Simbabwe nach Mugabes Sturz Das Juwel Afrikas

Simbabwe galt lange als unsicher, schwer zu bereisen und politisch instabil. Nach dem Sturz von Langzeitdiktator Mugabe hofft das afrikanische Land auf Touristen. Die Schönheit der Natur ist einmalig.

imago/Westend61

In gebückter Haltung und sehr behutsam pirscht sich Ian Harmer durch die simbabwische Savanne. Keine fünf Meter trennen ihn von dem Nashorn-Kalb. "Bewegt euch langsam, damit die Mutter nicht nervös wird", flüstert der 45-jährige Reiseführer der Gruppe zu, die ihm in respektvollem Abstand folgt. "Das Jungtier ist gerade einmal acht Monate alt."

Dann haben sich Mensch und Tier offenbar genug aneinander gewöhnt. Hinter den Dornbüschen erheben sich behutsam die Touristen und zücken ihre Teleobjektive. Es ist eine bunt durcheinander gewürfelte Gruppe, die hinter dem Guide herzuckelt: eine Polin, ein paar Deutsche, zwei Schweizerinnen und ein italienisches Pärchen. Sie tragen bunte T-Shirts und Piratenkopftücher. Einer von ihnen hat wie ein Profi-Fotograf zwei Kameras mit Riesenoptiken an der Weste baumeln.

Die Reisegruppe ist nur für ein paar Tage in Simbabwe. Ihre Tour mit dem Überland-Truck hat an den berühmten Victoriafällen begonnen. Danach ging es weiter für einen kurzen Stopp nach Bulawayo im Matabeleland. Dann endet ihr Trip bereits im südafrikanischen Johannesburg.

"Die meisten verbringen nur wenige Tage in Simbabwe"

"Es ist ein Jammer", sagt Harmer, der seit vielen Jahren Fahrten in Simbabwes ältesten Nationalpark Matopos leitet. "Die meisten verbringen nur wenige Tage in Simbabwe, viele verlassen nicht einmal die Victoriafälle, um sich den nahe gelegenen Hwange-Nationalpark anzuschauen."

Dabei seien die simbabwischen Parks mit den wilden Löwen, Leoparden und Hyänen weniger überlaufen als die großen Parks in Ostafrika, und die Kriminalität sei weniger ausgeprägt als in Südafrika. "Tansanias ehemaliger Präsident Julius Nyerere hatte recht, als er meinte Simbabwe sei das 'Juwel Afrikas'", sagt Harmer. "Schade, dass das kaum jemand weiß."

Bereits 1995 eröffnete sein Vater die Firma African Wanderer, irgendwann übernahm der Sohn - die Vorfahren kamen um 1890 aus Großbritannien als Siedler ins Land. "Was sie damals hier vorfanden", sagt Harmer, "war eine geradezu fantastische Naturlandschaft, die zudem auch noch voller Gold und Diamanten war - kein Wunder, dass sie blieben."

Als 2002 die Lage im Land politisch immer instabiler wurde, zog die Familie nach Australien. Doch bereits nach wenigen Wochen wollte Harmer zurück nach Simbabwe. "Das war nicht meine Welt", erinnert er sich, "ich habe Afrikas Wildnis und seine Freiheit vermisst."

Hoffnung auf Freiheit

Freiheit - darauf hoffen derzeit viele in Simbabwe. Seit dem Sturz des Langzeitdiktators Robert Mugabe vor gut einer Woche knallen überall die Sektkorken, Menschen liegen sich jubelnd in den Armen. Die Hoffnung ist groß, dass nun neue Zeiten anbrechen.

Zwar gilt der neue Präsident Emmerson Mnangagwa als Hardliner - dennoch glauben viele daran, dass der Mugabe-Nachfolger klug genug ist, das Land zu demokratisieren und zu öffnen. Und dann könnten auch wieder mehr Touristen kommen. Denn ohne Geld aus dem Ausland wird das bitterarme Land kaum überleben können.

Auch Rita und Fredi Ruf wünschen sich, dass sich in dem von 37 Jahren Sozialismus gründlich ruinierten Land etwas ändert. "Der Tourismus könnte wichtige Devisen ins Land spülen", sagt Fredi Ruf, der eine Ausbildung als Hotelier gemacht und früher auch schon in Südafrika gearbeitet hat. Vor 18 Jahren kam das österreichisch-schweizerische Paar nach Simbabwe und eröffnete in Bulawayo im Südwesten des Landes die Hornung-Park-Lodge. "Anfangs brummte das Geschäft", erinnert sich Fredi Ruf, "aber nach und nach verschreckten die negativen Nachrichten aus Simbabwe immer mehr Besucher."

Die vielen Checkpoints mit korrupten Polizisten zermürbten die Reisenden. Hinzu kamen die Berichte über Mugabes Terror gegen die eigene Bevölkerung. 2002 wurden die weißen Farmer des einst so wohlhabenden Landes enteignet, 2005 eine Säuberungskampagne gegen die Opposition gestartet - unter dem Namen "Operation Murambatsvina", zu deutsch: "Müllbeseitigung". Danach machten Schlagzeilen über eine Hyperinflation die Runde.

Fotostrecke

8  Bilder
Simbabwe: Paradies ohne Diktator

Die Rufs sind dennoch geblieben. Sie haben sich in das Land, das einmal Rhodesien hieß, verliebt, ihre Töchter dort zur Schule geschickt. Vor Kurzem wurden sie Großeltern - das Enkelkind soll einen simbabwischen Pass bekommen. "Wir wollen in diesem Land alt werden", sagen sie, "die Freundlichkeit der Menschen und die großartige Natur haben uns hier gehalten - und das haben wir nicht ein einziges Mal bereut."

In diesen Tagen, kurz nach Mugabes Rücktritt, ist von Polizisten keine Spur zu sehen. Selbst vor dem Polizeihauptquartier in Bulawayo flattert rot-weißes Absperrband. Im Tourismusbüro in der Innenstadt liegt eine Broschüre aus. "Simbabwe", steht auf dem Umschlag, und darunter "Afrikas Paradies". Das Titelbild zeigt die Victoriafälle, man sieht Fotos von Löwen, Büffeln und Golfspielern.

Viel Nachfrage bestand in den letzten Jahren nach dem Werbematerial allerdings nicht. Es wurde 1994 gedruckt, acht Jahre bevor Mugabe die weißen Farmer enteignen ließ.

Mehr zum Thema
Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern


insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
BSC 30.11.2017
1. Zimbabwe
1994 war ich da, ein wunderschönes Land. Überrascht hat mich damals, dass es schon an den Victoria Fällen Bungee-Jumping und Rafting gab. Die Camping-Plätze waren top (zumindest da wo wir waren), aber manchmal auch spartanisch. Es gab auch super feine Hotels aus Kolonialzeiten, die jeden Komfort hatten. Harare war wie eine europäische Stadt, Hochhäuser, Business-Leute und internationale Organisationen überall. Aber der Absturz stand damals schon bevor, von der Kornkammer Südafrikas hat man sich verabschiedet, weil man den weißen Mann nicht mehr haben wollte. Leider hat sich gezeigt, dass durch die Übernahme der Farmen durch Günstlinge der Regierung alles den Bach runterging. Schade, hoffentlich an Zimbabwe an die guten alten Zeiten anknüpfen, ich fahre da gerne nochmal hin, Bulawajo, Harare, Lake Kariba, Vic-Falls, Hwange Nationalpark und auch Great Zimbabwe Monument, alles lohnenswert, die Menschen dort sowieso, nicht mal vor den Soldaten, die immer wieder an den Straßen kontrollierten (und ein wenig was haben wollten, wie eine Tube Zahnpasta oder ein Paket Reis, ), musste man sich fürchten - zumindest wenn man die Spielregeln kennt.
Kudi 30.11.2017
2. Kein Neuanfang
Wer meint, die neue Garde in Zimbabwe sei besser als das Mugabe-Regime, irrt gewaltig. Der neue starke Mann trägt nicht umsonst den Kosenamen "Crocodile". Den hat er sich damit verdient, dass er ungeliebte Rivalen den Krokodilen verfüttert hat. Rhodesien war ein wunderbares Land - Zimbabwe ist ein abschreckendes Beispiel für afrikanische Korruption.
kraftmeier2000 30.11.2017
3. Ja,
dieses Land ist ein Juwel Afrikas, und ich kann nur vor allem auch für die Menschen dort hoffen, das sich die Neue Regierung anders verhält wie der bisherige Diktator Mugabe. Würde gerne mal wieder dort hin reisen, war und ist für uns das bisher schönste Land Ostafrikas welches wir bereisen durften. Und vor allen nicht so "üerlaufen" wie z. B. Teile Tansanias oder Kenias. Ansonsten kann ich dem Schreiber BSC in allem nur zustimmen.
roswita35 30.11.2017
4. Was ist mit der Kolonialzeit
Der Artikel ist für mich sehr einseitig. Zum einen kommen nur weiße zu Wort, mir fehlt die Perspektive von Schwarzen. Zum anderen bleiben die Greultaten der Kolonialzeiten unerwähnt. Wer wissen will, warum Simbabwe heute so ist, wie es ist, muss sich auch die Kolonialzeit ansehen und nicht nur von 2002 schreiben
jujo 30.11.2017
5. ...
Zitat von KudiWer meint, die neue Garde in Zimbabwe sei besser als das Mugabe-Regime, irrt gewaltig. Der neue starke Mann trägt nicht umsonst den Kosenamen "Crocodile". Den hat er sich damit verdient, dass er ungeliebte Rivalen den Krokodilen verfüttert hat. Rhodesien war ein wunderbares Land - Zimbabwe ist ein abschreckendes Beispiel für afrikanische Korruption.
Ich hoffe Sie irren sich, ich habe die Hoffnung, das der neue Machthaber und sein Clan als Profiteur des Jahrzehnte alten Mugabe Systems die Taschen und Konten schon gut gefüllt hat und er klug genug ist wirklich etwas zu ändern und sei es nur um sich einen positiven Eintrag in den Geschichtsbüchern zu sichern.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.