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Extremfotografie auf Hochhäusern: "Wir sind nicht leichtsinnig"

Von Stephan Orth

Er kletterte nachts auf den Kölner Dom, sucht ständig nach illegalen Aussichtspunkten auf Wolkenkratzern: Die Bilder des Fotografen Wadim Machorow sind nichts für Menschen mit Höhenangst. Er selbst hält die Risiken für vertretbar.

Spektakuläre Hochhaus-Fotos: Die Stadt von oben Fotos
Vadim Makhorov

Zwei Füße in locker geschnürten Sneakers baumeln über dem Abgrund, ein Kirchenschiff ist Dutzende Meter tiefer zu sehen, noch weiter unten die "Hauptbahnhof"-Leuchtschrift. Von einem der Türme des Kölner Doms machte Wadim Machorow ein Foto, das bei vielen Betrachtern Schwindelgefühle auslösen dürfte.

Die Sneakers baumeln nicht über dem Südturm, dessen Aussichtsplattform jährlich Hunderttausende Touristen besuchen, sondern über dem normalerweise nicht zugänglichen Nordturm. Machorow kletterte mit einem Reisegefährten nachts bis ganz nach oben. Legal ist das nicht.

Und genau darin liegt für die Aktiven einer der Reize des sogenannten Roofing: Es geht darum, ohne Seilsicherung auf hohe Gebäude zu klettern und später ein paar Fotos und Videos der gefährlichen Ausflüge im Internet zu veröffentlichen. Je atemberaubender die Ausblicke, desto höher die Klickzahlen - das bewies zuletzt ein YouTube-Film von einer Klettertour auf den mehr als 600 Meter hohen Shanghai Tower in China.

Ratlose Polizisten, mickrige Strafe

Das Risiko spielt Machorow, der aus Novosibirsk in Sibirien stammt, herunter: "Es gab noch nie eine Situation, wo jemand fast heruntergefallen wäre", schrieb der 24-Jährige per E-Mail an SPIEGEL ONLINE. "Ich habe kein bisschen Höhenangst. Einige Bilder scheinen riskant zu sein, aber wir haben einen Kopf auf den Schultern, und wir sind nicht leichtsinnig."

Wer die Bilder betrachtet, kann das durchaus anders sehen. In Prag wurde Machorow im vergangenen Sommer verhaftet, als er auf den Veitsdom klettern wollte. "Die tschechischen Polizisten wussten nicht so recht, was sie mit uns machen sollen, weil sie so etwas zum ersten Mal erlebten", schreibt er in seinem Blog. Er und sein Reisepartner seien schließlich freigelassen worden und hätten nur eine Strafe von 500 Kronen (18 Euro) zahlen müssen.

"Es muss in so einem Fall erst bewiesen werden, dass wir das Gesetz brechen", sagt Machorow. "Wir sind Fotografen, die ungewöhnliche Orte für ihre Arbeit suchen." Nachmachen sollte man so etwas nicht. Nach deutschem Recht gilt: "Die begeben sich auf Privatgrund, da könnte ein Hausfriedensbruch vorliegen", sagt ein Sprecher des Ordnungsamtes Frankfurt. Es sei Aufgabe des Eigentümers, derlei zu verhindern.

In zwölf Städten suchte Machorow auf einer Europareise im Sommer 2013 nach Motiven. In Benidorm und Warschau, in Köln und Frankfurt. "Es ist wichtig, dass ein Gebäude einen tollen Blick erlaubt - zum Beispiel, wenn es das höchste in der Innenstadt ist", sagt Machorow. Erst vor vier Jahren begann er mit der Fotografie, eine spezielle Ausbildung dafür hat er nicht gemacht. Auch nicht, was das Klettern angeht: "Ich habe nur aus meinen Versuchen und Fehlern gelernt."

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insgesamt 63 Beiträge
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1.
thomas_gr 24.02.2014
Schwindelerregend was die da machen. Was wollen die aber gegen eine unerwartete Windböe tun?
2. optional
daskleenene 24.02.2014
Leichtsinnig sind sie nicht, das stimmt, lebensmüde passt besser. Aber bitte, jedem Tierchen sein Pläsierchen, denn spektakulär sehen die Bilder ja schon aus.
3. Der Krug
der_eingeweihte 24.02.2014
geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Natürlich ist das leichtsinnig. Solange er überlebt, ist es toll - nur danach nicht mehr....klarer Denkfehler, weil ja nur die Überlebenden berichten können
4. Unverantwortlich
henrikw 24.02.2014
wie SPON durch wiederholte Berichterstattung diesem Typen eine Plattform bietet und das illegale Verhalten dadurch unterstützt.
5. Nervenkitzel
marcuspüschel 24.02.2014
Eigentlich bin ich nicht wirklich von Höhenangst befallen. Aber bei diesem Video bekomm ich weiche Knie. http://www.youtube.com/watch?v=kh5yYDNdKPo&index=13&list=FLPM2FujggeRQ6GBad5ebxSQ
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