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Reiseziel Mali: Träume von Timbuktu

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Mali ist das Land der Dogon, der Lehmstädte und der spektakulären Musikfestivals - und leidet im Norden unter kriminellen Banden. Die Region, in der jetzt eine Deutsche entführt wurde, bieten deutsche Reiseveranstaltern nur vereinzelt an.

Wer Mali sagt, träumt von Timbuktu: Allein der Name entfacht das Afrika-Fieber, die Sehnsucht nach Abenteuer auf dem Schwarzen Kontinent. Ihre Hochzeit erlebte die Lehmstadt am Niger zwar schon im 15. und 16. Jahrhundert, als Sklaven-, Salz- und Goldkarawanen die damals größte Metropole der Region ansteuerten und das Zentrum der muslimischen Gelehrsamkeit hier in der Wüste lag.

Doch ihr sagenhafter Nimbus verführte Afrikaforscher noch im 19. Jahrhunderts zu lebensgefährlichen Expeditionen in den Westen des Kontinents - und zieht heute zahlreiche Touristen an. Was sie in der rund 1000 Jahre alten Stadt vorfinden, ist ein sorgfältig restauriertes Häuserensemble, das geschützte Unesco-Weltkulturerbe sticht im Hinterland des bitterarmen Mali hervor.

Doch Mali hat Touristen weit mehr zu bieten als die berühmte Wüstenstadt. Kulturelle Höhepunkte im Jahresverlauf sind die prächtigen und spektakulären Musikfestivals wie das weltweit bekannte "Festival au Desert" in Essakane, rund 70 Kilometer westlich von Timbuktu, das alljährlich im Januar stattfindet. Tausende Nomaden in traditoneller Kleidung, auch aus umliegenden westafrikanischen Ländern, strömen in die Oase. Tagelang wird getrommelt, getanzt und gefeiert. Oder das "Festival sur le Niger" im Februar, das erst vor wenigen Jahren als Pendant des erfolgreichen Festival au Desert in Ségou ins Leben gerufen wurde.

Weniger bekannt ist das Fest "Tamadacht" in Andéramboukane, in Malis entlegenen Nordosten an der Grenze zum Niger. Dort wurde eine Reisegruppe eines deutschen Veranstalters am Donnerstag überfallen, eine 75-jährige Deutsche, ein Schweizer Ehepaar und ein Brite wurden entführt. Auf dem alle zwei Jahre stattfindende Festival feiern die Tuareg-Stämme der Grenzregion ihre Kultur, tragen sportliche Wettkämpfe aus und regeln Streitigkeiten - Touristen sind hier selten.

Und das hat seinen Grund, denn vor dem Besuch dieser Gegend nördlich des Nigers warnt auch das deutsche Auswärtige Amt (AA) ausdrücklich wegen erhöhter Kriminalität und möglicher Entführungen und nimmt nur die Städte Timbuktu und Gao aus: "Die Sicherheitslage im Norden Malis wird durch bewaffnete, grenzüberschreitend operierende Gruppierungen erheblich gefährdet", schreibt das AA seit längerem in seiner Reisewarnung.

Mali reizt Afrika-Kenner

Bei den größeren deutschen Reiseveranstaltern, die Studien- oder Wanderreisen nach Mali im Programm haben, wie Studiosus oder Wikinger, wird ein Besuch dieses Tuareg-Festivals nicht angeboten. "Wir fahren mit Kunden nicht in Regionen, vor denen das Auswärtige Amt warnt", sagt auch Xenia Kuhn von Hauser Exkursionen in München, der Trekkingtouren weltweit anbietet.

Die meisten deutschen Reiseveranstalter konzentrieren sich auf Ziele, die am oder in der Nähe des Niger liegen. Dazu gehört etwa die Unesco-Weltkulturerbe-Stadt Djenné, die jeden Montag einen der größten Märkte Afrikas vor dem größten Lehmgebäude der Welt, der 100 Jahre alten Großen Moschee, erlebt. Auf den Programmen stehen außerdem Mopti, das sogenannte Venedig des Sudans am Zusammenfluss von Bani und Niger, Ségou, die mit französisch-sudanesische Kolonialarchitektur aufwartet, die Hauptstadt Bamako, ein Besuch der Dogon-Stämme und oft auch eine Pinassenfahrt auf dem Niger.

Mali, wie auch andere westafrikanische Länder, reizen besonders Afrika-Kenner, sagt Xenia Kuhn, also Kunden, die den Kontinent schon mehrmals bereist haben. "Mali ist noch ursprünglich. Das Reisen dort nicht luxuriös, es gibt keine schönen Hotels, oft wird im Zelt übernachtet." Was die Hauser-Expertin und ihre Kunden an Mali fasziniert, sind das besondere afrikanische Licht, das vor allem Fotografen begeistert, die Farben des Landes und die Fröhlichkeit der Menschen.

Die nächste Reise von Hauser werde voraussichtlich wie geplant stattfinden, sagt Kuhn. Sollten sich die Warnungen des AA jedoch ausdehnen, könne das Unternehmen noch sehr kurzfristig reagieren.

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