Kulinarische Radtour 26 Länder, 20.000 Kilometer, 65 Rezepte

Über drei Kontinente und Zehntausende Kilometer radelten Tom Perkins und Matt Chennells von London bis Kapstadt. Das Mitbringsel: ein eindrucksvolles Reisekochbuch, das von der Gastfreundschaft der Menschen am Weg erzählt.

Von

Catherine Perkins

Das Reisebudget der beiden Freunde ist übersichtlich. Mit etwas anderem sind Tom Perkins, 26, und sein bester Kumpel Matt Chennells dafür aber üppig ausgerüstet: Sie haben Zeit, 501 Tage - und eine Menge Abenteuerlust. Der Plan: Vom Westen Europas bis an die Südspitze Afrikas wollen sie radeln. Über die Alpen und den Balkan, durch die Türkei, den Nahen Osten bis nach Nordafrika. Und von dort aus die Ostküste des schwarzen Kontinents runter bis Kapstadt.

Die Männer wollen in Zeitlupe erleben, wie Landschaften, Gesichter, Mentalitäten und Kulturen sich ändern. Vor allem aber wollen sie den Einheimischen ganz in Ruhe in die Kochtöpfe schauen: Was essen die Menschen in den Bergen Albaniens? Was kochen die Beduinen in der ägyptischen Wüste? Welche Köstlichkeiten schmurgeln in den Töpfen der Äthiopier? Was sind die Topseller an den Streetfood-Ständen? Was erzählen die jeweiligen kulinarischen Bräuche über eine Gesellschaft? Perkins hat ein Projekt im Kopf: Von der Drei-Kontinente-Tour möchte er später in einem Reisekochbuch erzählen.

Als er und Chennells 2011 in England die Gepäcktaschen aufschnallen und in die Sättel ihrer überladenen Räder steigen, liegen über 20.000 Kilometer, 26 Länder und 25 Grenzübertritte vor ihnen. Ansonsten ist der Plan, möglichst wenig Pläne zu machen - und auf die Gastfreundschaft der Menschen am Weg zu hoffen. In Albanien, der Türkei, in Jordanien, auf dem Sinai, in Äthiopien und Ruanda - unzählige Ma(h)le entlang der Strecke teilen Einheimische mit den jungen Männern das Wenige, was sie haben, oder laden sie zu Festtagsessen ein.

Perkins und Chennells probieren frische Bullenlunge, scharf gewürzte Fischköpfe, köstlichen Feigensalat oder samtiges Safrancurry. Sie frühstücken mit Beduinen in der Wüste über Feuer gekochte Bohnen, teilen nach Sonnenuntergang Hühncheneintopf mit Truckern auf dem Sinai und werden in Äthiopien zu aufwendigen Kaffeezeremonien in die Häuser gewunken. "Der äthiopische Kaffee ist der beste der Welt", schwärmt Perkins. "Wir hatten eigenes Geschirr und einen eigenen Campingkocher dabei und haben uns auch oft selbst verpflegt. Doch wann immer wir eingeladen wurden, haben wir die Offerte angenommen."

Für Perkins ist die Einladung an den Tisch, auf die Sitzmatte am Boden oder den Hocker an der Feuerstelle eine Art Backstage-Pass, der die Tür zu einer fremden Kultur öffnet. "Eine gute Mahlzeit besteht ja nicht nur aus Zutaten. Es geht es um das Beisammensein, die Interaktion. Ich kenne wenige Dinge, die Menschen so verbinden können wie ein gemeinsames Essen."

Insgesamt 65 Rezepte hat Perkins auf dem Weg in den Süden zusammengetragen und teils im Original, teils abgewandelt für sein üppig bebildertes Werk "Nomadic Kitchen - Spices and Spandex" aufbereitet. Das Geld für die Herstellung des Buches hat er per Crowdfunding gesammelt und einige Seiten schon ins Internet gestellt. Im Oktober soll es fertig sein.

Logisch, dass es in "Spices and Spandex" aber nicht nur um die Zubereitung von Rindertajine mit Aprikosen, Feigensalat mit gebratenem Halloumikäse und Granatapfelkernen oder Shakshuka geht. Mindestens genauso wichtig wie die Rezepte im Buch sind die Protagonisten darin. Die Gesichter der Menschen, die Perkins und Chennells mit ihrer Gastfreundschaft nicht nur die Mägen gefüllt, sondern auch so viel Rückenwind gegeben haben.

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insgesamt 4 Beiträge
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Okello 12.05.2014
1. Und dann bin ich in Uganda gelandet..
Man kann Länder eigentlich nur zu Fuß oder vom Fahrrad aus erkunden. Rezepte zu Sammeln ist eine wunderbare Idee. Auf dieser Strecke ist die Küche des Nahen Ostens und die Äthiopiens ist meiner Meinung nach die interessanteste, die der Buren die deftigste. Als ich die Strecke abreiste interessierte mich am meisten die Lebenseinstellung der Menschen. Es ist interessant andere Lebensphilosophien als die Westeuropäische kennenzulernen und die Gründe für die Unterschiede rauszufinden. Als folge der Reise bin ich in Uganda steckengeblieben. http://www.ImpetusInMundum.de
jruhe 12.05.2014
2. Swasiland
Ich kann nur die swasische Spezialität "nhango to" (süß eingelegte Hundepfoten) empfehlen. Kalt und warm genossen eine Köstlichkeit vor dem Herrn.
Layer_8 12.05.2014
3. Prima Sache
Zitat von sysopCatherine PerkinsÜber drei Kontinente und Zehntausende Kilometer radelten Tom Perkins und Matt Chennells von London bis Kapstadt. Das Mitbringsel: ein eindrucksvolles Reisekochbuch, das von der Gastfreundschaft der Menschen am Weg erzählt. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/spices-und-spandex-kulinarische-radreise-von-london-bis-kapstadt-a-968022.html
Afrika kann zwar wunderbar sein, nur ich wäre dann wohl eher durch Asien geradelt. Rein kulinarisch gesehen. Eigene Erfahrungen :D
zabadac 13.05.2014
4. allein essen
in Thailand gibt es ein sprichwort, sinngemäß "das traurigste im leben ist allein zu essen" genau wie hier geschrieben. das regelmäßige gemeinsame essen ist dazu auch noch in familien der beste kitt zum zusammenhalt
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