Sichtvermerke informiert.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, Visa müssten in der US-Botschaft in Berlin oder in einem der fünf US-Konsulate beantragt werden. Tatsächlich vergeben neben der Botschaft nur die Konsulate in Frankfurt oder München Nicht-Einwanderungsvisa.

Catharina Puppel, dpa



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