Jean Beliveau , Jahrgang 1955, brach im August 2000 im kanadischen Montréal auf, um zu Fuß um die Welt zu laufen. Im Januar 2011 hatte er es über Afrika, Europa und Asien schon bis nach Neuseeland geschafft und mehr als 70.000 Kilometer auf dem Land zurückgelegt.
Als ich im Juli 2003 in dem winzigen Dörfchen Swellendam in Südafrika ankomme, ist es bereits dunkel. Da ich nicht weiß, wo ich unterkommen soll, beschließe ich, bei der örtlichen Polizeistation um einen Schlafplatz zu bitten. Auf der Wache muss ich erst einmal warten, weil der Beamte noch einen anderen Besucher abfertigt. Dann hört er sich meine ungewöhnliche Bitte an. Er bringt mich zu einer Gefängniszelle im hinteren Teil des Gebäudes. Leider müsse er die Türen immer verschließen, das sei Vorschrift, sagt der Polizist. Nachdem er mich also eingesperrt hat, geht er nach vorne und verschließt außerdem noch die schwere Metalltür der Station.
Hier bin ich nun also eingekerkert, um mich herum sind drei Betonwände und ein Gitter aus schweren Eisenstäben. Die Ausstattung besteht aus einem Betonbett und einer Toilette aus Edelstahl, die furchtbar stinkt. In der Nachbarzelle ist auch jemand untergebracht.
Endlich wieder frei
Ich schlafe trotz allem wie ein Stein und wache erst auf, als der nächste Tag längst begonnen hat. Als ich meinen Schlafsack zusammenrolle, öffnet der Polizist die Tür und fragt, ob ich bereit zum Aufbrechen bin. Ich bitte noch um eine Viertelstunde, um zu packen. Er geht also wieder weg, diesmal verschließt er nur die Außentür der Wache. 30 Minuten vergehen, eine Stunde - langsam gerate ich in Panik. Ich blicke mich um, suche nach einer Fluchtmöglichkeit. Eine der Wände hat ein Drahtgitter als Fenster, und ich sehe draußen Polizeibeamte herumlaufen.
Ich brülle hinaus: "Hey! Lasst mich raus! Ich bin kein Häftling! Ich habe hier nur übernachtet. Ich bin ein Kanadier, der um die Welt läuft. Bitte, lasst mich raus!" Ob es an meinen absurd klingenden Worten liegt oder daran, dass ich schlicht zu leise bin - es kommt keine Reaktion.
Ich rufe noch einmal, diesmal begleitet von der Stimme des Gefangenen nebenan, der natürlich auch rauswill.
Nach mehr als eineinhalb Stunden kann ich endlich den Polizisten ausmachen, der mich eingeschlossen hat. Seine Schicht scheint zu Ende zu sein, er macht Anstalten, nach Hause zu gehen. Als er mich rufen hört, eilt er zur Tür und schließt sie auf. "Haben Sie mich vergessen?", frage ich. "Ich musste eine Anzeige aufnehmen", sagt er ausweichend. "Wie auch immer - vielen Dank für die Gastfreundlichkeit!" Endlich wieder frei, wandere ich guten Mutes weiter.
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