Star-Trek-Pilgerort in Kanada Zu Hause bei Mr. Spock

"Lebe lang und in Frieden, Vulcan." In der kanadischen Stadt, die so heißt wie der Heimatplanet von Mr. Spock, treffen sich einmal im Jahr die Star-Trek-Fans. Sie ziehen mit Plastikohren und Sternflottenuniform durch die Straßen - und wandeln wie in einer fremden Galaxie.

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In der Vitrine liegen die beiden Ohren von Mr. Spock. Zwei spitze Plastikteile, die zum Kostüm von Schauspieler Leonard Nimoy gehören. "Faszinierend", würde der Raumschiff-Enterprise-Commander jetzt wohl sagen.

In der kleinen kanadischen Stadt Vulcan in der Provinz Alberta geht es eigentlich ziemlich humanoid zu. Doch dank des Namens "Vulcan", der in den Star-Trek-Filmen als Heimatplanet von Mr. Spock bekannt wurde, sieht es aus wie in der berühmten Science-Fiction-Serie.

Vulcan liegt 120 Kilometer südöstlich von Calgary, direkt am Highway 23. Hinter dem steinernen Ortsschild "Welcome to Vulcan" prangt auf einer Straßeninsel ein Raumschiff auf der grünen Wiese. Auf einem Schild steht: Das ist die Enterprise. Groß, unübersehbar und scheinbar bereit zum Warpantrieb, aber festgeschraubt auf einem Steinsockel.

Kanadas Galaxien

Ein Truck fährt gemächlich vorbei. Von Zeit zu Zeit brettert ein Jeep durch die Straßen der Farmerstadt. Die Sonne scheint, nur wenige Menschen spazieren auf den Gehwegen. An einer Hauswand prangen gemalte Gesichter von Stars aus dem Star-Trek-Universum. Der zwölfte Film ("Star Trek Into Darkness") kommt am 9. Mai in die deutschen Kinos.

Im Stadtcafé, das mit seinen in roten Stühlen und der Musikbox den sechziger Jahren entsprungen zu sein scheint, sitzt ein Bauer mit großem Cowboyhut. Eine Kellnerin schenkt dampfenden Kaffee ein und empfiehlt warmen Apple Pie mit Eiscreme. Der Blick an die Decke beamt fremde Besucher im kanadischen Nirgendwo in noch fremdere Galaxien: Dort schwebt ein kleines Raumschiff Enterprise an einem dünnen Faden über den Köpfen der Gäste, und William Shatner lächelt als Captain Kirk aus dem Bilderrahmen an der Wand.

So ruhig ist es aber nicht immer: Einmal im Jahr treffen sich Fans aus aller Welt zu Vulcans Star-Trek-Festival. Dabei ziehen ein paar hundert Trekkies friedlich durch die Straßen und feiern ihre Weltraum-Helden. Abends werden die schönsten Verkleidungen prämiert.

Bürgermeister in Sternflottenuniform

Die Stadt Vulcan hat ihren Namen so erfolgreich vermarktet, dass im Jahr 2010 der 79-jährige Spock-Darsteller Leonard Nimoy anreiste und eine bronzefarbene "Mr. Spock"-Büste einweihte. In diesem Jahr sind die Star-Trek-Darsteller Robert Picardo und Ethan Phillips angekündigt, um bei den "Spock Days" über den Walk of Fame zu laufen.

Das prächtige Besucherzentrum in der Ortsmitte Vulcans sieht aus wie eine Weltraumstation. Ganz in Weiß und sternenförmig erbaut wirkt es wie von einem anderen Stern. Drinnen gibt es Unmengen von Trekkie-Souvenirs - von Uniformen über Spock-Ohren bis hin zur Weltraumkulisse für ein Foto mit dem coolen Captain Kirk aus Pappmaschee.

Ein verkleideter Mann, der wie ein Bösewicht aus einem Star-Trek-Film aussieht, läuft vorbei. Ob das der Bürgermeister ist? Selbst der erste Mann der Stadt trägt das Trekkie-Outfit, heißt es. "Die Sternflottenuniform aus den Filmen ist hier zumindest zu den jährlichen 'Spock Days' gängiger Kleidungsstil", sagt Linda, eine freundliche Vulcanierin, und schmunzelt. "Und Mr. Spocks berühmtes Handzeichen ist der Lieblingsgruß der Einheimischen." Beim Vulkaniergruß wird zwischen Ringfinger und Mittelfinger ein V gebildet.

Beim Verlassen des Städtchens flimmert die heiße Luft auf dem Asphalt. Die Sonne strahlt, und die weiße Weltraumstation wird im Rückspiegel winzig, bis sie kaum mehr zu erkennen ist. An beiden Seiten des breiten Highways gibt es nichts zu sehen, nur weites Land. Durch das offene Autofenster weht der warme Wind, und am fernen Horizont erhebt sich langsam die gewaltige Bergkette der Rocky Mountains. Was hätte Mr. Spock jetzt wohl gesagt? Na logisch: "Lebe lang und in Frieden, Vulcan."

Claudia Carstens, SRT

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insgesamt 3 Beiträge
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ManRai 05.05.2013
1. und dann zur Stadt von Superman
besucht Metropolis, Illinois, die Stadt von Superman, mit einem einmaligen Superman Museum und Superman Statue
jsvee 06.05.2013
2. netter Artikel...
...wohne nur 30km weiter südlich und muss schon leicht schmunzeln wenn ich das hier so lese...Sagen wir mal so, die "Vulcanier" geben sich viel Mühe aber es is doch eher sehr provisorisch & rustikal...wer extra nen auserplanmâßigen Stop einlegt wird u.U. leicht enttâuscht sein...aber die Spock-Days werde ich mir auch mal anschauen,wird bestimmt spaßig...ENERGIE :-)
mideal 06.05.2013
3. Sternflotte?
Sternenflotte!
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