Segeln durch die Seychellen: Im Abertausend-Sterne-Hotel
Inseln, auf denen Postkarten nicht lügen müssen; Palmen, die schon für so manche Fototapete Modell standen; Strände, vor denen nur die Haiflosse noch fehlt: Die Seychellen sprechen alle Sinne an. Ein Multimedia-Special.
Das kleine Paradies der "Sea Pearl": Relaxen auf dem Sonnendeck
Skipper Lars lehnt sich aus der Backbordtür der Schiffsbrücke, schreit übers Deck: "Okay, auf geht's!" Adi, Rudolphe und Marcus reißen gleichzeitig an den Leinen und das Hauptsegel löst sich mit einem Ruck vom Rundholz über dem Sonnendeck. Keine zwei Minuten später steht das Tuch am Hauptmast. Das Schiff neigt sich gegen den Horizont, Gischt spritzt an den Bugspriet, und für einen Moment zeigt sich ein kleiner Regenbogen. Das Schiff ist erwacht. Die Segel-Kreuzfahrt beginnt.
Mit acht Crewmitgliedern und 16 Passagieren macht sich der Zwei-Mast-Schoner auf den Weg von Praslin nach La Digue. In den nächsten sieben Tagen wird uns die "Sea Pearl" quer durch die Inselwelt der Inneren Seychellen befördern, die zwischen Madagaskar und Indien im Indischen Ozean funkeln. Im Umkreis von 1100 Kilometern ist nichts als blaue, schaumgekrönte Weite, nur durchbrochen von den schönsten Buchten der Welt.
Die Insel La Digue, die erste Station, entpuppt sich als Ort, an dem Foto-Postkarten nicht lügen müssen: Das Wasser glitzert türkisblau im Sonnenschein; der Sand strahlt gleißend weiß; die von Mutter Natur an die Gestade gemurmelten Granitbrocken schimmern unwirklich in Hellbeige, Ockerrot oder Grauschwarz; die Palmen haben im Sonnenuntergang sicher schon für manche Fototapete Modell gestanden, und das Strandgesträuch ist so grün, wie selbst ein seychellischer Baumfrosch nicht grüner sein kann. Als der englische Offizier Charles Gordon 1881 den Gedanken fasste, die Seychellen seien der biblische Garten Eden, muss er wohl irgendwo hier herumgelaufen sein.
Zauberei in der Kombüse: Co-Smutje Jimmy und Elwa
Kreolische Köstlichkeiten aus winzigkleiner Kombüse
Inzwischen bereitet Joakeem das Abendessen vor. Joakeem ist Smutje der "Sea Pearl" und wohl einer der besten Köche des Landes. Immerhin hat er die Seychellen im letzten Jahr auf einer Promotiontour durch Deutschland vertreten. Was er und sein Co-Koch Jimmy in der klitzekleinen Kombüse auf die Teller zaubern, lässt im Salon allabendlich die Gästegaumen jauchzen - vom pfeffergewürzten Entrecote bis zum Geflügelcurry, vom marinierten Snapper bis zum gebratenen Papageifisch.
Während des Dinners hat sich die "Sea Pearl" bereits in ihr Nachtkleid gehüllt. Die Segel sind längst eingeholt, und wir liegen vor Praslin. Auf dem Achterdeck wird nach dem Essen bei Bier und Wein munter geklönt, geprostet und gelacht. Nach und nach locken dann aber doch die Kojen. In meiner Kabine will die Klimaanlage nicht so, wie sie eigentlich sollte. Es ist stickig. Noch dazu kämpft Lothar nebenan hörbar mit seiner Seekrankheit - also entscheide ich mich, es den Crewmitgliedern gleich zu tun und an Deck zu schlafen.
Das weite Glitzerband der Milchstraße
Decksmann Marcus hat es sich dort im Bugsprietnetz gemütlich gemacht. Co-Smutje Jimmy pennt über der Brücke. Und ich lege mich auf das Dach des Salons. Als gegen Mitternacht die Deckbeleuchtung abgeschaltet wird, erstrahlt über den Masten das weite Glitzerband der Milchstraße mit ihren Abertausenden Funkelsternen. Das Kreuz des Südens flüstert: "Wir sind südlich des Äquators." Und hinter den Bergen Praslins macht sich der Mond langsam für seine nächtliche Wanderung bereit, schneidet die Insel als Schattenriss aus dem Horizont. Eine sanfte Brise streichelt über das schläfrig schaukelnde Schiff. Das alles ist zu schön, um jetzt einzuschlafen. Erst als es bereits dämmert, mache ich noch für zwei Stunden die Augen zu.
Steingewordenes Inselklischee: St. Pierre
Hai live vor St. Pierre
Auf Curieuse, Cousin und vor Booby Island gibt's in den folgenden Tagen dafür Kontakt mit ganz anderen Tieren. Beim Tauchgang vor Booby Island treffen wir an der Wasseroberfläche eine Gruppe Delfine und schweben unter Wasser in unvorstellbaren Schwärmen blauer Füsiliere, gelb-gestreifter Süßlippen und Bengalen-Schnapper.
Curieuse, noch bis 1962 als Quarantänestation für Lepra-Kranke genutzt, ist bekannt für seine kleine Kolonie Aldabra-Riesenlandschildkröten. Um die Mittagszeit kuscheln sie sich gern im kühlen Schatten. Nur ein jüngerer Panzerklops hat das noch nicht ganz kapiert. Statt sich auszuruhen, schrubbt er seine Zentner lieber auf dem Bauchpanzer durch die Hitze. Als ich mich nähere, faucht er mir ziemlich missgelaunt aus vollem Hals ins Gesicht. Ich hätte es wissen müssen: Das riecht nicht wirklich gut. Zeit für ein Bad im Meer.
Aldabra-Atemfrische: Georgette, die Riesenschildkröte geht zum Angriff über
Zurück an Bord wird der Anker gelichtet und die "Sea Pearl" sticht wieder in See. Kurs: Anse Possession, die Endstation. Kurz bevor wir die Bucht erreichen, werden die Segel eingeholt. Nigel löst die Leine für das Stagsegel von seinem Belegnagel und fiert es langsam ab. Keine Gischt spritzt jetzt mehr an den Bug. Und auch den Regenbogen am Bugspriet gibt's erst wieder auf der nächsten Cruise.
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- Donnerstag, 14.08.2003 – 00:00 Uhr
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