Fotoserie über Hirtennomadinnen Verdammt zäh

Kaum ein anderes Volk lebt in so großer Höhe wie die Changpa. Die tibetischen Hirtennomaden ziehen mit ihren Tieren über ein karges Hochplateau. Eine Fotoserie zeigt den harten, aber auch wildromantischen Alltag.

Ritayan Mukherjee

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Sie leben dauerhaft in Höhen von über 4000 Metern und überstehen lange und eisige Winter: Die Changpa sind tibetische Hirtennomaden, die im Hochland von Changthang leben, das sich von Tibet bis nach Ladakh in Nordindien erstreckt. Auf der Suche nach Gras durchstreifen sie mit ihren Schafs-, Ziegen- und Yakherden die einsamen und kargen Steppen.

Seit 2015 fotografiert Ritayan Mukherjee eine Gruppe dieser widerstandsfähigen Menschen, die in einem Tal in der Nähe des Dorfes Hanle in Ladakh, nahe der indisch-chinesischen Grenze leben. Das Gebiet ist aus Sicherheitsgründen für Fremde gesperrt, selbst Mukherjee als Inder musste eine Sondergenehmigung einholen.

In seiner Serie "Women Shepherdess of Changthang" stellt der Fotograf die Frauen in den Fokus und zeigt ihren Alltag. Sie sind gegenüber den Männern gleichberechtigt - das heißt auch, dass sie ebenso schwere Arbeiten erledigen. Er fotografierte ihren Alltag in der kargen, endlos und unwirklich erscheinenden Landschaft: den Aufbau der Zelte, das Sammeln von Brennmaterial oder das Herstellen von Wolle.

Fotostrecke

15  Bilder
Auf über 4000 Meter Höhe: Das Leben der Changpa-Frauen

Etwa 40 bis 50 Changpa-Familien leben in Zelten im Hanle-Tal und ziehen mit ihren Tieren umher. Die Ziegen, Schafe und Yaks liefern den Menschen Fleisch, Milch, Fell und Leder. Die daraus erzeugten Produkte tauschen viele gegen andere Waren. Außerdem verdienen die Changpa Geld mit dem Verkauf von Kaschmirwolle, die von der weichen Unterwolle der Changthangi- oder Kaschmirziege stammt.

Mukherjee besuchte die Menschen das erste Mal im Winter: "Ich wollte eine starke Beziehung zu einer Changpa-Familie aufbauen. Ich wählte die kalte Jahreszeit, weil sie dann ein sesshaftes Leben führen." Der Nachteil: Mukherjee musste bei Temperaturen von bis zu minus 15 Grad arbeiten.

Um weitere Aspekte ihres Lebens zu zeigen, kam er jedoch zwei weitere Male zu anderen Jahreszeiten wieder und blieb jeweils zwei bis drei Wochen. Von den Menschen wurde er schnell angenommen: "Ich wohnte meistens bei ihnen. Ich aß, was sie aßen, und versuchte, meinen Lebensstil entsprechend anzupassen", sagt Mukherjee.

Seine Fotos zeigen eine Lebensweise, fernab vom urbanen Lifestyle. Städter seien viel mehr von materiellen Dingen abhängig und nie zufrieden, sagt der Fotograf. "Die Nomaden folgen einfachen Philosophien wie 'Weniger ist mehr'. Ihr Leben ist sehr hart, aber sie beschweren sich nie über etwas."

Die Serie ist Teil des größeren Projekts "Sans Terre", in dem sich Mukherjee mit weiteren Hirtennomaden-Gemeinschaften beschäftigt. Er will nicht nur deren Alltag zeigen, sondern auch auf die Gefahren hinweisen, denen die Menschen ausgesetzt sind: "Urbanisierung und Industrialisierung verschlingen ihre Weidegründe, neue Gesetze der Regierung schränken ihre Bewegungsfreiheit ein, und der Klimawandel beeinflusst die Ökologie der Gebiete, in denen sie leben."

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