Solartaxi am Ziel In 80 Tagen um die Welt - mit Elektroautos

Die Weltreise mit dem Elektroauto ist zu Ende - und die nächste beginnt demnächst. Das Solartaxi ist nach 18 Monaten Fahrt wieder in Louis Palmers Heimat Luzern angekommen. Doch für den Globetrotter war die Weltumrundung nur eine erste Testfahrt.


Die Weltklimakonferenz ist vorbei - und damit das offizielle Ende der Weltumrundung des Solartaxis. Nun fahre ich nach Hause, nach Luzern, wo unsere Fahrt endgültig endet. Aber zuvor statten wir in Thalheim unserem Hauptsponsor Q-Cells einen Besuch ab, und in Stuttgart wartet eine ganze Schar von Elektroautos vom Verband Stuttgart Solar e.V. auf uns. Außerdem besuchen wir das Mercedes-Museum.

Hier kommt es zu einem Wiedersehen, das mich sehr bewegt: An der Wand hängt das Mercedes-Solarauto, das 1985 die Tour de Sol gewonnen hatte. Es hatte mich, als ich 14 Jahre alt war, zu meinem Traum von einer Weltreise mit Solarmobil inspiriert. Soll ich glücklich oder traurig sein? Glücklich, dass ich dieses Auto zufällig heute, an meinem zweitletzten Tag meiner Reise, hier finde? Oder traurig, weil die Welt seit 20 Jahren Solarautos haben könnte, von der Verwirklichung dieser Vision aber weiter entfernt ist denn je?

Südlich von Stuttgart setzt Schneefall ein, und zwar so stark, dass ich nicht mehr glaube, das Ziel im Solartaxi zu schaffen. Mit meinem ungebremsten Anhänger fahre ich sehr vorsichtig und ziehe eine lange Kolonne von Fahrzeugen hinter mir her. Fahre ich aber zu schnell, könnte ich mitsamt meinem Anhänger ins Schleudern kommen. In Rottweil finde ich in der Garage von Frau Bürger, die gerade vor ihrem Haus den Schnee wegräumt, eine Notunterkunft für ein paar Stunden.

Ich entschließe mich, erst spät in der Nacht weiterzufahren, wenn der Verkehr weniger ist und die Straßen hoffentlich leergeräumt sind. Obwohl dann das Risiko besteht, dass die Temperaturen unter Null sinken und alles auch noch vereist. Gegen Mitternacht fahre ich auf der Bundesstraße weiter und erreiche sehr spät die Unterkunft bei meinen Freunden Antonia und Urs. Großes Wiedersehen auch mit Hassan, unserem Tour Guide, der uns durch das heiße Syrien und Libanon begleitet hatte. Nun will er uns auch auf den letzten Kilometern durch den Schnee dabei sein.

Die letzte Etappe zur alten Schule

Nach nur vier Stunden Schlaf geht's auf zur alleretzten Etappe. Um 6 Uhr morgens versuche ich, das eingeschneite Zürich zu umfahren und schaffe rechtzeitig die Ankunft in meinem alten Schulhaus in Baar, wo ich nochmals einen Vortrag halte. Hier habe ich bis kurz vor dem Start als Lehrer gearbeitet. Und hier will ich nochmals erzählen, wie das alles war - mit meinem Traum und der Reise und davon, wie man Schwierigkeiten überwinden kann, wenn man sich ein Ziel setzt.

Schließlich fahren wir in Begleitung von sechs Elektroautos durch die verschneiten Felder der Innerschweiz. Im Technopark Luzern wartet eine johlende Menschenmenge, die Kälte und die eingefrorenen Finger sind vergessen. Hier kommen mir fast die Tränen, denn noch eine letzte Kurve - und das Solartaxi verschwindet in der Menschenmasse, fährt nochmals durch eine Styropor-Wand und wird vor lauter Freude mit Schneebällen bombardiert. Hier hat meine Reise ein Ende.

Wirklich?

Nein, nicht ganz!

"Was hat es gebracht?", will eine Journalistin wissen.

"Ein kleines Team von Leuten hat fast jeden zehnten Erdenbewohner zum Nachdenken angeregt", antworte ich. "Und jeder, der zum Nachdenken angeregt wird, ist einer mehr, der einen Beitrag zur Bewahrung des Planeten leisten kann. In Malaysia, um ein Beispiel zu nennen, wurden nach unserem Besuch auf einem Golfplatz Solarzellen installiert, damit die Golf-Buggys mit Solarstrom fahren können."

"Werden Sie jetzt wieder als Lehrer unterrichten?"

"Bei solch einem Erfolg ist es klar, dass es weiter geht. Ich lade alle ein zu einem Wettrennen rund um die Erde mit elektrisch betriebenen Autos. Diese Weltreise mit dem Solartaxi war nur eine Testfahrt - das nächste Mal fahren wir in 80 Tagen um die Erde!"



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