Südafrika-Safari Nächster Halt Nashorn

Es muss nicht immer der Krüger-Park sein: Auch im noch wenig überlaufenen Hluhluwe-Umfolozi-Nationalpark haben Safaritouristen beste Chancen, die "Big Five" zu beobachten. Dazu lernen sie, dass man nicht nur in dänischen Zoos traurige Giraffen-Schicksale erleben kann.

TMN

Durban - Nur wenige Meter hinter dem Parkeingang legt der Busfahrer, der uns ins "Hilltop Camp" bringt, eine Vollbremsung hin und zeigt auf die Straße. Das erste Nashorn? "Nein, nur ein Mistkäfer", ruft einer, der ganz vorne sitzt und gute Augen hat. Der kleine Krabbler müht sich gerade damit ab, seine Kotkugel über die Straße zu rollen.

Die Teleobjektive sind zackig in Position. Schließlich ist der Käfer das erste Tier, dem wir begegnen. Und wir steigern uns schnell - je weiter wir in den Park in der Provinz KwaZulu-Natal fahren, desto größer werden die Wildnisbewohner: Ein Warzenschwein kreuzt die Straße, eine Hyäne schleicht im Gebüsch umher. Und dann: ein Nashorn! Gemütlich trottet es um ein Wasserloch, lässt sich auch von einem Vogel nicht stören, der auf seinem Rücken sitzt. Unser erstes "Big Five"-Tier, obwohl die richtige Safari noch nicht einmal begonnen hat.

"Big Five", "die großen Fünf" - so tauften einst Großwildjäger Elefant, Nashorn, Büffel, Leopard und Löwe. Jene Tiere, auf die die Jagd besonders gefährlich war. Sie zu sichten ist heute der Traum aller Südafrika-Safaritouristen. Die meisten fahren in den weltberühmten Krüger-Nationalpark. Dabei liegt rund 250 Kilometer nördlich von Durban mit dem "Hluhluwe-Umfolozi Game Reserve", dem ehemaligen Jagdrevier des berühmten Zulu-Königs Shaka, eine großartige Alternative für Wildnisfans. Wesentlich kleiner zwar, dafür aber auch nicht so überlaufen wie der Krüger-Park.

Bei der Ankunft im "Hilltop-Camp" stehen die Safari-Jeeps schon zur Abfahrt in die Wildnis bereit. 17 Uhr - der perfekte Zeitpunkt. Die untergehende Sonne läßt die Landschaft in Grün- und Gelbtönen leuchten. Afrikafarben. Ein sanfter Wind weht. Und: Gerade jetzt, in den Abend- und auch in den Morgenstunden, sind die Tiere aktiv.

Schon an der ersten Kreuzung biegt unser Guide Mahani vom asphaltierten Hauptweg auf eine Schotterpiste ab. Nach ein paar hundert Metern schaltet er den Elektromotor ab, rollt noch ein Stück weiter - Mahani hat einen geübteren Blick als wir. "Da hinten, Büffel", sagt er leise. Alle Objektive richten sich nach links, die Auslöser klicken. Ansonsten herrscht andächtige Stille.

Weltweit die meisten Weißen Nashörner

"Kann es weitergehen?", fragt Mahani nach ein paar Minuten. Hinter der nächsten Kurve hat er eine Giraffe entdeckt. "Die sucht gerade nach ihrem Jungen", erklärt er. "Richtig traurig sieht sie aus - vielleicht hat es ein Löwe gerissen". Im Jeep herrscht betretenes Schweigen. Es ist quasi der Marius-Moment der Tour.

Der Park ist von einem Zaun umgeben und Wildhüter schauen nach dem Rechten. Ansonsten aber ist das Gelände eine rund 960 Quadratkilometer große Wildnis. 5500 Büffel, 500 Giraffen, 15.000 Antilopen, 80 Leoparden, 200 Löwen, 1800 Zebras, 700 Elefanten und die mit rund 1000 Exemplaren weltgrößte Population weißer Nashörner leben hier. Deshalb ist auch das "Hilltop-Camp" sicher eingezäunt. Schließlich sollen Touristen auf dem Weg von ihrer Hütte ins Restaurant lieber nicht Bekanntschaft mit einem Nashorn machen.

Und dann: "Löwen in Sicht", ruft Mahani begeistert und gibt Gas. Über Funk hat er den Hinweis eines Kollegen bekommen. Gleich fünf Safari-Fahrzeuge und ein paar Pkw stehen wenig später am Straßenrand. Alle Augen sind nach rechts gerichtet. Und tatsächlich. Im hohen Gras liegt versteckt eine Löwin - selbst mit dem Fernglas kaum auszumachen. Mahani rollt ein Stück vor, legt wieder den Rückwärtsgang ein, doch so richtig will das Tier nicht vor die Linse. "Wir probieren es später noch einmal", sagt er. "Wenn es dunkel ist, sind die anderen Autos weg. Und wenn die Löwin gerade nicht hungrig ist, bewegt sie sich kaum vom Fleck."

Es dämmert, Mahani schaltet die großen Suchscheinwerfer ein. Mit einem leuchtet er nach rechts, den anderen hat er einer Mitfahrerin in die Hand gedrückt. Manche Besucher kommen dagegen mit kriminellen Absichten in den Hluhluwe-Umfolozi - und mit scharfen Waffen: Wie in vielen Parks gibt es auch hier Probleme mit Wilderern. Knapp 700 Nashörner wurden allein im vergangenen Jahr in Südafrika illegal erlegt.

Herrenbesuch im Scheinwerferlicht

Die Suche ist an diesem Abend zunächst wenig ergiebig. Die großen Tiere haben sich offenbar verzogen. Im offenen Safariauto wird es langsam empfindlich kalt, der Fahrtwind zieht durch alle Ritzen. Bleiben noch die Löwen! Mahani steuert die alte Stelle an - und wie versprochen: Das Weibchen liegt noch da. Beleuchtet von den beiden Scheinwerfern gähnt es herzhaft - und erwartet offenbar Herrenbesuch. Und tatsächlich, wenig später trottet ein Männchen herbei, majestätisch mit seiner Mähne und lässt sich bei seinen Annäherungsversuchen von den Zuschauern nicht stören.

Nach drei Stunden Safari kehren wir wieder ins "Hilltop Camp" zurück. Durchgefroren freuen sich die Gäste auf das Buffett im Camp-Restaurant und einen Absacker an der Bar - stilecht mit einem ausgestopften Büffelkopf an der Wand und Leopardenfellen. Doch allzu lang wird der Abend nicht. Denn am nächsten Morgen klingelt schon um 4.30 Uhr der Wecker, Abfahrt eine halbe Stunde später.

Die Jagd beginnt von neuem: Dieses Mal bremst Mahani nicht für einen Mistkäfer, sondern einen ganzen Haufen Mist. "Seht ihr? Das war ein Elefant. Ist aber schon von gestern. Aber da vorne: Das ist frisches Nashorn!" Und tatsächlich taucht bald eine ganze Gruppe Nashörner auf - nur wenige Meter von der Straße entfernt. Nicht weit davon liegt ein Krokodil an einem Flusslauf. "Wenn wir feststecken - Ladys first", scherzt Mahani. Die morgendliche Pirschfahrt endet zum Glück ohne Panne - dafür aber am Parkausgang mit einem deftigen Frühstück. An den Krüger-Nationalpark, den größeren und viel berühmteren Park, denkt hier nach all den Eindrücken niemand mehr.

Michael Zehender/dpa/leh

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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
verhetzungsschutz 15.02.2014
1. Tourist in Gedanken
Zitat von sysopTMNEs muss nicht immer der Krüger-Park sein: Auch im noch wenig überlaufenen Hluhluwe-Umfolozi-Nationalpark haben Safaritouristen beste Chancen, die "Big Five" zu beobachten. Dazu lernen sie, dass man nicht nur in dänischen Zoos traurige Giraffen-Schicksale erleben kann. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/safari-im-hluhluwe-umfolozi-nationalpark-in-suedafrika-a-952755.html
Wäre eine Safari vom Weltraum aus denn nicht ungefährlicher? So dicht am Boden fehlt doch irgendwie der Sicherheitsabstand. Und wenn eines der großen Tiere eine Absperrung durchbricht oder das Auto aufreisst, schreien wieder einige...
pbiermann 15.02.2014
2. Hluhluwe-Park
Einen Besuch kann man nur empfehlen. Einen Scout nahmen wir nur einmal. Haben uns dann selbständig auf den Weg gemacht. Man kann sich dann mehr Zeit lassen, bei gut ausgebauten Straßen und Wegen. Die big 5 haben wir nicht gesehen, mussten auf Löwen und Leoparden verzichten. Trotzdem gab es genug highlights. Auf einer Brücke stehend kreuzten Elefanten den Fluss. Bei 180 haben wir aufgehört zu zählen, darunter viele Jungtiere, gut beschützt durch die gesamte Herde. Der Leitbulle verließ den Fluss gerade einmal 20 Meter hinter unserem Fahrzeug, Gott sei Dank in die andere Richtung. Es war ein großes Erlebnis. Die geschossenen Fotos sind auch nach 3 Jahren noch sehr sehenswert.
broca 15.02.2014
3. Heaven on earth
Zitat von sysopTMNEs muss nicht immer der Krüger-Park sein: Auch im noch wenig überlaufenen Hluhluwe-Umfolozi-Nationalpark haben Safaritouristen beste Chancen, die "Big Five" zu beobachten. Dazu lernen sie, dass man nicht nur in dänischen Zoos traurige Giraffen-Schicksale erleben kann. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/safari-im-hluhluwe-umfolozi-nationalpark-in-suedafrika-a-952755.html
Naja, dass der Krüger überlaufen sein sollte, ist eine dieser European perspective on Africa - urban legends, ungefähr so wie die, dass man in Joburg praktisch first thing umgelegt würde. Aber egal, jedem sein plaisirchen. Tatsächlich aber ist der Umfolozi ein ebenfalls wunderschöner Nationalpark, dessen Ausmaße selbst im Vergleich zum Krüger für den Europäer eher wenig vorstellbar sind. Genauso wie im Krüger sind die walking safaris zu empfehlen, die im Umfolozi noch deutlich spartanischer und damit dichter am Bushveld sind. Da ist es dann auch völlig egal, dass man stundenlang kein einziges Säugetier sieht, denn neben Nashörnern oder dung beetles gibt es auch noch unfassbar schöne Vögel und eine interessante Vegetation und Geologie zu erleben. Ja, und wer den Krüger tatsächlich überlaufen findet, sollte einfach morgens um 5 das camp verlassen und Richtung Norden und auf den kleineren Straßen unterwegs sein. Danach darf er sich noch einmal äussern oder direkt in den Kgalagadi-NP in Botswana fahren, um das Einsamkeitserlebnis noch zu toppen.
saschawerno 15.02.2014
4.
Ich war vor ca. 12 Monaten im Krüger Nationalpark und kann absolut nicht nachvollziehen dass dieser "überlaufen" sein soll. Schließlich liegt dieser relativ weit entfernt von den großen Städten, wir sind 4 Stunden von Johannesburg aus gefahren.
derblaueplanet 15.02.2014
5. @pbiermann
Leichtsinn, gepaart mit Ahnungslosigkeit: Wer so wenig Ahnung von der dort einheimischen Tierwelt hat, daß er nicht weiß, daß Elefantenherden nicht von Leitbullen, sondern von Leitkühen angeführt werden, sollte niemals alleine in so einen Nationalpark fahren. Ein englisches Paar hätte seine Ignoranz vor einigen Wochen beinahe mit dem Leben bezahlt.
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