Spukhotel in Colorado: Zimmerservice aus dem Totenreich

Von Denis Krick

Horror in Endlosschleife: Im Stanley Hotel in Colorado treiben zahlreiche Geister ihr Unwesen. Auch Bestsellerautor Stephen King erlebte hier eine Nacht voller Schrecken - und verarbeitete die Erfahrung zu einem echten Gruselklassiker.

Stanley Hotel in Colorado: "Shining" ohne Ende Fotos
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Mrs. Wilson putzt noch immer sehr gewissenhaft Zimmer 217 des Stanley Hotels - dabei starb die Dame schon 1911. Damals verursachte sie in der Suite tragischerweise eine Gasexplosion und segnete das Zeitliche. Ihrem Fleiß tat dieses kleine Unglück keinen Abbruch. Die Verstorbene kümmert sich weiterhin liebevoll um das Gepäck und hält das Zimmer in Schuss. Zumindest wenn man den Berichten mancher Gäste glauben mag.

Auch Bestsellerautor Stephen King machte wohl Bekanntschaft mit Mrs. Wilson. 1973 übernachtete er zusammen mit seiner Frau Tabitha in Zimmer 217. Die beiden waren zu diesem Zeitpunkt die einzigen Gäste im Stanley Hotel. Zahlreiche unheimliche Zwischenfälle sollen sich während ihres Aufenthalts ereignet haben.

Die seltsamen Erfahrungen inspirierten King zu einem seiner besten Bücher: "Shining". Regisseur Stanley Kubrick verfilmte den Horrorroman 1980 mit Jack Nicholson in der Hauptrolle. Die ungekürzte Kinoversion - immerhin 143 Minuten lang - läuft im Fernsehprogramm des Stanley Hotels in einer Endlosschleife auf Kanal 42.

Doch nicht nur im TV ist die Hölle los: Zu später Stunde herrscht auf den Fluren häufig Hochbetrieb. Dann treiben in der Herberge am Rande der Rocky Mountains seltsame Zeitgenossen ihr Unwesen. Meist sind sie in Gruppen unterwegs und schleichen flüsternd durch die Gänge. Bewaffnet mit Kameras, digitalen Aufnahmegeräten und merkwürdigen Apparaten, um Temperaturschwankungen oder elektromagnetische Felder aufzuspüren, wirken sie eher wie Wissenschaftler als wie Touristen. Sie sind Geisterjäger auf der Suche nach Gespenstern.

Eine verschworene Gemeinschaft

"Das Stanley Hotel ist ein paranormales Disneyland", sagt Greg Velasquez. Der Marketingmanager ist mit Frau und Tochter extra von Los Angeles nach Estes Park in Colorado gereist, um den zahlreichen Gruselgeschichten rund um das altehrwürdige Gebäude auf den Grund zu gehen. Mehr als ein Dutzend angebliche Geisterhotels hat Velasquez schon besucht - aber das Stanley sei einfach einmalig. "Aus der ganzen Welt kommen die Spukfans hierher, um einem echten Gespenst zu begegnen", erklärt der Kalifornier. "Es ist eine verschworene Gemeinschaft, die sich an diesem Ort trifft."

Gedacht war die imposante weiße Luxusherberge am Fuße der Rocky Mountains als Kurhotel. Freelan Oscar Stanley eröffnete sie 1909, nachdem er sich in Estes Park ein paar Jahre zuvor dank des guten Klimas von der Schwindsucht erholt hatte. 1940 starb der Hotelgründer in Newton, Massachusetts - und kehrte angeblich als Geist nach Colorado zurück.

In der Lobby und im Billardzimmer soll sich der spukende Hotelier besonders wohlfühlen. Manchmal mischt der Geist des ehemaligen Besitzers die Rezeption auf und schmeißt Bücher auf den Boden. Das berichtet zumindest der furchtlose Nachtportier, den anscheinend niemand - egal, ob tot oder lebendig - aus der Ruhe bringen kann.

Stanleys verstorbene Ehegattin Flora hat sich angeblich dem Treiben ihres rastlosen Mannes angeschlossen. Sie soll im Ballsaal spuken und gelegentlich am Piano spielen. Greg Velasquez bestätigt das mit ernster Miene. "Wir hörten abends unvermittelt Klaviergeklimper aus dem Ballsaal. Als wir nachschauten, war der Raum völlig leer", berichtet der Kalifornier. "Meine Frau sah jedoch einen merkwürdigen weißen Schleier nahe des Pianos und machte schnell ein paar Fotos mit dem Handy." Velasquez ist sich sicher, dass auf den Bildern eine echte Geistererscheinung zu sehen ist. "Ein ähnliches Phänomen konnten wir dann noch einmal im Treppenhaus beobachten."

Diebischer Geist im vierten Stock

Die Eheleute Stanley und Mrs. Wilson sind nicht die einzigen übernatürlichen Bewohner des Luxushotels. Im vierten Stockwerk des Hauptgebäudes spielen die Geisterkinder eines ehemaligen Zimmermädchens mit den Nerven der Gäste. Ein kleiner Junge und seine blonde Schwester sollen hier regelmäßig und lautstark im Flur Ball spielen. Das Getrampel der kleinen Gespenster führt meist zu Beschwerdeanrufen aus dem dritten Stock. Auch Velasquez machte seine Erfahrungen mit dem unheimlichen Nachwuchs. "Wir hörten die ganze Nacht Kinderstimmen und Klopfgeräusche aus dem Wandschrank", erzählt der Familienvater.

Der vierte Stock hat allerdings noch mehr zu bieten. In Zimmer 401 scheint sich ebenfalls ein Gespenst im Wandschrank eingerichtet zu haben. Der Geist gehört zu den wenigen unangenehmen Zeitgenossen im Stanley Hotel. Glaubt man den Berichten, dann zerschlägt er schon mal ein Wasserglas auf dem Nachttisch oder klaut den Schmuck der Gäste.

Auch im benachbarten Manor House soll es spuken. Hier hat sich Zimmer 1302 zu einem echten Alptraum für das Housekeeping entwickelt. Kaum sind die Betten gemacht, ist wenige Minuten später alles wieder durcheinander. Selbst die hoteleigene Konzerthalle hat inzwischen ein Gespenst. Der Legende nach suchte hier einst eine obdachlose Frau Zuflucht im Keller des Gebäudes und erfror dort während des eiskalten Winters. Ihr Geist wandert nun nachts wehklagend im Saal herum, um sich wieder aufzuwärmen.

Das Stanley Hotel hat sich längst mit seinen Gespenstern arrangiert. Die Geisterjäger sind willkommene Kundschaft. Ihnen zuliebe bleiben auch nachts alle heimgesuchten Orte wie der Konzertsaal unverschlossen und schummrig beleuchtet. Lediglich die beliebten Spukzimmer wie 401 und 217 müssen extra gebucht werden.

Regelmäßig werden im Stanley Hotel auch Geistertouren für 15 US-Dollar angeboten. Und wer in den direkten Kontakt mit dem Jenseits treten will, dem bietet die Luxusherberge einen ganz besonderen Service an - ein eigenes Medium. Madame Vera lässt sich über die Internetseite des Stanleys genauso bequem buchen wie ein Käseteller oder Kekse mit Milch. Vielleicht findet auch deshalb der ehemalige Besitzer des Hotels keine Ruhe.

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insgesamt 17 Beiträge
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1.
dwbrook 20.11.2012
Zitat von sysopCorbisHorror in Endlosschleife: Im Stanley Hotel in Colorado treiben zahlreiche Geister ihr Unwesen. Auch Bestsellerautor Stephen King erlebte hier eine Nacht voller Schrecken - und verarbeitete die Erfahrung zu einem echten Gruselklassiker. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/stanley-hotel-in-colorado-vorbild-fuer-stephen-kings-shining-a-831948.html
Transsexuelle(r)/Transvestit? Was denn nun? Mr. oder Mrs. Wilson? O redactio o mores!
2. Frierende Spukelemente
TheGossip 20.11.2012
Die Welt ist voll von untoten Wandelgängern, die ihr eigenes Ableben einfach nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Jeder kennt da ein Beispiel. DFB-Präsidenten schreiben Bücher, Brüderle sucht seinen Korkenzieher, Frau Schröder jagt die Frauenquote und der Bayerische MP verlangt ein Betreuungsgeld für Kinder, die noch nicht leben.
3. Realistisch!
wolffsohn 20.11.2012
Mir ist dieses Hotel seit Jahren persönlich bekannt und es ist alles andere als ein Hirngespinst. Ich selbst bin ein ausgesprochener Realist, der wenig von solchen Stories hält. Dieses Hotel jedoch überzeugte mich in der Tat von der Existenz der hier beschriebenen Energien.
4. optional
mwroer 20.11.2012
Zweimal übernachtet, bestens geschlafen. Kann das Frühstücksbuffet und das Steak empfehlen, die Pasta nicht. Geisterjäge sind auch kein Problem. Herbstloch?
5.
tetaro 20.11.2012
Das echte Hotel taucht übrigens in der zweiten Verfilmung, dem Fernsehfilm "The Shining" auf. Mit Kubricks Version konnte King nichts anfangen. Wer das Buch kennt, wundert sich bei Kubricks Version auch, weil viele Hintergründe, die zum Verständnis der Story beitragen, unter den Tisch fallen. Kubrick war m.E. zwar visuell begnadet, aber nur ein mäßiger Geschichtenerzähler.
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