Saudi-Arabien: Mekka-Metro feiert Premiere

Menschenmassen und endlose Buskolonnen: Etwa drei Millionen Muslime pilgern jedes Jahr zu den heiligsten Stätten des Islam, die Straßen um die saudi-arabische Stadt Mekka sind dann hoffnungslos überfüllt. Abhilfe verspricht eine neue Metro, die bereits zur diesjährigen Hadsch eröffnet wird.

Neue Mekka-Bahn: Pilgern per Metro Fotos
AFP

Dschidda - Jedes Jahr zur Hadsch platzt Mekka aus allen Nähten: Millionen Pilger aus aller Welt besuchen an diesen fünf Tagen die heiligen Stätten des Islam - und bringen das Verkehrsnetz der saudi-arabischen Stadt an den Rand des Kollapses. Bislang transportierten angesichts eines fehlenden leistungsfähigen Nahverkehrssystems vor allem Busse die Pilger zu den Stationen der Hadsch, verstopften die Straßen und erhöhten das Risiko schwerer Folgen im Fall einer Massenpanik.

Diese Zeiten sollen bald vorbei sein: Saudi-Arabien will mit einer neuen Mekka-Metro mehr als 50.000 Busse jährlich ersetzen und die Pilgerfahrt sicherer und komfortabler machen. Bereits am 13. November, zwei Wochen vor Beginn der diesjährigen Hadsch am 25. November, wird laut der saudi-arabischen Tageszeitung "Arab News" die erste Ausbaustufe des neuen Nahverkehrssystems eröffnet - nach einer 30-tägigen Testphase im Oktober.

Letztendlich soll das neue Verkehrsmittel - ihr offizieller Name lautet al-Mashaaer-al-Mugaddassah-Metro - jede Stunde 72.000 Passagiere pro Richtung transportieren können. Das entspricht etwa einem Drittel der Pilger und wäre eine spürbare Entlastung. In der ersten Ausbaustufe - welche die Pilger-Stationen Mina, Muzdalifah und Arafat abdeckt - sollen etwa 35 Prozent dieser Kapazität erreicht werden. Die weiteren Ausbaustufen sollen die anderen Stadtteile Mekkas erschließen und bis Ende nächsten Jahres fertig sein.

3000 Passagiere pro Zug

Die Mekka-Metro wurde in rekordverdächtiger Zeit errichtet: Erst Anfang des vergangenen Jahres erteilte Saudi-Arabien der China Railway Construction Corporation (CRCC) den Auftrag für das Projekt, bereits im August dieses Jahres fuhr ein Zug testweise auf der rund 18 Kilometer langen Strecke, die - anders als der Name Metro vermuten lässt - nicht unterirdisch, sondern größtenteils auf einem eigenen Viadukt errichtet wurde. Insgesamt kostet das Projekt laut dem Branchenmagazin railway-technology.com 1,8 Milliarden Dollar.

Von einem gewöhnlichen Nahverkehrssystem unterscheidet die Bahn einiges: Alles ist auf die besonderen Anforderungen der Hadsch ausgerichtet, möglichst viele Menschen in möglichst kurzer Zeit zu transportieren. So wurden an jeder Station gleich drei Bahnsteige hintereinander gebaut, damit mehrere Züge gleichzeitig dort halten können. Jeder Zug besteht aus zehn Waggons und bietet 3000 Passagieren Platz.

Die 1,7 Millionen Einwohner von Mekka profitieren nicht nur zur Hadsch von der neuen Metro, da sie ganzjährig betrieben wird. Derzeit entsteht in Saudi-Arabien ein landesweites hochmodernes Eisenbahnnetz, das Haramain High Speed Rail Project, in das die Mekka-Metro integriert wird.

fdi

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insgesamt 7 Beiträge
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1. ....
barack abamo 03.11.2010
Zitat von sysopMenschenmassen und endlose Buskolonnen: Etwa drei Millionen Muslime pilgern jedes Jahr zu den heiligsten Stätten des Islam, die Straßen um die saudi-arabische Stadt Mekka sind dann hoffnungslos überfüllt. Abhilfe verspricht eine neue Metro, die bereits zur diesjährigen Hadsch eröffnet wird. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,726932,00.html
Würde ich mir zu gerne mal ansehen. Ach, geht ja nicht weil als Ungläubiger bin ich in Mekka nicht zugelassen. Diskrimienierend irgendwie.
2. super
kuriosos 03.11.2010
naja grundsätzlich find ich das projekt super, nur irgendwie blöd das wir super produktiven europäer das mal wieder wem anders überlassen haben. wenn wir weiter solche aufträge china überlassen, dann brauchen wir es bald nicht mal mehr zu versuchen mit den chinesen als solches mitzuhalten. @barack abamo: ansehen kannste dir das ja, nur an die kaaba selbst werden sie dich nicht lassen. da sind die total intolerant, die herren mohammedaner. schade das die nicht auch so ein super fortschrittliches anti diskriminierungs gesetz haben, wie wir.... .
3. Christen in Mekka
muwe6161 03.11.2010
Es gab schon viele, welche als Moslem verkleidet, dort waren. Für Nicht-Moslems ist es einfach eine religiöse Handlung mit viel Geränge. Der Umstand das Mekka und Medina "Off Limit" sind wird wohl bald durch Google Street view relativiert... Ich bin sehr gespannt.
4. frage mich...
derlabbecker 03.11.2010
.... wie die Chinesen das gebaut haben, da sie als Nicht-Moslems da ja nicht hindürfen *ggg*. Oder sind die Bauarbeiter mal eben alle konvertiert?
5. nee
loeweneule, 03.11.2010
Zitat von derlabbecker.... wie die Chinesen das gebaut haben, da sie als Nicht-Moslems da ja nicht hindürfen *ggg*. Oder sind die Bauarbeiter mal eben alle konvertiert?
In China gibt es reichlich Muslime. Nach Schätzungen etwa 100 Millionen. Da dürften sich schon genügend Arbeiter gefunden haben. Wenn es denn wirklich Voraussetzung war.
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