Kafue Nationalpark in Sambia Besser als Serengeti

Krügerpark oder Serengeti sind Afrika-Urlaubern ein Begriff. Doch wer hat schon vom Kafue gehört? Der größte Nationalpark Sambias ist ein Geheimtipp - mit einer Kulisse wie aus dem Fantasyroman.

Thilo Thielke

Sehr tief steht die Sonne bereits über dem endlosen Plateau des Kafue Rivers, der sich an dieser Stelle zu einem kleinen Binnenmeer staut: bestes Licht zum Fotografieren, aber auch nicht ganz ungefährlich. In wenigen Minuten wird der rote Ball gänzlich untergegangen sein und die sambische Nacht unser Boot verschluckt haben.

Mit zusammengekniffenen Augen steuert Ranger Ancient Naimilando den motorisierten Kahn an den bizarr aus dem Wasser ragenden Baumwipfeln vorbei. Ganz wohl scheint auch ihm in der Dunkelheit nicht zu sein.

Auf der einen Seite zeichnen sich die düsteren Umrisse eines Nilpferdrückens vor dem Sonnenuntergangsszenario ab, auf der anderen tröten ein paar Elefanten, die am Abend zum Saufen ans Ufer gekommen sind. Vor dem Bug des Bootes stiebt eine Schar Ibisse von einem Baum auf und verschwindet in der Weite.

Es sind jetzt nur noch wenige Fischer unterwegs, die von der Tilapia-Jagd heimkehren. Zeit zur Umkehr also. Eine gute Stunde später haben wir es uns mit einem Gin Tonic am Ufer bequem gemacht und bestaunen den überwältigenden Sternenhimmel Afrikas.

"Anfang der Siebzigerjahre fing die Regierung an, den Kafue hier zu stauen", erzählt Rosalyn Kearney, die damals noch ein Kind war und nun gemeinsam mit ihrem Mann Doug die Musungwa Lodge leitet: "Alles wurde überspült, nur die Baumwipfel ragten noch aus dem Wasser, und so ist es bis heute geblieben."

Zunächst dachten die Menschen am See, die Bäume würden irgendwann verrotten und vom Kafue verschluckt werden. Aber sie zeigen sich hartnäckig und verwandeln die Uferlandschaft in eine Kulisse wie aus einem Fantasyroman. Viele Zeugen dieses Naturschauspiels gibt es nicht. Die Straßen zum See sind holprig und staubig, und nur selten verirren sich Besucher hierher.

"Jeder hat schon mal vom Serengeti-Park in Tansania, der Masai Mara in Kenia oder dem Krüger-Nationalpark in Südafrika gehört", sagt Kearney. "Aber wer kennt schon den Kafue-Nationalpark in Sambia?"

Mit rund 22.000 Quadratkilometern Fläche ist der 1924 von den britischen Kolonialherren eingerichtete und damit älteste sambische Nationalpark größer als der Krügerpark. Namensgeber des Parks ist der 1600 Kilometer lange Kafue-Fluss - längster Zufluss des legendären Sambesi.

Dennoch kommen jährlich nur rund 10.000 Besucher in den Kafue, während in den südafrikanischen Park jedes Jahr mehr als eine Millionen strömen. Rosalyn Kearney nimmt das locker: "Dann sind wir eben Hüter dieses Geheimnisses."

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Kafue-Nationalpark: Märchenwelt im Herzen Afrikas

Kearney wurde schon hier geboren und hat Sambia seitdem nie verlassen. Ihr Vater, ein irischer Landwirt, kam in den Sechzigerjahren ins Land, als es noch Nordrhodesien hieß, und baute eine Rinderfarm auf.

Das Land galt immer schon als eines der sichersten und friedlichsten in Schwarzafrika - während sich der Kongo selbst zerfleischte, Südafrika und Südrhodesien von Rassisten regiert und in den ehemaligen portugiesischen Gebieten Angola und Mosambik die Bürgerkriege des Kalten Kriegs geführt wurden, blieb es zwischen Tanganjikasee und Sambesi immer vergleichsweise ruhig.

Kurz hinter Rosalyns Lodge liegt der Eingang zum Nationalpark, und dort warten schon die ersten Impalas, Kudus und Wasserböcke. Sie spähen neugierig in Richtung Schotterweg. 21 Antilopenarten leben im Kafue-Nationalpark, mehr als irgendwo sonst in Afrika. Aber auch Leoparden, Löwen und Geparden sind hier zu Hause und Nilpferde sowieso: träge Kolosse, die den Tag über im Wasser dösen, um ihre empfindliche Haut vor der unbarmherzigen Sonne zu schützen. Nur in der Dämmerung wagen sie sich zum Grasen heraus.

In den vergangenen sieben Jahren hat Afrika ein Drittel seiner Elefanten verloren

Daneben gibt es mehr als 500 Arten von Vögeln: Geier, Adler, Kraniche - und die immer etwas schwerfällig wirkenden Hornbills mit ihren auffälligen roten Schnäbeln und den schweren Flügeln.

Doch auch im Kafue-Park gibt es trotz der idyllischen Ruhe manchmal Ärger: "Unser größtes Problem ist derzeit die Wilderei", erzählt Rosalyn und macht sich in ihrem klapprigen Landrover auf den Weg. Ein paar Kilometer entfernt liegt ein Elefantenwaisenheim, in dem Jungtiere aufgepäppelt werden, deren Eltern von Wilderern getötet wurden: In den vergangenen sieben Jahren allein soll Afrika ein Drittel seiner Elefanten verloren haben. Ohne die Touristen, die dann und wann vorbeikommen, könnte die Station kaum überleben.

Seit neun Jahren arbeitet der Ranger Lasick Kapeski im Kafue-Nationalpark und kümmert sich um den Schutz der Elefanten. Damals wurde die sambische Artenschutzorganisation Game Rangers International gegründet. Zehn Elefanten leben dort, der älteste ist zehn Jahre alt.

Problem mit Wilderern hat gewaltig zugenommen

"Viele Muttertiere wurden von Wilderern erlegt", erzählt Kapeski, "aber oft sind es auch Dörfler, die die Tiere umbringen, weil sie um ihre Maisfelder fürchten." Die Mutter des sechsjährigen Elefantenbullen Lunfunsa etwa wurde im mosambikanischen Grenzgebiet mit Macheten zu Tode gehackt, als sie beim Versuch, einen Fluss zu überqueren, im Schlamm steckenblieb. Jetzt wird ihr Baby am Rande des Kafue-Parks gepflegt.

"Natürlich versuchen wir, die Tiere später wieder auszuwildern", sagt Kapeski, "aber leicht ist das nicht: Oft werden sie nicht von fremden Herden aufgenommen und dann Opfer von Raubkatzen." Erst vor einem halben Jahr ereignete sich solch eine Tragödie, als ein Jungelefant von der neuen Herde im Stich gelassen und dann von einem Löwen gerissen wurde.

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Wandersafari in Sambia: Dem Löwen auf der Spur

Seit in Asien die Preise für Elfenbein durch die Decke schießen, hat das Problem mit Wilderern zudem gewaltige Ausmaße angenommen. Aufgeben will Ranger Kapeski dennoch nicht. "Wir wollen noch unseren Kindern und Enkelkindern Elefanten in freier Wildbahn zeigen", sagt er.

Plötzlich ertönt am Ufer das Trompeten der wilden Elefanten. Kapeski kann sie durch sein Fernglas beobachten. Es ist ein Bild des Friedens. "Noch immer ist Kafue ein Paradies", sagt Kapeski, "wir werden nicht zulassen, dass es zerstört wird."

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insgesamt 5 Beiträge
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takoko 19.11.2017
1. Safari
Sehr interessant. Ich würde aber immer wieder behaupten, dass Safari in Masai Mara ein Spektakel ist. Einzigster Park in Afrika, wo offroad gefahren wird. Es ist ein wenig stressig für einige Tiere, aber ab und zu sollte es geben!
experiencedsailor 19.11.2017
2. Sambia ist ein vergleichsweise einfaches afrikanisches Pflaster
mit vielen Natursehenswürdigkeiten - die bekanntesten sind die Linvingstone Falls am Sambesi. Als Mzungu hat man keine Kriminalität zu befürchten, wenn man sich an die Standardregeln hält. Das Transportnetz mit Überlandbussen funktioniert und ist für uns günstig, Hotelunterkünfte sind mit EUR 40-50 (Lusaka) schon in den höheren Kategorien erhältlich. Nshima, die Landesspeise, mit Beef Stew ist sehr lecker, man kann´s eigentlich überall essen, ohne Montezuma´s Rache einheimzufallen. Ein guter Weg, Trump´s unsäglicher Jägerinitiative in´s Brot zu spucken, ist eine Photosafari nach Sambia, zur Etoascha Pfanne (Namibia) oder dem Okawango Delta (Botswana). Das sind einmalige Erlebnisse für den Reisenden und bringt den lokalen Leuten mehr als jeder EUR aus den Entwicklungshilfeministerium und jeder Ballermann, der unnötig Tiere abknallt.
ffmfrankfurt 19.11.2017
3. @takoko
Ihre Aussage bezüglich der touristisch überlaufenen Masai Mara ist falsch. In mehreren großen Parks Afrikas können und dürfen die Tracks verlassen und Offroad gefahren werden. Zu empfehlen ist das allerdings nur für erfahrene 4x4 Fahrer.
gabynicholson 19.11.2017
4. Sambia - immer wieder
Wir sind große Afrika Fans und waren schon mehr als zehn Mal auf diesem Kontinent, meistens im südlichen Teil (Botswana, Südafrika, Namibia), da wir den Massentourismus der z.B. in Kenia praktiziert wird nicht mögen und auch nicht unterstützen wollen. 2009 haben wir zum ersten Mal Sambia besucht und waren begeistern. Wir waren im Kafue National Park und haben dort eine Wilderness Exploration Safari unternommen. Wir waren in drei verschiedenen Camps, die alle sehr gut, z.T. wirklich luxuriös, ausgestattet waren. Die Natur, die Tiere, die Gastfreundschaft und unser phantastischer Guide - es war alles perfekt. In den Busunga Plains haben wir sogar die Climbing Lions (Kletterlöwen) gesehen. Ein Paradies für Hobbyfotografen wie mich. Danach sind wir in den South Luangwa National Park geflogen, wo wir von Robin Pope Safaris betreut wurden. Wieder sehr schöne Camps und atemberaubende Landschaften. Wir haben auch eine dreitägige Walking Safari gemacht - absolut empfehlenswert. Wir können also Sambia nur empfehlen und hoffen aber, dass das Land nicht den Weg des Massentourismus einschlagen wird. Das es besser und viel umweltverträglicher geht, zeigt das Nachbarland Botswana. Da setzt man auf Qualität statt Masse. Das ist zwar für den einzelnen Touristen teurer aber weitaus lohnenswerter (muss man halt ein wenig sparen;-)). In diesem Jahr waren wir übrigens in Simbabwe - auch sehr empfehlenswert.
stephansindern 20.11.2017
5. Hinter den Kulissen
Wenn Sie mehr ueber den Kafue Park wissen wollen, dann lesen Sie bitte das Buch "Der Betriebsberater" von Stephan Sindern, das im e-publi Verlag erschienen ist. Mit 20 Millionen Euro liesse sich der gesamte Park samt anliegenden Jagdgebieten (etwa 100.000 Quadratkilometer) sanieren.
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