Solartaxi Prinz Hassan flitzt mit Sonnenenergie durch Amman

In Amman begeistert das Solartaxi die Prinzessin und ihren Vater, den progressiven Prinz Hassan. Kurzerhand rast der jordanische Adlige im kastigen Mobil seinen Bodyguards davon. Louis Palmer wiederum lässt sich von solarthermischen Kraftwerken in der Wüste überzeugen.


Amman - Bei der Royal Scientific Society begrüßt uns die Leiterin, Prinzessin Sumaya. Man sagt der jordanischen Königsfamilie nach, sie sei sehr umgänglich und freundlich. Genau so ist sie, einfach nett und interessiert. Nach einer Testfahrt ruft sie gleich ihren Vater an, Prinz Hassan Ibn Talal, und eine Stunde später erscheinen drei BMWs mit Blaulicht und jede Menge Soldaten mit Gewehren. Prinz Hassan ist der Bruder des verstorbenen Königs Hussein und Onkel des heutigen Königs Abdullah II von Jordanien, gilt als die Nummer zwei im Land - und ist als Club-of-Rome-Präsident ein großer Fan der Solarenergie.

Der Mann mit strengem Blick und im Safari-Look steigt gleich in das Solartaxi, gibt Gas, und schon sind wir weg - zum Schreck der Sicherheitsdienste, die sich in ihre Wagen werfen und uns gleich folgen. "Ich bewundere Innovationen mit Sonnenenergie!" meint der Prinz sichtlich vergnügt. "Ich weiß gar nicht, was das Erdöl uns gebracht hat. Wir können heutzutage Energie herstellen, ohne unsere Würde zu verlieren!" Der Prinz ist ein beeindruckender Mann, dessen Worte aus dem Herzen kommen.

Prinz Hassan ist Mitglied in der TREC, der Trans Mediterranean Renewable Energy Cooperation. Die TREC-Idee wird uns von Ingenieur Malek Kabariti im Auditorium präsentiert. Die weniger entwickelten Länder Südeuropas, Nordafrika sowie des Nahen Ostens besitzen vorzügliche Standorte für Wind- und Solarkraftwerke, deren Strom man mit neusten Hochspannungsleitungen und minimalen Verlusten nach Europa transportieren könnt, erzählt Kabariti.

Was macht Jordanien in Sachen Umweltschutz?

Nach dieser Präsentation bin ich überzeugt, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis wir den Großteil unseres Stroms aus Nordafrika und dem Mittleren Osten beziehen. Europa müsste sich aber dafür entscheiden, Strom aus diesen Ländern kaufen zu wollen. Das würde nicht nur eine wirklich nachhaltige Entwicklungshilfe für diese sonnenreichen Länder bedeuten, sondern auch, dass Strom aus erneuerbaren Energien zum wettbewerbsfähigen Preis produziert werden würde. Machbar wäre heute schon vieles.

Hier in Amman müssen wir ein paar Tage warten, bis wir das Visum für Saudi-Arabien erhalten. Diese Zeit brauchen wir für ein paar interessante Besuche bei Entscheidungsträgern, so zum Beispiel beim Umweltberater des Stadtpräsidenten von Amman, Ramzi Maatyah. Ich möchte von ihm wissen, welche Anstrengungen ein Land wie Jordanien in Sachen Umweltschutz unternimmt.

Er holt aus, denn die Ausgangslage von Amman sei nicht einfach, die Probleme dieser Stadt seien vielfältig: Waren es 2002 noch 1,9 Millionen Einwohner, so sei die Einwohnerzahl seit dem Irak-Krieg auf fast drei Millionen angestiegen, da Flüchtlinge aus dem Nachbarland einwandern. Gleichzeitig sei auch der Erdöl-Preis gestiegen, und somit hätten sich zum Beispiel die Mieten verdoppelt. Taxifahren sei immer noch so günstig wie sonst kaum irgendwo auf der Welt. Kein Wunder, hat Amman doch 10.200 Taxis und ansonsten fast keine öffentlichen Verkehrsmittel. In diesem Punkt herrsche Nachholbedarf, sagt der Berater, deshalb überlege die Stadt die Anschaffung von Express-Bussen, die auf eigenen Trassen fahren würden.

Kanal zwischen Rotem und Totem Meer

Zudem gehöre Jordanien zu den vier Ländern mit der größten Wasserknappheit der Welt, erzählt Maatyah, und so hoffe man, dass eines Tages der "Dead-Red-Channel" fertig gestellt sein wird. Der Kanal soll Meerwasser vom Roten Meer ins Tote Meer bringen. Das Projekt liege bereits bei der Weltbank. Allein die Machbarkeitsstudie solle zwölf Millionen Euro und die ganze Fertigstellung eine Milliarde Euro kosten. Die Idee sei, das austrocknende Tote Meer mit Wasser aus dem Roten Meer zu füllen, dieses Wasser zu entsalzen und so das Wasserproblem zu lösen.

Das Wasser, das vom Roten Meer ins 400 Meter tiefere Tote Meer fällt, soll auch für die Stromgewinnung genutzt werden. Doch bis das Projekt fertiggestellt wird - falls es denn überhaupt je kommt -, müssen die Vorräte an Grundwasser genügen. Und diese sind schon stark geschrumpft. Es gibt Oasen, die wegen des Absinkens des Grundwasserspiegels ausgetrocknet sind und gravierende Armut in ländlichen Gegenden hinterlassen haben. Man plane nun, so Maatyah, die noch intakten Grundwasservorräte im Süden des Landes anzuzapfen und durch eine 300 Kilometer lange Pipeline nach Amman zu transportieren.

Wir erfahren, dass Jordanien das erste Land des Nahen Ostens gewesen sei, das das Kyoto-Protokoll unterzeichnet hat. In die Praxis umgesetzt wurde bereits die Umrüstung einer alten Abfalldeponie in Amman in eine Biogas-Anlage. Neue Vorschriften für die Isolation von Gebäuden sollen eingeführt werden, und außerdem neue Fußgängerzonen.

Ein hehres Ziel – allerdings hat die Anzahl der Autos allein im letzten Jahr um zwölf Prozent zugenommen, und so stand ich auch heute bestimmt gegen zwei Stunden im Stau. In Amman gehen Wunsch und Realität noch weit auseinander.



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