Shinkansen: Taiwan feiert ersten Hochgeschwindigkeitszug

Zum ersten Mal ist der weiß-orange pfeilförmige Shinkansen mit Passagieren über Taiwan gerauscht. Nach 20 Jahren Pech, Pannen und politischer Querelen nimmt der japanische Hochgeschwindigkeitszug auf der Insel bis zu 300 km/h Fahrt auf. Die Taiwaner sind begeistert.

Taipeh – Abfahrt: 7 Uhr in Panchiao in der Nähe von Taipeh, Ankunft: 8.30 Uhr in Kaohsiung – der Shinkansen hat heute auf Taiwan seinen Dienst angetreten. Nur 90 Minuten benötigte der mehr als 15 Milliarden Dollar (rund 11,5 Milliarden Euro) teure Zug für die 345 Kilometer. Damit war er 2,5 Stunden schneller als die übliche Bahn auf der Strecke vom Norden in den Süden der Insel und erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 300 km/h. Der Shinkansen soll rund hundert Millionen Fahrgäste im Jahr befördern.

Tausende begeisterte Passagiere nahmen an der Jungfernfahrt des in Japan gebauten Zuges teil. "Der Zug schreibt Geschichte, und ich konnte nicht widerstehen, dabei zu sein, wenn Geschichte geschieht", sage die 51-jährige Hausfrau Liu Wen-ying beim Besteigen des Zuges der Nachrichtenagentur AP. 20 Jahre hat die Umsetzung des Projektes benötigt, das den 23 Millionen Bewohner der chinesischen Insel ein modernes, energieeffizientes und umweltfreundliches Verkehrsmittel bieten soll. Zusätzlich zu der Schnellverbindung mit einem Stopp in Taichung soll es einen Shinkansen-Zug geben, der siebenmal hält und dafür 90 Minuten langsamer ist.

Gesteuert wird der Hochgeschwindigkeitszug in der Anfangsphase von 40 Franzosen und 13 Deutschen. Dies erklärt sich daraus, dass der Zug ursprünglich in den neunziger Jahren von dem Münchner Siemens-Konzern und dem französischen Unternehmen Alstom konzipiert worden war, bevor der Auftrag dann 1998 nach Japan ging. Innerhalb von 18 Monaten sollen die ausländischen Zugführer jedoch durch einheimische Kräfte ersetzt werden.

Pech und Pannen

Der Start des Shinkansen hatte sich wegen technischer Probleme zuletzt nochmal um 15 Monate verzögert. Während der Testfahrten war der Zug mehrfach entgleist. Die Verzögerungen führten zu Zusatzkosten in Höhe von rund 600 Millionen Dollar. Auch beim Ticketverkauf am Dienstag, als die Fahrkarten zum halben Preis für eine 15-tägige Anfangsphase verkauft wurden, gab es noch Probleme mit der Technik. Die Kunden empörten sich, dass sie nicht mit ihren Kreditkarten zahlen konnten und dass die Automaten falsches Wechselgeld ausgaben.

"Wir sind nicht zufrieden, wie es bisher abgelaufen ist", sagte eine Sprecherin der Taiwan High Speed Rail Corporation, "aber die Situation wird sich von Tag zu Tag verbessern." Das Unternehmen musste sogar die offizielle Eröffnungsfeier am 7. Dezember absagen, da die Regierung vor dem Start weitere Tests verlangte. Ein neuer Termin wurde bisher noch nicht angekündigt.

abl/AFP/AP

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