Reiten in Südafrika Im Galopp mit Giraffen

Das Nashorn lässt den Reiter dicht heran, die Giraffe wagt einen gemeinsamen Galopp: Zu Pferd ist die Begegnung mit Natur und Kultur Südafrikas besonders intensiv. Reitsafaris führen durch Busch, Weinberge und entlang von Stränden.


Kapstadt/Pongola - Die Morgensonne strahlt, die Luft ist klar. Das Landgut "Palmiet Valley" am Fuße der Drakenstein-Berge, etwa eine halbe Stunde von Kapstadt entfernt, erwacht. In den Weinbergen und Obstplantagen wird schon gearbeitet. Ein Mercedes-Oldtimer rollt durch den Park des restaurierten Herrenhauses, erbaut 1717 von Holländern in dem für die Kapregion typischen "Cape Dutch", dem kapholländischen Baustil. Der Gast in Reitkleidung versinkt tief im Fond der Limousine, Baujahr 1958. Am Steuer sitzt der deutsche Hausherr selbst, Fred Uhlendorf.

Uhlendorf fährt seine Gäste zu ausgewählten Reitställen der Umgebung - eine überaus stilvolle Anfahrt für einen Ausritt in die Winelands. Diesmal geht es zum Reitstall "Paradise Stable" bei Franschhoek, neben Stellenbosch und Paarl eines der bekannten Weinanbaugebiete der Gegend. "Wir reiten heute zum Weingut "Mont Rochelle"", erklärt der Besitzer Pieter Hugo. Dafür werden einige seiner 25 Araber gesattelt. "Wir züchten unsere Pferde selbst", erklärt der 55-Jährige.

Auf der Tour durch die Weinberge geht es vorwiegend im Schritt. "Die Leute können so die Landschaft genießen, und auch schwächere Reiter fühlen sich sicher", erzählt Pieter. Nach etwa einer Stunde ist das Weingut erreicht. Während die Pferde angebunden warten, kosten die Reiter verschiedene Weine. "Mont Rochelle" ist eines der wenigen Weingüter mit einem farbigen Besitzer und einer Frau als Winzerin. Leicht beschwingt geht es auf dem Pferderücken zurück zum Stall.

Mehrtägige Trails mit Weinverkostung

Am Tag darauf steht ein Besuch bei Michelle Mazurkiewicz auf dem Programm. Die 35-Jährige ist eine echte Pferdefachfrau. Auf ihrem Hof bei Rhebokskloof können Urlauber Ausritte in die Umgebung machen. "Wir unternehmen aber auch mehrtägige Trails mit Übernachtungen auf Weingütern - natürlich mit Weindegustation", erzählt Michelle. Bereits vor vielen Jahren gründete sie ihre Firma "Wine Valley Horse Trails", inzwischen besitzt sie mehr als 180 Pferde, die sie auch für Filmaufnahmen zur Verfügung stellt. So trabten ihre Rösser zum Beispiel im deutschen Fernsehfilm "Nibelungen" durchs Bild.

Nicht weit entfernt ist der Ort Diemersfontain bei Wellington. Dort hat Katrin Steytler einen kleinen Reitstall mit zehn Pferden. "Wir besuchen die älteste Olivenfarm der Kapregion", sagt die Reitführerin - kulinarische Genüsse sind bei den Ritten am Kap offenbar obligatorisch. Der Ausritt im klassischen englischen Sattel führt auch zu mannshohen Protea-Büschen. Es ist die Nationalblume Südafrikas, und sie wächst als riesiger Busch mit vielen Blüten.

"Afrika ist Abenteuer im Busch" - wer davon träumt, ist in der Kapregion allerdings falsch. Dazu muss man in andere Landesteile reisen oder einen Kompromiss eingehen: Zum Beispiel zwei Autostunden nordöstlich von Kapstadt in der Karoo ist das möglich. Mitten in einsamer Steppenlandschaft liegt dort das "Aquila Game Reserve" bei Touws River. In diesem Gehege lassen sich Wildtiere aus nächster Nähe auch vom Pferd aus beobachten.

Nashörner lassen sich durch Reiter nicht stören

"Unsere Tiere sind so sehr an Menschen gewöhnt, dass es sie nicht stört, wenn wir nahe heran reiten", erzählt Deon Gericke. Der Ranger nähert sich gerade mit einer Reitergruppe drei Nashörnern. Im Schritt geht es ganz langsam bis auf einige Meter an sie heran. Die sonst so scheuen Tiere bleiben tatsächlich stehen und lassen sich fotografieren. Die Pferde werden selbst in nächster Nähe zu gefährlichen Tieren nicht nervös, die reitenden Touristen schon eher.

Etwa 700 Tiere leben in dem Wildpark, darunter Springböcke, Gnus, Wasserbüffel und Warzenschweine. "Mit den Pferden kommen wir noch viel näher an die Tiere heran als mit den Jeeps", versichert Deon.

Wer Afrika-Anfänger ist und noch nie den wirklichen Busch durchritten ist, wird diesen durchaus touristischen Ritt genießen können. "Letztendlich ist es die Begegnung mit der Landschaft, der Natur und Kultur, was Reiturlauber in Südafrika suchen", beobachtet Sandra Noth, die mit ihrer Agentur "Hop-on-rides" speziell für deutschsprachige Reitaufenthalte im südlichsten Afrika organisiert.

Südafrika: Die abwechslungsreiche Landschaft ist ein ideales Ziel für Reiter
GMS

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Unweit der Garden Route, Südafrikas bekanntester Touristenstrecke an der Südküste entlang, liegt bei Hermanus das private "Grootbos Naturreservat". Dort können geübte und ungeübte Reiter Natur pur erfahren. Die Pferde stehen dafür schon geputzt und gesattelt bereit.

Die täglichen Ausritte führen durch das 17 Quadratkilometer große Gelände in die Fynbos-Vegetation, wohlduftend mit Erikas, Pelargonien, Orchideen und wilden Kräutern. "Mit mehr als 700 Pflanzenarten haben wir ein einzigartiges Ökosystem", erklärt Michael Lutzeyer, einer der deutschstämmigen Besitzer. "Vor allem unser Wald mit seinen 1000 Jahre alten Milkwood-Bäumen ist einmalig."

Gischtreiten macht Pferde nervös

Im Schritt geht es dann den Hügel hinauf. Auf der ganzen Reitstrecke haben die Reiter einen hervorragenden Blick aufs Meer bis hin zum knapp 100 Kilometer entfernten Kap der Guten Hoffnung. Viel näher ist das Cape Agulhas, der südlichste Punkt des afrikanischen Kontinents. Dort treffen sich der Atlantische und der Indische Ozean.

Ein Ausritt direkt ans Meer ist erfahrenen Reitern vorbehalten. "Das ist ein etwas anspruchsvollerer Ritt", sagt Lutzeyer. In der Tat: Vom blauen Himmel brennt die Sonne, die Wellen schlagen hoch. Die Pferde wagen sich ein wenig ins Wasser und schrecken dann wieder vor der Gischt zurück. Der starke Wind wühlt das Wasser und die Pferdenerven auf. Da braucht der Reiter eine ruhige Hand. Doch schon ein paar Meter weiter weg wechselt das Verhalten der Pferde, und sie sind wieder lammfromme Arbeitstiere.

"Wie in "Grootbos" stehen in vielen Resort-Hotels Pferde für Ausflüge bereit", sagt Stefanie Sattler vom Deutschland-Büro von South African Tourism. "Reiten genießt in ganz Südafrika einen hohen Stellenwert, und das reichhaltige Angebot wird ständig erweitert."

Doch was wäre ein Südafrika-Urlaub ohne einen Abstecher in den Busch? Hoch zu Ross ist das ein besonderes Erlebnis. "Wenn ich vom Sattel aus Antilopen, Zebras und die anderen wilden Tiere beobachten kann, gerate selbst ich immer noch ins Schwärmen", erzählt Isabelle von Stepski. Die ausgewanderte Österreicherin ist die Besitzerin von "Pakamisa", einem 2500 Hektar großen Buschreservat, das auf einer Bergkuppe bei Pongola im Nordosten der Provinz KwaZulu-Natal liegt.

Neugierige Langhälse

Stepski geht mit Touristen auf selbst gezüchteten Arabern auf die Reitsafaris. Auch Anfänger können während einer Reittour auf ihrem Anwesen Wildtiere aus nächster Nähe beobachten. Etwas Geschick bedarf es allerdings schon, die scheuen Tiere aufzuspüren.

"Da vorne sind sie", ruft jemand aus der Reitergruppe. Neugierig schauen die Giraffen auf die Pferde herab. Eine ganze Weile lassen sie sich - verhalten und selbst etwas neugierig - bewundern. Plötzlich galoppieren sie, langbeinig und graziös, wie in Zeitlupe davon - und die Pferde gleich hinterher. Im Galopp mit Giraffen: Ein Reitertraum geht in Erfüllung.

Daniela David, gms



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